MENSDORF
CORDELIA CHATON

Carole Muller nahm an einer Schulung für Unternehmerinnen an der „Stanford Graduate School of Business“ teil

Carole Muller hat an einem ganz besonderen Programm teilgenommen. Eine Woche lang war sie Anfang Juni an der amerikanischen „Stanford Graduate School of Business“ zu einer Fortbildung. Die CEO der Bäckerei Fischer war die einzige Teilnehmerin aus Luxemburg. Mit ihr waren 39 andere Unternehmerinnen aus 14 Ländern dort. Sie alle waren ausgesucht worden für die vierte Auflage des „Women Entrepreneurs Program“, das von BNP Paribas Wealth Management veranstaltet wird. Bei dem Programm geht es um Wissen, Fähigkeiten und Persönlichkeitsentwicklung im Bereich Führung, aber auch um die Entwicklung eines internationalen Netzwerkes. Uns hat die 37-Jährige erzählt, was es ihr gebracht hat.

Frau Muller, wie kommt man dazu, an einem solchen Programm teilzunehmen?

Carole Muller Man wird gefragt! Für Luxemburg gibt es einen Platz. Im vergangenen Jahr war beispielsweise Christiane Wickler vom Pall Center in den USA. Das „Woman Entrepreneur Program“ ist speziell für Frauen in Führungspositionen erarbeitet worden. Ich war sofort begeistert und habe zugesagt, als ich wusste, dass es organisatorisch hier mit den Kindern läuft.

Hat es Ihnen etwas gebracht?

Muller Es hat sich zu hundert Prozent gelohnt! Ich wünsche jeder Frau, dass sie an einem solchen Programm teilnehmen kann. Ich habe in Europa studiert - Wirtschaft in Aix-en-Provence, eine Ecole de Commerce in Barcelona und Paris sowie das College of Europe in Warschau - und fand, dass die US-Professoren eine ganz andere Herangehensweise haben.

Warum ist es nur für Frauen gedacht?

MullerDie Bevölkerung besteht zu Hälfte aus Frauen und zu Hälfte aus Männern. Aber unter den CEOs sind nur rund 13 Prozent Frauen. Die Professoren in den USA gehen davon aus, dass Frauen oft nicht so risikofreudig sind wie Männer und wollen ihre Kompetenzen in Leadership und Management weiter fördern. Das Netzwerk untereinander soll ebenfalls helfen, die berühmte Glasdecke zu durchbrechen. Dies wird schon früh zum Hindernis. Eine Frau hat berichtet, dass ihre neunjährige Tochter anlässlich der Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump gegen Hillary Clinton in den USA gefragt hat, ob Frauen denn überhaupt Präsidentin werden dürfen. Ich selbst habe so etwas auch schon erlebt. Mein 5-jähriger Sohn war der Meinung, dass eine Frau kein Feuerwehrmann werden kann, denn es hieße ja schließlich „Mann“ und außerdem waren in seinem Buch auch ausschließlich Männer abgebildet. Frauen verkaufen sich oft unter Wert, obwohl sie über die nötigen Kompetenzen verfügen. Es geht darum, zu diesen Kompetenzen zu stehen, ohne unbedingt als arrogant oder vorlaut wahrgenommen zu werden.

Wie sind Sie selbst zur Führungsposition gekommen?

Muller Ich war zunächst 2010 als Salesmanager im Unternehmen, das zu diesem Zeitpunkt von meinem Cousin Patrick Muller geleitet wurde. Mit ihm habe ich viel Erfahrung gesammelt bevor ich 2014 zum CEO ernannt wurde. In unsere Familie spielt das Geschlecht keine Rolle, sondern ob man die nötigen Kompetenzen besitzt. Ich freue mich, dass in der Geschäftsleitung von sechs Leuten zwei Frauen sind, aber auch hier haben wir natürlich zuerst auf die Kompetenz geschaut; das ist entscheidend.

Was werden Sie selbst im Unternehmen tun, um Frauen zu fördern?

Muller Beim Konzern Panelux, zu dem Fischer gehört, arbeiten rund tausend Leute, bei uns sind es etwa 350 Mitarbeiter. Von denen sind 96 Prozent Frauen. Meine Retailmanagerin hat beispielsweise bei uns als Verkäuferin angefangen und sich in 25 Jahren hochgearbeitet. Ich denke, ich bin durch die Woche in Kalifornien stärker sensibilisiert und wenn man die Statistiken sieht, wird einem das Problem viel bewusster. Aber ich will keinen Feminismus, der gegen Männer geht, sondern einen, der sich für Frauen einsetzt. Es geht nur gemeinsam, das ist mir wichtig. Meinen Mitarbeiterinnen will ich vor allem mitgeben: Seid euch euerer Stärken bewusst, nehmt Führungspositionen wahr.

Was haben Sie im Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen gelernt?

Muller Das waren 39 Frauen aus ganz verschiedenen Branchen, von denen jede auf ihrem Niveau gekämpft hat. Alle waren erfolgreich. Und dennoch haben sich viele gefragt: Bin ich wirklich so gut? Diese Infragestellung soll so nicht sein, Frauen sollen selbstbewusster mit ihrem Erfolg umgehen. Die Professoren haben das gut herausgearbeitet. Es ist gut, sich in Frage zu stellen, aber nur, wenn einen das nicht hemmt.

Was haben Sie beim Besuch von den Inkubatoren gelernt?

Muller Das waren hauptsächlich Startups im technischen Bereich, daher war das nicht wirklich übertragbar. Wir haben als Unternehmen über hundert Jahre Geschichte, die wir mit uns tragen. Das ist etwas völlig anderes. Dort war das Umfeld sehr speziell, selbst für die USA. Für alle Unternehmen, mit einer längeren Geschichte, ist es schwierig so etwas nicht so einfach umzusetzen. Aber es war trotzdem interessant. In jedem Fall hat sich die Schulung gelohnt und ich würde das im Zweifel sofort wieder machen.