LONDON

Wertverlust von 169 Milliarden Dollar seit September 2011

Auf Goldproduzenten, die von den Investoren in den vergangenen Jahren ohnehin gemieden wurden, kommen nach dem Preiseinbruch für das Edelmetall noch schwerere Zeiten zu. Sie werden wohl Minen schließen oder Unternehmen ganz dicht machen müssen, denn nach dem stärksten Goldpreisrutsch seit drei Jahrzehnten sind 15 Prozent der Konzerne unprofitabel.

Barrick Gold Corp. und Newmont Mining Corp., die beiden größten Goldproduzenten der Welt, zählen zu den Unternehmen im FTSE Gold Mines Index, die insgesamt 169 Mrd. Dollar an Marktwert verloren haben, seit der Goldpreis 2011 seinen Höhepunkt erreichte. Die Aktien der Produzenten sind so günstig zu haben wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr.

Minenschließung als Ausweg

Der Einbruch der Gold-Futures am 15. April auf 1.361,10 Dollar je Unze hat den Preis näher an die durchschnittlichen weltweiten Produktionskosten von 1.200 Dollar je Unze gebracht, sagt Nomura Holdings Inc. Eine Studie von Macquarie Group Ltd. kommt zu dem Schluss, dass bei den kanadischen Produzenten Semafo Inc. und Golden Star Resources Ltd. bei einem Goldpreis auf dem Niveau die Gefahr von Minenschließungen oder einer „finanziellen Notlage“ bestehe. Tansania, Afrikas viertgrößter Goldproduzent, hat bereits davon gewarnt, dass bei einer anhaltenden Talfahrt wohl Minen geschlossen werden müssten.

Zwar ist der Goldpreis vor 2013 zwölf Jahre in Folge gestiegen, den Bergbaukonzernen kam dies jedoch nicht zugute. Aktionäre haben angesichts hochschnellender Produktionskosten und verlustreicher Übernahmen das Vertrauen in die Branche verloren.

Der FTSE Gold Index für 27 der weltgrößten Produzenten, hat vom 6. September 2011 bis jetzt 58 Prozent verloren. Indes hat der MSCI All Country World Index für 2.431 globale Konzerne im gleichen Zeitraum rund 22 Prozent gewonnen.

15% der Produzenten in der Klemme

Unternehmen, die von einem Geschäft abhängig sind und Produzenten aus Afrika, die bereits in den vergangenen zwölf Monaten unter den sich verschlechternden geopolitischen Risiken gelitten haben, werden mehr Schwierigkeiten haben, Gelder von Banken für ihre Projekte zu erhalten, sagt Tyler Broda, Gold- Analyst bei Nomura in London. Beim gegenwärtigen Preis “dürfte etwa 15 Prozent der Goldschürfer nach unseren Berechnungen im Moment das Wasser bis zum Hals stehen”, schätzt Broda. Er hält es für möglich, dass der Preis für das Edelmetall in diesem Jahr sogar bis auf 1000 Dollar je Unze fallen könnte. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass der Preis wieder anzieht. „Wir haben in der Vergangenheit Einbrüche wie diesen gesehen und es folgte immer eine Erholung“, sagt John Ing, CEO des Brokerhauses Maison Placements Canada Inc. in Torono.Bloomberg