LUXEMBURG
PATRYK P. RYBIŃSKI

So mancher Vater fühlt sich in seinem Sorgerecht nach der Scheidung benachteiligt. Die „fathers against discrimination“ setzen sich für ein gemeinsames Sorgerecht ein. Der Präsident des Vereins, Patryk P. Rybiński, erklärt, worum es geht. 

„Für Eltern und Kinder ist gemeinsam verbrachte Zeit ein wichtiger Teil des Familienlebens. Eine Trennung hat unwiderrufliche, negative Einflüsse auf die Beziehung und die Erziehung der Kinder. Angesichts der steigenden Scheidungsrate sollte die Gleichbehandlung der Eltern ab der Geburt des Kindes garantiert und gefördert werden und niemand sollte darüber entscheiden, ob die Liebe eines Elternteils einen größeren Wert hat als die eines anderen.

Luxemburg will eine moderne, dynamische und aufgeschlossene Gesellschaft sein, ein wettbewerbsfähiges Finanzzentrum mit einer innovativen und umweltfreundlichen Wirtschaft mit einer Reihe von Regierungsinitiativen wie der neu gegründeten Luxemburger Weltraumbehörde, der Legalisierung von Cannabis, gleichgeschlechtlichen Ehen, dem Bau der Tram, einem neuen Fußballstadium und vielem mehr; dennoch können wir die Gleichstellung von Eltern und Geschlecht vor Luxemburger Gerichten nicht gewährleisten.

Entscheidungen, die Kinder während der Sorgerechtsverhandlungen nach vorgefertigtem Muster und ohne Rücksicht auf das Familienleben einem der Elternteile zusprechen, stehen im Widerspruch zu Artikel acht der Europäischen Menschenrechtskonvention. Die Missachtung der Stimme der Kinder und ihres Grundrechts, sich während eines Gerichtsverfahrens frei zu äußern, verstößt gegen das Übereinkommen über die Rechte des Kindes.

Im Jahr 2015 stimmte der Europäische Rat über die von Françoise Hetto-Gaasch, der damaligen luxemburgischen Ministerin für Chancengleichheit, initiierte Resolution 2079 ab, in der alle EU-Mitgliedstaaten aufgefordert wurden, das gemeinsame Sorgerecht als Grundlage für Sorgerechtsverfahren einzuführen. Drei Jahre später hat das luxemburgische Parlament immer noch nicht darüber abgestimmt.

Belgien hat 2006 das gemeinsame Sorgerecht eingeführt. Die Gerichte in Deutschland beweisen, dass dies im besten Interesse der Kinder eingeführt werden kann, auch wenn einer der Elternteile dem Modell nicht zustimmt. Weitere Länder folgen diesem Entscheid.

Ein gemeinsames Sorgerecht 50/50 kann und sollte im besten Interesse der Kinder Teil des luxemburgischen Familienrechts werden, weil es eine Lösung bietet, um oft den einzigen Grund für Streitigkeiten zwischen Eltern während der Scheidung zu beseitigen. Es schafft eine solide Grundlage für beide Elternteile, um eine gütliche Lösung zu finden, schützt aber vor allem die Kinder, indem es die Möglichkeit ausschließt, dass Kinder von Eltern als Instrument der Erpressung missbraucht werden.

Der Verein ‚Fathers against discrimination‘ freut sich über Unterstützung, besonders von Frauen, Nichtregierungsorganisationen, LGTB und feministischen Gruppen, denen es um wirkliche Gleichbehandlung und das Kindeswohl geht. ‚Mir wëlle bleiwe wat mir sinn‘, sagen die Luxemburger. Und wir könnten ein Beispiel für den Rest Europas sein, denken wir. Daher hoffe ich, dass Sie die Seite www.fad.lu besuchen, um die Petition der ‚fathers against discrimination‘ zu unterschreiben.“