HOBOKEN/ ANTWERPEN
CORDELIA CHATON

Der luxemburgische Kapselhersteller Procap wird zu United Caps und will massiv expandieren

Es ist eine neue Ära“, sagte Benoît Henckes gestern vor der Presse. Gerade noch war er CEO von Pro Cap, jetzt ist er CEO von United Caps. Mit dem neuen Namen geht auch eine neue Strategie einher. „Wir weiten den Horizont aus“, verspricht der Manager des Kapselherstellers. Bislang verfügt United Caps über sieben Werke, von denen eines in Wilz steht. Das Unternehmen hat auch seinen Sitz hierzulande.

United Caps stellt Verschlüsse aus Kunststoff her. Sie werden zu 80 Prozent von Nahrungsmittelherstellern genutzt, aber auch für Motoröl, Kosmetik oder Unkrautvernichtungsmittel; den so genannten Non-Foodbereich. 2014 produzierte das Unternehmen 8,5 Milliarden Verschlusskapseln - aber es ist noch weit mehr drin.

Referenz werden

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen, das 2014 rund 160 Millionen Euro umsetzte, massiv in die Forschung und Entwicklung investiert. Das war auch deswegen möglich, weil der Umsatz seit 20 Jahren steigt, wie Henckes bei der Präsentation der neuen Identität gestern im Werk in Hoboke bei Antwerpen betonte. „Wir haben 75 Jahre Erfahrung. Jetzt wollen wir die Referenz für Plastikdrehverschlüsse werden“, erklärte er weiter.

Das bedeutet einen Angriff des deutschen Herstellers Bericap aus Budenheim, aber auch anderer lokaler und globaler Hersteller. Bislang hat United Caps sieben Werke in Europa, unter anderem in Belgien, Irland, Luxemburg und Spanien. Das neue Werk im deutschen Schwerin wird im kommenden Monat eröffnet.

Kunden in Asien und Nordamerika gibt es bereits. „Wenn wir mehr Volumen haben, können wir uns dort auch ein Werk vorstellen“, meint der CEO. Gerade erst wurde das Werk in Hoboke, das in den 30er Jahren noch Bakelitverschlüsse herstellte, vergrößert. Für zehn Millionen Euro entstand dort ein neues Gebäude, die Werksfläche stieg von 8.000 auf 13.600 Quadratmeter, die Zahl der Maschinen von 32 auf 64. Auch ein neues Warenlager kam hinzu. In Wiltz investierte das Unternehmen ebenfalls in ein neues Warenlager, mehr soll aber dort vorerst nicht entstehen. Dort stellen rund 120 Mitarbeiter vor allem Verschlüsse für die Lebensmittelindustrie her.

Blaue Blumen für das Mineralwasser

Das Geld fließt in Innovationen. In den vergangenen Jahren waren es jedes Jahr mehr, oft einige hunderttausend Euro; häufig für Pilotprojekte. Die Entwicklungsabteilung wuchs von vier Mitarbeitern in 2004 auf 15 in diesem Jahr. Entwicklungschef Philippe Thivet präsentierte einige neue Ideen. Da ist beispielsweise die patentierte Kapsel für das Mineralwasser Wattwiller in Form einer blauen Blume. „Wir haben sie zusammen mit dem Kunden entwickelt. Sie lässt sich viel leichter öffnen“, sagt Thivet und stellt zum Vergleich eine Flasche mit gewöhnlichem Schraubverschluss hin.

Eine andere Neuheit ist der Kunststoffverschluss für Kräuter und Pfeffer, der ein Mahlen in drei Stufen erlaubt. Oder Schraubverschlüsse für Gefahrgüter, bei denen das Plastikband am unteren Rand des gelben Deckels nicht abgeht. BASF nennt den bruchsicheren Deckel „Magic Cap“, berichtet Thivet. Dann zeigt er noch einen einfachen Verschluss aus goldfarbenem Plastik. „Er ist 40 Prozent leichter als das Vorgängermodell. Das ist gut für die Nachhaltigkeitswerte unserer Kunden“, erklärt der Entwicklungschef. Als er dann noch eine Version vorführt, bei der der Dosierlöffel im Deckel verbleibt, wird klar, dass Verschluss nicht gleich Verschluss ist. Das gilt auch für den Chef. „Wenn ich einkaufen gehe, schaue ich mir immer genau die Verschlüsse an“, verrät Henckes.

Drei Familien aus Luxemburg

United Caps gehört den drei Familien Gaasch, Henckes und Muller. Während des zweiten Weltkrieges gingen einige Mitglieder dieser Familien nach Belgien. So kam es, dass CEO Benoît Henckes dort geboren ist, auch wenn er heute mit seiner Familie in Luxemburg lebt. Neben dem belgischen Werk hatte das Unternehmen auch ein Joint Venture in Frankreich, das später zu einer Übernahme führte. Henckes kann sich durchaus noch weitere Zukäufe vorstellen. Jetzt aber gilt es, das Unternehmen erst mal bekannt zu machen. Das hatten die Manager von United Caps vor lauter guten Ideen etwas vernachlässigt. Aber seit Juni gibt es Verstärkung für den Bereich Marketing und Kommunikation. Jetzt haben sie bei United Caps den Dreh raus. Der Angriff der Kapselhersteller kann beginnen.