CORDELIA CHATON

Meine Tochter weiß nicht genau, welchen Beruf sie ergreifen will. „Aber ich will etwas Sinnvolles machen“, sagt sie überzeugt und selbstbewusst. Damit steht die 17-Jährige keineswegs allein dar. Immer mehr junge Leute denken so. Rund 80 Prozent der sogenannten Millenials wollen in einem Unternehmen arbeiten, das soziale Verantwortung übernimmt. Banken oder auch Luxuslabel haben Probleme, Personal zu finden, mancher NGO hingegen wird die Tür eingerannt. „Wir haben jede Menge hochwertige Profile, die sich bei uns bewerben“, freut sich die Europachefin des Philanthropie-Fonds „Epic“, Myriam Vander Elst. „Sinnhaftigkeit ist die neue Währung.“ Und der Chef von Carrefour in Frankreich hört als zweite Frage von Kandidaten immer öfter: „Was tun Sie, damit keine Lebensmittel weggeworfen werden?“

Philanthropie, aus dem Griechischen abgeleitet von menschenfreundlichem Denken, umschreibt jene Aktionen, die dem Gemeinwohl dienen. In Luxemburg ist das Thema nicht ganz neu. Die „Banque de Luxembourg“ hat vor rund elf bis 13 Jahren eine Reihe von Konferenzen dazu veranstaltet und Top-Redner nach Luxemburg geholt. Dahinter stand ein persönliches Interesse, aber auch eines an einer aufkommenden Marktnische. Doch 2008 führten zwei Ereignisse zur Einstellung dieser kostspieligen Konferenzen. Zum einen wurde die „Fondation de Luxembourg“ als Dachstiftung gegründet, eine Struktur, die es bis dato nicht gab. Zum anderen erfasste die Finanzkrise das Land und der Schwerpunkt lag nicht so sehr auf der Entwicklung von Nischen.

Um so bemerkenswerter ist es, dass die SGG, einer der großen Dienstleister für Fonds - also die dominierende Sparte der Finanzindustrie hierzulande - eine Konferenz startet, die der Auftakt zu jährlichen Veranstaltungen sein soll. Nun mag es eine Rolle spielen, dass der Initiator selbst Kinder hat, die Millenials sind und er genau weiß, wie diese Generation denkt. Aber das ist nicht der einzige Faktor. Nach der Finanzkrise gab es Einsichten in der Finanzwelt was Gier und Übersicht angeht. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Klimasituation so dramatisch entwickelt, dass auch Länder auf dem COP21 Zugeständnisse machten, von denen man das nicht erwartet hätte. Der Fondsverband ALFI kümmert sich um das Thema, „green finance“ ist einer der Wachstumsbereiche und Luxemburg hat eine Regierung, in deren Politik Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt. Der Zeitgeist hat sich geändert und beschert der Philanthropie eine Götterdämmerung.

Das Neue ist dieses Mal der pragmatische Ansatz auf der einen Seite. Lasst uns als Profis ran, heißt die Botschaft. Auf der anderen Seite ist die Internationalität. Im kommenden Jahr könnte die Konferenz beispielsweise in Tel Aviv laufen, auf jeden Fall aber in einem anderen Land. Finanzströme sind global, warum sollte es eine Zusammenarbeit zum Thema nicht sein?

Druck macht sicher auch die globale Situation mit einem unberechenbaren US-Präsidenten und De-Facto-Diktaturen in China, Russland und der Türkei. Dazu kommt die Flüchtlingskrise, die vor allem der EU zu schaffen macht. Doch solche Probleme können auch Investoren nicht fix lösen - aber ein Ansatz ist der erste Schritt.