LUXEMBURG
NATASCHA EWERT

„Bibel-TV - D’Teresa poléiert d’Vas vun der Wourecht“ vom TNL-Jugendclub

15 Mädchen auf der Bühne, eine tote Katze und die Ziffer acht bilden den Rahmen dieses besonderen Stücks. Es ist unheimlich spannend, weil nicht alles so ist wie es scheint. Denn auf den ersten Blick sieht die Geschichte harmlos aus: Das Mädcheninternat wird zum Handlungsort und der Zuschauer begegnet verschiedenen Figuren, die er selbst als Schüler hatte. Doch die düstere und dynamische Musik, die zwischen den Szenen gespielt wird, erinnert uns schon an dunkle Irrwege und mysteriöse Gestalten.

Die Zicke als Archetyp

Das Stück fängt mit einem Gebet an und das große Kreuz auf der Bühne weist darauf hin, dass es sich um ein katholisches Mädcheninternat handelt. Nach dieser Szene tritt eine strenge Lehrerin ein, die gestresst und überfordert mit ihren Schülerinnen ist. Leïla Oualkadi spielt die Überzicke des ganzen Stücks: Frau Becker. Sie spielt die Rolle so gut, dass sie mich selbst an eine strenge Lehrerin aus meiner Schulzeit erinnert. Sie kommt nicht sympathisch rüber, doch nicht jede Schülerin respektiert sie, wie sie es von ihnen gerne erwartet. Hinter jeder Zicke steckt auch eine Frau, die verletzlich ist und mit ihren eigenen Problemen kämpfen muss. Der langweilige Schulalltag der Mädchen nimmt eine Wende, als Frau Becker ein Graffiti an der Tafel entdeckt. Es handelt sich nicht um ein gewöhnliches Graffiti, sondern um ein gefährliches Symbol, das die ganze Schule zum Verzweifeln bringt.

Keine Zufälle

Von nun an beginnt die Rätselei. Mystiker wissen, dass alles kein Zufall ist. Erstens besteht das Ensemble nur aus Mädchen und kein besseres Thema konnte für diesen Zeitpunkt gefunden werden. Dunkle Mächte, Rituale, geheimes Wissen, all dies erfahrt der Zuschauer im Stück. Sehr raffiniert und subtil wird auch das Thema und das Bild der Hexe beziehungsweise das gefährlich Weibliche in das Stück eingeführt. Die Zahl acht hat eine besondere Bedeutung. Denn es steht in Numerologie und Tarot für Gleichgewicht, Stärke und Gerechtigkeit. Wir befinden uns im Jahr 2018. Im Tarot werden diese Zahlen durch die Karten der Hohepriesterin, des Mondes und des Magiers widergespiegelt. Kurz gesagt: Es ist das Jahr der Frauen. Die Mädchen finden in den Archiven der Bibliothek heraus, dass alle 30 Jahre eine Schülerin seit 1898 ermordet wurde. Man kann alles als Aberglaube und faulen Zauber abstempeln, aber die Synchronizitäten, die gleichzeitig im Stück und in der Aktualität vorkommen, strahlen schon die Macht der weiblichen Energie aus.

Ein vielseitiges Ensemble

Die nette Bibliothekarin Frau Kniga („Kniga“ ist das russische Wort für Buch) mit der piepsigen, doch lieben Stimme wurde hervorragend von Dora Thiry verkörpert. Keine bessere Rolle konnte für die junge Schauspielerin gefunden werden, die durch ihr zartes Wesen in dieser Rolle glänzt.

Frau Kniga ist die gute Seele im Internat und zeigt großes Verständnis für ihre Leserinnen. Sie mag Annabelle besonders und sie erinnert auch die Schülerin daran, dass es ein Leben außerhalb der Schule gibt und sie sich mit ihren Klassenkameradinnen anfreunden soll. Marie-Jo, die attraktive und beliebte Lehrerin mit den roten Haaren macht dem Zuschauer wegen ihres Kleidungsstils und Aussehen schon klar, dass sie ein wenig anders ist im Vergleich zu ihren Kolleginnen.

Das schwarze, modische Kleid, das Sophie Letellier trägt, und ihr kollegiales Verhalten erntet Pluspunkte bei den Schülerinnen. Da wundert man sich kaum, dass sie am Hof heimlich mit ihren Schülerinnen raucht. Catherine Wampach spielt Annabelle, die unbeliebte Streberin der Klasse, die am Schluss das Opfer des Stücks wird. Sie erwischt Marie-Jo mit ihren Schülerinnen am Hof, und als sie wieder von ihnen gehänselt wird, wünscht Annabelle ihnen den Tod: „Ich hoffe, dass ihr in 20 Jahren an Krebs sterben werdet.“ Das Stück funktioniert so gut, weil Mädchen hier die Gelegenheit haben, einfach das zu sagen, was sie denken, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob ihre Worte politisch unkorrekt sind. Eine davon macht das richtig gut, und zwar Catherine Giuliani, die ein bisschen Pepp und Humor ins Spiel bringt. Sie genießt es, ihre ausgefallene und chaotische Figur Daisy durch ihr lässiges Outfit und ihren Sinn für Spaß und Abenteuer zum Ausdruck zu bringen.

Das Stück ähnelt einem Cluedo-Spiel. So viele Fragen und Geheimnisse, die allmählich gelüftet werden. Die Putzfrau, die sehr viel weiß, und die gefürchtete Direktorin, die Oberschwester, die obsessiv nach ihrer Katze sucht, will man lieber nicht im Leben zweimal begegnen. Schließlich wird ihre geliebte Katze auf der Toilette tot aufgefunden: Jemand hat die Katze aufgehängt. Die Mädchen entdecken ein antikes Buch, ein „Grimoire” mit lauter Ritualen, und so kommen sie dem Geheimnis des Symbols auf der Spur: Jemand im Internat soll schon lange tot gewesen sein.

Wer die Jugendbuchserie des Autors Thomas Brezina „Pssst, Unser Geheimnis!!!” als Kind geliebt hat, ein Faible hat für Magie, Psychothriller und Verschwörungstheorien, wird sich in diesem Stück köstlich amüsieren.