NIC. DICKEN

Als vor Wochenfrist der amerikanische Präsident den Vorschlag äußerte, das zum Hoheitsgebiet von Dänemark gehörende Grönland zu kaufen, erinnerten sich manche Leute an einen Sponti-Spruch der frühen achtziger Jahre: „Freiheit für Grönland - fort mit dem Packeis!“ Mittlerweile wissen wir, dass das mit dem Verschwinden des Packeises schneller tragische Realität werden könnte, als es der witzig gemeinte Spruch hätte erahnen lassen. Was wiederum den amerikanischen Großkotz dazu bewog, umso nachdrücklicher auf seinem Kaufwunsch zu beharren, weil unter dem schmelzenden Eis der weltweit zweitgrößten Insel enorme Rohstoffvorkommen vermutet werden, die bislang aus Rücksicht auf die natürlichen Gegebenheiten am ohnehin sehr sensiblen Polarkreis unberührt geblieben sind.

Insofern kann das Kaufbegehren von Trump, vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die die Amerikaner mit dem Ankauf der bis Mitte des 19. Jahrhunderts russischen Provinz Alaska auf dem amerikanischen Festland in Sachen Rohstoffe gemacht haben, nicht wirklich verwundern. Schließlich drängt auch der russische Machthaber unverhohlen darauf, in der sensiblen Arktis auf Beutezug zu gehen, ungeachtet der ökologischen Katastrophe, die daraus resultieren könnte.

Trumps Beharren gegenüber den Dänen, die ihm ob seines Ansinnens unmissverständlich den Vogel gezeigt haben, macht deutlich, dass er zu jener Spezies Menschen gehört, die instinktiv zur Geldbörse in der Gesäßtasche greifen, wenn sie zu denken anfangen. Und weil manche glauben, für Geld heute alles kaufen zu können, würde man sich kaum wundern, wenn Putin etwa Melania Trump zur Verwendung als repräsentative Kreml-Domina kaufen wollte.

Ins schamlose Bild der rücksichtslosen Ausbeutung von natürlichen Ressourcen passt dann auch der offensichtlich beabsichtigte Raubbau an den Regenwäldern im brasilianischen Amazonasgebiet, wo die Brandrodung seit Amtsantritt des neuen Präsidenten Bolsonaro nie gekannte Ausmaße erreicht hat. Immerhin scheint dieser aber sehr schnell die vom französischen Präsidenten Macron im Vorfeld des G7-Gipfels geäußerten Warnungen verstanden und beherzigt zu haben, im Falle weiterer Brandrodung das Inkrafttreten des neuen EU-Mercosur-Abkommens auszusetzen. Message reçu!

So einfach wird es mit Donald Trump nicht werden, zumal der ja auch sein Zollscharmützel mit China voll auszureizen trachtet, das sich allerdings sehr leicht auch zu einem Flächenbrand auswachsen könnte, der die ohnehin labile Weltwirtschaft dauerhaft bedrohen würde. Chinas Führung hat zwar in der einzigen Sprache reagiert, die Trump zu verstehen scheint, nämlich mit absolut angemessenen Gegenmaßnahmen als postwendende Antwort, doch trägt das nicht dazu bei, die verfahrene Gesamtsituation zu entspannen.

Macron hat als Gastgeber des G7-Treffens in weiser Voraussicht auf die Ankündigung einer Schlusserklärung verzichtet, nachdem Trump beim letzten Meeting die bereits erteilte Zustimmung zurückgenommen hatte.

Kleinen Kindern und großen Zampanos sollte man kein Feuerzeug in die Hand geben.