ESCH/ALZETTEPATRICK VERSALL

Tadelloser Auftritt von „Aufgang“ am vergangenen Freitag im Club der Rockhal

Aller guten Dinge sind drei. Am Freitagabend beglückte Pianist Francesco Tristano zum dritten Mal sein luxemburgisches Publikum mit einem Auftritt seines Trios „Aufgang“, dessen Mitglieder es nach wie vor perfekt verstehen, den Klavierflügel mit dem Synthesizer auf dem Bühnenaltar zu vermählen.

Nach Tristanos gemeinsamen Konzert mit Pascal Schumacher und Bachar Khalifé vor einem knappen Monat das zweite Erscheinen des Ausnahme-Klavierkünstlers vor seinem Heimpublikum.

Mills und Cobain

Als Bühne diente dieses Mal nicht - wie bei den letzten „Aufgang“-Auftritten- das jazzophile Düdelinger Kulturzentrum opderschmelz, sondern der kleine Club der Rockhal. Dieses Ambiente tat der Qualität des Konzertes keinen Abbruch, doch verpasste der „kleine“ Club-Nachbar aus der „Forge du Sud“ den „Aufgang“-Auftritten jedes Mal ein gewisses Quantum an Intimität, das man am Freitag auf Esch/Belval vermisste.

Doch beginnen wir... mit dem Ende des Konzertes. Meistens widmet man in Konzertberichten immer dann zuerst den Zugaben die Aufmerksamkeit, wenn der Künstler versucht hat, mit den „Encores“ seinen vermasselten Auftritt irgendwie aus dem Morast der Unterdurchschnittlichkeit zu ziehen. Dies hatten Francesco Tristano und seine beiden Mitstreiter Rami Khalifé, wie Tristano ebenfalls an den analogen und digitalen Tasteninstrumenten zuhause, und Drummer Aymeric Westrich keinesfalls nötig.

Warten auf „Istiklaliya“

Jene Zuhörer sollten bestraft werden, die die kurze Pause vor den Zugaben nutzten, um sich auf den Weg zur Freitagabend-Kneipentour zu begeben. Das Trio gab nämlich eine Coverversion von Jeff Mills „The Bells“ zu besten, ein Titel, der eher selten den Weg auf eine Setlist des Trios findet und punktete anschließend mit einer detailverliebten Neuinterpretation von Nirvanas „Smells like Teen Spirit“, zwei Coverfassungen, die einen glanzvollen Schlusspunkt hinter die letzte Note des Auftritts setzten.

Und davor? Für das luxemburgische Publikum bot sich am vergangenen Freitag die Gelegenheit, das taufrische Material des brandneuen, zweiten Longplayers „Istiklaliya“ zu entdecken, der erst vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, jedoch aus unerklärlichen Gründen bei weitem nicht überall erhältlich ist. Offizieller Veröffentlichungstermin war an und für sich der 15. April; einige Fans müssen sich leider noch bis zum 20. Mai auf die Scheibe vorfreuen. Bei den neun Neukompositionen handelt es sich um ein Kaleidoskop sehr unterschiedlicher und gar gegensätzlicher musikalischer Einflüsse -Klassik, Neue Musik, World und Elektro - die die drei Musiker als Klanglegierung in eine Konzertform gegossen haben. Dass zu manch neuem Titel die drei Protagonisten einen, wenn auch durch den Rechner metamorphosierten stimmlichen Beitrag leisten, mag beim ersten Hinhören befremdlich wirken. Diese Stimmparts sind in der Lage, gar die Klanggerüste ins Wanken zu bringen.

Diese stimmlichen Einlagen konnte man am vergangenen Freitag als Zuhörer verkraften, umso mehr, da „Aufgang“ erneut eindrucksvoll unter Beweis stellten, dass sie Meister im konstruieren analoger und digitaler Klangkosmen sind .