PASCAL STEINWACHS

Derweil der Chef der inzwischen gar nicht mehr so neuen Regierung (nach und nach kommen auch die neuen Minister in der Realpolitik an) momentan durch Europas Hauptstädte tourt, um solcherart auch seine europäischen Amtskollegen von seinem legendären Charme zu überzeugen, werden in Luxemburg langsam aber sicher die Europawahlen vorbereitet. So richtig interessieren tun diese zwar immer noch keinen - nicht einmal unabhängig von den Legislativwahlen - aber in den Parteizentralen laufen die Vorbereitungen nichtsdestotrotz auf Hochtouren, auch wenn der Termin erst in drei Monaten ist.

LSAP, DP, adr, KPL und Piraten haben ihre jeweiligen sechs Kandidaten bereits vorgestellt (dass der liberale Spitzenkandidat Charles Goerens und die sozialistische Spitzenkandidatin Mady Delvaux-Stehres am 25. Mai gewählt werden, gilt als sicher); „déi Lénk“ stellten ihre Kandidatenliste gestern vor (darunter auch der Abgeordnete Justin Turpel, der sich schon im Luxemburger Parlament zu langweilen scheint) und „déi gréng“ organisieren ihren Europawahlkongress an diesem Samstag (was ihren langjährigen Europaabgeordneten Claude Turmes aber nicht davon abhält, schon jetzt fleißig Wahlbroschüren in die Briefkästen zu werfen).

Die CSV, die nicht später als gestern durch einen Brief an Joseph Daul, dem Präsidenten der europäischen Christdemokraten, Jean-Claude Juncker als EVP-Kandidaten für das Amt des kommenden EU-Kommissionspräsidenten vorgeschlagen hat, will vorsichtshalber erst einmal den nächstwöchigen EVP-Kongress in Dublin abwarten, ehe sie dann in der Woche vom 17. März mit ihren sechs Kandidaten an die Öffentlichkeit treten wird. Dass die drei aktuellen Europaabgeordneten - darunter auch die Langzeitabgeordnete Astrid Lulling, die (Jahrgang 1929!) immer noch davon träumt, endlich Alterspräsidentin zu werden - noch einmal mitgehen, steht außer Frage; im Gespräch ist ebenfalls die Frau von Claude Wiseler. Ob die CSV ihre drei Mandate im Europaparlament auch die nächsten fünf Jahre behalten kann, darf allerdings stark angezweifelt werden.

Nicht mehr angezweifelt wird jedoch die Spitzenkandidatur von Jean-Claude Juncker für die Europäische Volkspartei, hatte sich doch am Montag bereits das Parteipräsidium der deutschen Christdemokraten für den Ex-Premier ausgesprochen. Damit dürfte Junckers europäische Zukunft gesichert sein. Sogar wenn Martin Schulz als Spitzenkandidat der sozialdemokratischen Parteien das Rennen um die Barroso-Nachfolge machen sollte, haben die EVP und die Sozialdemokraten doch anscheinend längst eine interne Abmachung getroffen, dass der EVP-Kandidat dann - im November - Nachfolger von EU-Ratspräsident Van Rompuy wird.

Außenminister Jean Asselborn (LSAP) ist zwar nicht Kandidat für die Europawahl, rührt auf seine Art aber auch kräftig die Werbetrommel für die EU, indem er am Samstag am legendären Europa-Quiz „Einer wird gewinnen“ (ARD) mit Jörg Pilawa teilnehmen wird - zusammen mit anderen Europakennern wie Schauspiellegende Ornella Muti („Gib dem Affen Zucker“) und Startenor Rolando Villazón. Avis aux amateurs...