LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Mehr als ein luxemburgischer Radprofi konnte bereits bei der Tour de France überzeugen

Lange Zeit vor den Schleck-Brüdern hatten bereits andere Luxemburger bei der Tour de France geglänzt. Andy und Frank mischten zwar die letzten Jahre mal mehr, mal weniger vorne mit, in Vergessenheit geraten darf aber ebenso wenig Kim Kirchen. Bereits im Jahr 2007 sorgte er für eine Überraschung, als er die 15. Etappe als Zweiter abschloss. Mehr noch wurde am 29. April 2008 bekanntgegeben, dass dem damaligen Etappensieger Alexander Winokurow der Sieg wegen Dopings aberkannt wurde. Kirchen war damit offiziell Sieger dieser Etappe.

„Maillot Jaune“ für Kim Kirchen

Im Jahr 2008 legte der Radprofi noch einen Zahn zu und übernahm nach der sechsten Etappe das Gelbe Trikot. Ganz Luxemburg war damals aus dem Häuschen, immerhin war Kirchen der erste Radsportler mit luxemburgischer Nationalität seit Charly Gaul bei Tour de France 1958 (bzw. auf der 1. Etappe 1959), der das „Maillot Jaune“ trug.

Sportler des Jahrhunderts: Charly Gaul

Charly Gauls Namen kennt diesseits der Grenzen wohl jeder. Als Kletterspezialist wurde er seinerzeit auch „Engel der Berge“ genannt. Neben seinem Sieg bei der Tour 1958 schaffte es Gaul 1955 und 1961 jeweils auf den dritten Platz des wichtigsten Radrennens der Welt. Insgesamt gingen zehn Etappensiege alleine bei der Tour de France auf seine Kappe, um nur diese Leistungen zu erwähnen. Zu Recht hat ihn die hiesige Sportpresse im Jahr 1999 zum Sportler des Jahrhunderts gewählt.

Bislang schwerster Sieger: François Faber

Der erste große Erfolg eines Luxemburgers liegt aber noch weiter zurück. Jahrzehnte vor Charly Gaul, nämlich bereits 1909, hatte François Faber den Gesamtsieg davon getragen und war damit der erste Nicht-Franzose, der dieses Etappenrennen auf der höchsten Stufe des Siegertreppchens abschließen konnte. Und nicht nur das, mit seinen rund 90 kg Körpergewicht war er auch der bislang mit Abstand schwerste Sieger der Tour de France. Zum Vergleich: Andy Schleck wiegt gerade mal 68 kg, Bruder Frank sogar nur 65. Faber feierte insgesamt 19 Etappensiege bei der Tour. In den Jahren 1908 und 1910 hatte er es jeweils auf den zweiten Platz geschafft.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

Historikern zufolge sollen übrigens 45 Radprofis, die vor dem Ersten Weltkrieg an einer Tour de France teilgenommen hatten, in den nachfolgenden Kriegsjahren ums Leben gekommen sein. Unter ihnen war auch François Faber, der im Mai 1915 während der „Bataille de l’Artois“ tödlich verletzt wurde. Nach fünfjähriger Unterbrechung wurde die Organisation der Tour de France im Jahr 1919 wieder aufgenommen. Tourgründer Henri Desgrange soll sich nach dem Krieg dafür eingesetzt haben, nie wieder einen deutschen Teilnehmer zuzulassen. Der Forderung wurde aber nie Folge geleistet.

Zweimaliger Toursieger Nicolas Frantz

20 Etappensiege heimste der Luxemburger Nicolas Frantz im Laufe seiner Karriere ein. 1924 und 1926 stand er jeweils als Zweiter auf dem Podium. In den beiden darauffolgenden Jahren stand er dann ganz oben auf dem Siegertreppchen. Lustige Anekdote: 1928 brach Frantz rund 100 Kilometer vor dem Ziel der Fahrradrahmen. Aufgeben kam allerdings nicht in Frage, den Rest der Strecke legte Frantz auf dem Damenfahrrad einer Zuschauerin zurück. Obwohl er dadurch 28 Minuten einbüßen musste, behielt er die Führung. Frantz ist indes bis heute der einzige Fahrer, der jemals das Gelbe Trikot von der ersten bis zur letzten Etappe getragen hat.

Bim, „Duc de Grammont“

22 Jahre nach dem Sieg von Frantz glänzte Bim Diederich - Schwiegervater des Radsportlers Lucien Didier und Großvater von Laurent Didier - während der Tour durch Frankreich. Kleiner Schwank am Rande: Seinen Spitznamen „Bim“ erhielt Jean Diederich als 16-Jähriger. Damals arbeitete er in einer Apotheke und verkaufte u.a. das Potenzmittel „Yohimbine“, kurz „Joe Bim“ genannt. 1950 feierte der gebürtige Escher in Menton bei der „Grande Boucle“ seinen ersten Etappenerfolg. Den Höhepunkt seiner sportlichen Karriere dürfte er 1951 erlebt haben, als er drei Tage im „Maillot Jaune“ fuhr. Seine zweite siegreiche Etappe von Reims nach Gent brachte ihm damals auch den Beinamen „Duc de Grammont“ ein. An der bei Radsportlern berüchtigten „Mauer von Geraardsbergen“ (auf frz. Grammont) düpierte er seine drei Mitführenden.

Frantz, Faber, Diederich und Gaul waren bei Weitem nicht die einzigen Luxemburger, die im Laufe der Jahre während der Tour de France bei einer oder mehreren Etappen überzeugen konnten. Sicherlich werden sie auch nicht die letzten sein.