Am kommenden Dienstag ist es ein Jahr her, dass der „Bommeleeër“-Prozess begann, fast 27 Jahre nachdem der Anschlag auf das Wohnhaus des ehemaligen Gendarmerie-Colonels Jean-Pierre Wagner die nie dagewesene Attentatsserie beschloss. Tatsächlich regten sich die „Bommeleeër“ seither nie mehr. „Money doesn‘t solve all problems. sometimes it needs hard work too. this time you may even need luck. go on losing“, lautete die letzte Botschaft, als ob sie sich sicher waren, dass sie nie belangt werden würden. Weshalb war‘s vorbei? Hatten sie einfach keine Lust mehr auf Spielchen mit den Sicherheitskräften? Oder hatten sie ihre Mission erfüllt, die da lautete, wie die Anklage vermutet, die Sicherheitskräfte vor Land und Welt als inkompetenten Hühnerhaufen vorzuführen? Damit die Bevölkerung nach mehr Sicherheit schreit und Entscheidungen der Politik legitimiert, mehr Mittel in den laschen Sicherheitsapparat zu pumpen?

In einer Region, die für die USA gemeinsam mit Belgien den „ventre mou de l‘Europe“ bildete, dem die Russen jederzeit einen empfindlichen Schlag versetzen konnten. Tatsächlich wurden die Mittel für Gendarmerie und Polizei zwischen 1986 und 1990 um 64 Prozent in die Höhe geschraubt, wurde umorganisiert, konnten Manche ihre Machtposition ausbauen. Für die Aufklärung der „Bommeleeër“-Affäre wurden die zusätzlichen Kräfte allerdings kaum eingesetzt. Schon bald nach Ende der Anschläge dümpelten die Ermittlungen dahin, die bereits - und das fördert der Prozess immer deutlicher zu Tage - während der Attentatsjahre äußerst vernachlässigt wurden. Mehr noch: Die damaligen Befehlshaber, die im Gegensatz zu vielen ihrer Untergebenen - die sich noch lebhaft an die Jagd nach den Bombenlegern entsinnen können - vor Gericht mit der Erinnerung hadern und vorgeben, sich nicht sonderlich für die Attentate interessiert zu haben, mischten sich bereits bei den ersten Ermittlungen kräftig ein. Und nicht etwa, um die Sache aufzuklären. „Putschisten“ schimpfte der zwischen 1985 und 1991 mit den „Bommeleeër“-Ermittlungen betraute damalige Untersuchungsrichter Prosper Klein die Kommandanten gar, die vor Gericht nichts weiter machen, als über zu viel Arbeit zu klagen oder Verantwortung auf Untergebene abzuwälzen. Nicht ausgeschlossen, dass es auch innerhalb des Justizapparats Elemente gab, die der Aufklärung der Attentate nicht gerade förderlich dienten. Ohne Zweifel aber wusste die Politik von den ganzen Auseinandersetzungen und Blockaden. Sie schritt aber weder damals noch später beherzt ein, um die Hürden aus dem Weg zu räumen. Ganz im Gegenteil, so scheint es.

Alles weil es „een Décken“ zu schützen galt? Da kommt seit Jahrzehnten immer wieder der Fingerzeig in Richtung großherzogliche Familie. Aber was hätte einen auch noch so frustrierten Prinzen eigentlich motivieren können, sich in zwanzig Anschläge verwickeln zu lassen? Vielmehr gilt es unserer Meinung nach „eppes Déckes“ zu schützen. Und das ist die ungeheuerliche Verletzung der Prinzipien des Rechtsstaats für übergeordnete politische Zwecke durch eben die, die diese Prinzipien in erster Linie aufrecht erhalten sollten. Wie war das damals mit der berühmten „Staatsräson“? Die vormals hoch gestellten Persönlichkeiten im Staate müssen dazu noch ausgiebig befragt werden. Ex-Premier Juncker macht am Dienstag den Anfang. Es steht viel auf dem Spiel.