LUXEMBURG
SVEN WOHL

Interne Dokumente der luxemburgischen Justizsind an die Öffentlichkeit gelangt

Einen ganzen Gigabyte Daten aus dem Justizministerium soll laut Informationen des „Luxemburger Wort“ an die Öffentlichkeit gelangt sein. Dies wurde vom Sprecher der Justiz, Henri Eippers, gestern gegenüber RTL bestätigt. Unter den Dokumenten befänden sich teilweise öffentlich verfügbare Informationen, wie aus dem Interview hervorging. Jedoch würden im Datensatz auch Notizen, Sitzungsberichte und E-Mail-Konversationen zu finden sein. Henri Eippers stellte gegenüber von RTL jedoch klar, dass der Datensatz nicht während eines Hackerangriffes erbeutet worden sei. Stattdessen sollen die Daten mit einem USB-Stick oder gar auf Papier heraus geschleust worden sein. Während die Daten möglicherweise von einem Mitarbeiter sowie einem einzigen Posten stammen könnten, sei unklar, wer sie an die Presse weitergegeben hätte. Forderungen stünden des weiteren nicht im Raum. Jedoch seien Ermittlungen bereits angelaufen.

Viele Fragen bleiben offen

Der Zwischenfall gab den CSV-Abgeordneten Laurent Mosar und Gilles Roth bereits die Grundlage für eine Dringlichkeitsanfrage. So interessieren sie sich dafür, wann dieser Leak entdeckt worden sei und wann das Justizministerium davon erfuhr. Die Abgeordneten wunderten sich darüber, weshalb die „Chamber“ nicht von diesem Zwischenfall in Kenntnis gesetzt worden war. Zudem fragten die Abgeordneten, ob jeder im Justizministerium Zugriff auf alle Dokumente habe und ob es nicht von Interesse sei, den Zugriff zu begrenzen, falls dies der Fall sei. Außerdem wunderten die Abgeordneten sich, wie es sein könnte, dass ein gewöhnlicher Mitarbeiter die Dokumente auf einen USB-Stick kopieren oder ausdrucken und diese einfach so entwenden konnte. Ebenfalls von Interesse sei die Natur der Dokumente wie auch die Frage, ob die betroffenen Personen und Unternehmen von diesem Leck informiert worden seien. Die Dringlichkeit der parlamentarischen Anfrage wurde seitens Kammerpräsident Fernand Etgen nicht anerkannt, die Frage soll aber zu Beginn der heutigen Sitzung beantwortet werden.

Kein Hackerangriff

In einer Pressemitteilung klärt das Justizministerium weiter auf: Eine erste Analyse würde die Dokumente in den Zeitraum vor 2015 platzieren. Weitere Ermittlungen sollen klären, wie es zu diesem Leck kommen konnte. Jedoch soll es zu keinem Moment zu einem illegalen Zugriff oder Eindringen in die informatischen Infrastrukturen des Ministeriums gekommen sein. Dies bestätige die Analyse des „Centre des technologies de l’information de l’Etat“ (CTIE).

Es handelt sich hierbei nicht um das erste Datenleck, das sich beim Staat auftut. Für viel Aufsehen sorgte 2018 die Lücke bei der „Chamber“. Hier hatten Journalisten von „Radio 100,7“ eine Möglichkeit entdeckt, Zugriff auf Daten zu erhalten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Hierfür genügte ein einfaches Manipulieren der Adresszeile der Seite, um sich Zugang zu verschaffen. Dieser Fall hatte u.a. dazu geführt, dass es zu einer Hausdurchsuchung bei diesem Presseorgan kam.