LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Fernand Kartheiser ist neuer Gruppenanführer der adr im Parlament

Dass Gast Gibéryen, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag feierte, sich am 13. Oktober zur parlamentarischen Rentrée nach 31 Jahren in der „Chamber“ aus der aktiven Politik zurückziehen wird, war gewusst. Dass Fernand Kartheiser bereits am Montag das Amt des adr-Gruppenanführers übernommen hat, war indes nicht gewusst, scheint aber unter keinem guten Stern zu stehen, fand die Jungfernrede des frischgebackenen Gruppenchefs im Rahmen der adr-Pressekonferenz zum Abschluss der Kammersession 2019/2020 doch unter gar schrecklichen Bedingungen statt, wie Gast Gibéryen mit einem Grinsen im Gesicht feststellen musste, gingen die Kartheiser‘schen Überlegungen doch erst im Glockengeläut der Kathedrale unter, ehe ein über dem Ort der Pressekonferenz (ein hauptstädtisches Nobelrestaurant) kreisender Polizeihubschrauber jegliches Verstehen unmögliches machte.

Die Abschiedsrede des scheidenden Gruppenanführers wurde hingegen durch kein Glockengebimmel oder Rotorenlärm getrübt, so dass Gast Gibéryen noch einmal in aller Ruhe erklären konnte, dass jetzt der richtige Moment gekommen sei, seinem Nachfolger in der Abgeordnetenkammer - dem Kopf der Bewegung „Wee2050/Nee2015“, Fred Keup - Platz zu machen, bleibe diesem doch somit vor den nächsten Wahlen noch genug Zeit, sich in seinen neuen Job einzuarbeiten.

„Mit Karte und Kompass“

Dass er sich jetzt aus der ersten Reihe zurückziehe, heiße aber nicht, dass er seiner Partei nun nicht mehr erhalten bleibe, sei er, der, wie auch der adr-Abgeordnete Jeff Engelen, zu den Gründungsmitgliedern des „Aktiounskomitee 5/6“ gehört habe, doch immer ein Parteisoldat gewesen, und das bleibe er auch in Zukunft. Seiner Partei sei es übrigens selten so gut gegangen wie im Moment, was auch an der beständig anwachsenden Zahl von neuen Mitgliedern deutlich werde, darunter auch „ganz viele junge Leute“.

Der neue Gruppenanführer Fernand Kartheiser, der in der Vergangenheit auch schon mal kurzzeitig Präsident der adr gewesen war, sprach seinem Vorgänger seinen herzlichsten Dank für dessen geleistete Arbeit aus, vor allem, was die Verbesserungen für viele Leute im sozialen Bereich  anbelangen würden. Wenn Gast Gibéryen in den Sitzungen der Partei traditionell die Frage aufgeworfen habe, wie „wir“ denn jetzt „duerch de Bësch“ kommen würden, dann habe er auch immer einen Weg gefunden, habe er doch eine Karte und einen Kompass, die er dem adr weiterhin zur Verfügung stelle.

Besorgt zeigte sich Kartheiser über die individuellen Freiheiten, die in der Covid-19-Krise gelitten hätten. In diesem Zusammenhang machte sich der neue Gruppenchef dann auch stark, dass die Bürger einen Zugang zum Verfassungsgericht erhalten würden. Besorgt zeigte sich Kartheiser über die finanzielle Situation des Staates, die schon vor der Corona-Krise schlecht gewesen sei und die riskieren würde, dass Luxemburgs Triple A in Gefahr sei. Hier gelte es, die Schuldenpolitik der Regierung zu revidieren; das Land dürfe nicht länger über seine Verhältnisse leben.

Eine klare Absage erteilte er der Öffnung des Polizeidienstes für Bürger anderer EU-Staaten: Wer Polizist werden wolle, der müsse auch Luxemburger sein und der müsse die Luxemburger Sprache sprechen, so der frühere Spitzendiplomat, für den die Integration auf Basis der luxemburgischen Sprache stattfinden muss.

Als der neue Gruppenanführer dann auf die politische Konkurrenz zu sprechen kam, begannen die Kirchenglocken zu läuten und die Rotoren zu rotieren, aber wie im Lärm trotzdem noch zu hören war, ließ er kein gutes Haar an den anderen Parteien, nicht mal an den ehemaligen Partnern, den Piraten, die sich „Gambia“ anbiedern würden, „um jeden Moment in eine Koalition einsteigen zu können“. Die adr gehe die nächsten Jahre ihrerseits zukunftsorientiert und auf feste Werte basierend an...