LUXEMBURG
MARCO MENG

Cargolux feuert Piloten - Druck auf die Gewerkschaften?

Für Aufsehen sorgen Entlassungen bei Cargolux: Gleich vier Piloten auf einmal - drei letzte Woche, einer gestern - erhielten ihre Kündigung, wie Dirk Becker, Generalsekretär der Pilotenvereinigung ALPL dem „Journal“ bestätigte. Die Betroffenen sind langjährige Mitarbeiter von Cargolux und sind demnach teilweise schon seit mehr als 16 Jahren für die Airline geflogen. Damit herrsche nun eine „Atmosphäre der Angst“ im Unternehmen, so Becker, der eigenen Angaben nach in seiner ganzen Laufbahn bislang bei Cargolux insgesamt nur zwei Pilotenkündigungen erlebte. Dass man nun plötzlich fünf Piloten - einer wurde abgemahnt - zum „entretien préalable de licenciement“ lud, versetze die Mitarbeiter in Aufruhr und schüchtere sie ein. Den Betroffenen sollen jüngst beim Entlassungsgespräch ihre Krankheitstage der letzten drei Jahre vorgehalten worden sein.

Will man mit den Kündigungen die Gewerkschaft bei den stockenden Verhandlungen zu einem neuen Kollektivvertrag und der Auslagerung von Maschinen an die italienische Tochtergesellschaft unter Druck setzen? Diese Frage müsse man sich stellen, meint LCGB-Gewerkschaftssekretär Aloyse Kapweiler. Und weil es Hinweise darauf gibt, dass man die Piloten von Privatdetektiven überwachen ließ, dürfte auch das dem „Cargolux Spirit“ ziemlich schaden. Die Betroffenen werden vermutlich gegen den Rauswurf klagen, meint Kapweiler, und hätten sich deswegen schon mit Beistandsersuchen an die Gewerkschaft gewandt. Derzeit warten die Entlassenen noch auf das Kündigungsschreiben.

Sicherheitskultur gefährdet

„Das Ganze betrifft aber nicht nur Piloten“, betont Kapweiler, denn durch diesen Vorgang hätten die Beschäftigten kein Vertrauen mehr in die Unternehmensführung. Auch die Flugsicherheit bei Cargolux insgesamt sei betroffen. Was, wenn sich nun ein Mechaniker aus Furcht vor Entlassung nicht mehr krank melde, und „unfit“seine lebenswichtige Arbeit verrichte. „Es läuft derzeit bei Cargolux alles in die falsche Richtung“, ist das Fazit des Gewerkschaftlers. Ähnlich sieht es der Pilot Becker: Wenn nun von Seiten der Fluggesellschaft argumentiert würde, hinter den Entlassungen stünde die Sorge um die Flugsicherheit, so bewirkten die Entlassungen laut Becker eher das Gegenteil, weil sich nun Piloten, wenn sie wirklich krank und flugunfähig seien, aus Angst um ihren Arbeitsplatz gar nicht mehr krank melden würden. Becker betont, auch für die ALPL stehe die Flugsicherheit absolut im Vordergrund.

Der LCGB wird jetzt einen Brief an Cargolux-Präsident Paul Helminger und Transportminister François Bausch schicken. Man gehe zwar nicht davon aus, dass dadurch die Kündigungen annulliert würden, doch könnten sie dann später nicht sagen, sie seien nicht über den Sicherheitsaspekt, den das Ganze habe, informiert gewesen.

Cargolux bezeichnet Vorwurf als „absurd“

Die Airline verneinte in einer Stellungnahme, Piloten wegen häufiger Krankschreibungen entlassen zu haben. Das wäre auch nicht gesetzeskonform. „Wir sind eine verantwortungsvolle Gesellschaft und setzen uns für ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld ein, um die Sicherheit aller Mitarbeiter zu gewährleisten.“ Sicherheit sei für Cargolux Top-Priorität, und man erwarte und verlange darum nicht, dass Piloten arbeiteten, wenn sie krank seien. Der Vorwurf sei absurd. Die Airline wies darauf hin, dass man in einer Industrie, die allgemein eine Mitarbeiterfluktuation von zehn Prozent habe, diese bei Cargolux nur 4,4 Prozent betrüge. Das bestätige nicht nur die Loyalität der Mitarbeiter zum Unternehmen „sondern zeigt auch, dass die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter das Arbeitsumfeld bei Cargolux und die Arbeitsbedingungen hier genießt.“