NORA SCHLEICH

Die Frage um die ausreichende Rechtfertigung einer Behauptung, die also legitimieren soll, dass man etwas wirklich weiß, beschäftigt die Philosophen schon seit langem. Die Idee, die dem Sachverhalt seit jeher zu Grunde liegt, ist die Theorie Platons, die besagt, dass Wissen nur dann stattfinden kann, wenn diesem eine Rechtfertigung einer wahren Annahme einhergeht. 

Die Externalisten behaupten, dass die Elemente, die zur Rechtfertigung einer Überzeugung beitragen sollen, außerhalb des Subjektes liegen. So sind die ‚Wissens‘-Aussagen hierbei auf externe Gründe und äußerliche Prozesse zurückzuführen. Die bewusstseinsunabhängige Welt bestimmt also den Gehalt unseres möglichen Wissens. Kontrastiv dazu steht die Position der Intentionalisten, die behaupten, der Name lässt es einen bereits erahnen, dass die Legitimierung des Wissens über kognitive, innere Zustände der Person herbeigeführt werden kann. Die große Frage lautet also: Können wir behaupten, etwas zu wissen, weil in unserem Bewusstsein die Fähigkeit liegt, wahren Gehalt als solchen auszumachen? Oder muss stets eine Interaktion mit dem Umfeld bestehen, wodurch sich die Behauptung des „ich weiß, dass... weil...“ stützen kann? Externalisten zufolge ist zudem die Frage zu stellen, ob eine Wissensaussage als solche überhaupt einer Rechtfertigung bedarf, oder kann man auch wissen, ohne selbst bewusst wissen zu können, woher man weiß? Ist Wissen also vielleicht bewusstseinsunabhängig?

Die Argumente der Externalisten regen auf jeden Fall zum Nachdenken an. So beschreiben sie oft Fallbeispiele von verschiedenen Tieren, Kleinkindern und senilen Personen. Alle Mitglieder dieser drei Gruppen scheinen über eine Art Wissen zu verfügen, ohne dies bewusst als Wissen ausmachen oder auch triftige Argumente für die Rechtfertigung ihrer Annahme liefern zu können. Eine kognitiv primitive Person weiß zum Beispiel, dass sie zwei Hände hat, ohne untermauern zu können, weshalb dem so ist. Das Kleinkind scheint zu wissen, dass heute ein sonniger Tag ist und Bello weiß, dass in seinem Napf Futter ist. In allen Fällen scheinen die Personen zu wissen, ohne jedoch selbst bewusst auf ordentliche Gründe für die Legitimation ihres Wissens zurückgreifen zu können. Demnach kann jemand also auch wissen, ohne über interne, kognitive Begründungen dafür zu verfügen.

Das Beispiel der Chicken Sexer folgt einer ähnlichen Strategie. Als Chicken Sexer beschreibt sich eine Person, die, oftmals von großen Bruthäusern angestellt, männliche von weiblichen Küken unterscheiden soll. Dies zu dem Zwecke, die zur Brut fähigen Hühner von den zur Fleischproduktion determinierten Hähnen zu trennen. Das Geschlecht von sehr jungen Küken zu bestimmen bedarf sehr viel Fingerspitzengefühl, da es anscheinend keine festgelegten Kriterien gibt, nach denen auf die Unterscheidung auf die Schnelle vollzogen werden kann. Sogenannte Geschlechtsbestimmer von Küken äußern oft, dass sie gar nicht wissen, wie sie aussortieren. Ihre hohe Erfolgsquote spricht für sie - auch ohne dass ein interner Bewusstseinszustand eine Rechtfertigung liefern könnte. In allen Fällen besticht, dass das Subjekt etwas aussagt, das der Wirklichkeit entspricht: Die senile Person hat zwei Hände, die Sonne scheint, im Napf ist Futter und das männliche Küken wurde korrekt des männlichen Geschlechts bestimmt. Die Externalisten treten unter anderem dafür ein, dass Wissen so tatsächlich vorhanden ist, und dass es nicht intern und bewusst verankert sein muss, um gerechtfertigt sein zu können.

Ihre internalistischen Kollegen sträuben sich: Man kann in diesen Fällen nicht behaupten, etwas wirklich zu wissen, denn man kann sich ja nicht sicher sein, ob nicht doch einige unbewusste, weit zurückliegende Erfahrungen oder Habituationen dafür sorgen, eine korrekte Aussage zu liefern. Vielleicht kann die demente Großmutter sich doch noch irgendwie daran erinnern, ihre Hände benutzt zu haben, auch wenn sie dies nicht äußern kann. Ähnliches könnte auch beim Kleinkind oder Hund eine Rolle spielen; durch entsprechende Erfahrungen lässt sich die Wahrheit ihrer Annahmen bestätigen. In Bezug auf die Chicken Sexer entgegnen die Internalisten, dass wir es hier mit kognitiv höchst performanten Personen zu tun haben, die ihre Urteilskraft durch Erfahrung stets schärfen konnten und somit zwar unbewusst, jedoch aus internen Gründen heraus, die richtige Entscheidung treffen.

Die Debatte um externalistische oder internalistische Beweisführungen ist also alles andere als abgeschlossen und reicht weit zurück: Bringt es Platons Behauptung, dass nur ein ausreichend gerechtfertigter, wahrer Glauben als Wissen Bestand haben kann, wirklich noch auf den Punkt?