LUXEMBURG
COLETTE MART

Die Vorstellung des neuen Aktionsplanes zur Gleichstellung von Frauen und Männern dokumentiert einen Generationswechsel in der Frauenszene. Der MEGA hat eine junge Ministerin und sich ebenfalls in der zweiten Reihe der Macht neu aufgestellt, und zwar durch jüngeres beratendes Personal.

Tatsache ist, dass jetzt eine Frauengeneration das Ruder übernommen hat, für die Chancengleichheit eine Selbstverständlichkeit ist, die die Gleichstellung von Jungen und Mädchen in der Schule, sowie ein doch relativ egalitärer Zugang zu Studium und Ausbildung durchlebt hat, und aus diesem Grunde vielleicht weniger radikal in ihren Ansichten auftritt als die zwei Generationen davor.

Positiv ist tatsächlich die Selbstverständlichkeit, mit der Frauen in der Regierung und auch als Regierungsberater mitwirken, und auf Anhieb hat es eine Frau erstmals an die Spitze der Beliebtheitsskala geschafft.

Wer allerdings den Aktionsplan aufmerksam durchliest, wird den Eindruck nicht los, dass hier neben einer gut gemeinten Absichtserklärung keine wesentlich neuen Akzente gesetzt werden, dass alles bereits gesagt wurde.  

Dies erinnert an die Tatsache, dass seit Jahrzehnten die besten Absichten in der Frauenfrage trotz allem noch immer mit der Realität auseinanderklaffen.  Es ist aber gerade die Realität, die ein näheres Hinsehen verdient.  Zwar ist es nach wie vor begrüßenswert, dass die Promovierung von Frauen in führenden Positionen unterstützt wird; allerdings ist der Alltag dieser Frauen differenzierter zu betrachten.

Werden zum Beispiel Politikerinnen von hohen Beamten genauso respektiert wie Männer? Oder tun sich doch noch viele Männer, die heute zwischen 50 und 70 sind, schwer damit, Frauen in ihren Kompetenzen und ihrer Position anzuerkennen?

Werden Politikerinnen von ihren männlichen Kollegen immer respektiert?  Und umgekehrt: wie wirkt sich die Ausübung der Macht auf den Charakter von Frauen aus? Spielen sie diese Macht gegen andere Frauen aus? Oder auch gegen männliche Kollegen und Mitarbeiter?

Macht kann nämlich durchaus den Menschen verändern, sowohl Frauen als Männer. Und Machtmissbrauch gibt es bei Frauen und bei Männern.  

Da es im Aktionsplan für Gleichstellung um die Partizipation von Frauen an der wirtschaftlichen und politischen Macht geht, lohnt sich hier eine tiefere Analyse des Charakters der Menschen allgemein.

Ein wichtiger Ansatz des Aktionsplanes ist eine weitere Fokussierung der Gleichheit in Schule und Erziehung. Diese ist nämlich tatsächlich ein Erfolg, und die Präsenz von Frauen in einer Mehrzahl von Berufen hat auch ohne Zweifel deren Position und Partizipation in der Gesellschaft verstärkt.

Allerdings müssen viele Frauen noch immer Lehrerhaftigkeit, Abschätzung, Diskriminierung und Verachtung wegstecken, und viele haben das Gefühl, immer wieder den Boden unter den Füßen zu verlieren, insbesondere wenn es um die Partizipation an der Macht in der Gesellschaft geht.

Überall lauern die Überreste einer arroganten machistischen Kultur, die historisch gewachsen ist, und die dazu führt, dass Frauen jeden Tag erneut gegen Diskriminierung ankämpfen müssen.