NEW YORK /LONDONMM/DPA

Beim Turbo-Trading sind Millisekunden bares Geld - Goldman Sachs vollzieht Kehrtwende

Goldman Sachs plane, kräftig in Personal und Technologie zu investieren, um im Geschäftsfeld Hochfrequenzhandel anzugreifen, berichtete der Finanzdienst Bloomberg am Freitag unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Dabei hatte die Wall-Street-Firma im letzten Jahr noch eine schärfere Regulierung gefordert. Die Risiken an den Finanzmärkten würden durch den dramatischen Anstieg automatisierter High-Speed-Geschäfte verstärkt, warnte Goldman-Präsident Gary Cohn im März 2014 in einem Meinungsbeitrag im „Wall Street Journal“.

Nun sei die Bank dabei, Software aufzurüsten und einen auf High-Tech-Handelssysteme spezialisierten Top-Manager vom Rivalen Morgan Stanley abzuwerben. In den nächsten Monaten solle das Team weiter aufgebaut werden. Eine Sprecherin wollte sich nicht äußern. Ganz überraschend käme die Offensive allerdings nicht: Im Januar hatte Goldman Sachs bereits einen Experten vom Hochfrequenzhändler Allston Trading als Verstärkung gewinnen können. Im April beteiligte sich die Bank zudem mit 20,5 Millionen Dollar an Perseus, einer Firma, die Turbo-Händler mit der Netzwerktechnik ausstattet.

Jonglieren mit Billionen zur „Gewinnmitnahme“

Automatisierte Handelssysteme, die bei ihren Wertpapierorders Algorithmen folgen, gehören an der Börse inzwischen zum Alltag. Experten warnen allerdings vor dem großen Einfluss der Handels-Roboter. Kommt es zu Panik an den Märkten, kann der Hochfrequenzhandel außer Kontrolle geraten und Kursentwicklungen heftig beschleunigen. Zudem gibt es auch den Vorwurf, dass die Computerprogramme immer einen Schritt voraus, so dass langfristige Investoren und Kleinanleger stets das Nachsehen hätten.

Deshalb gab und gibt es bereits mehrere Ermittlungen der US-Finanzaufsicht sowie der New Yorker Staatsanwaltschaft und des Justizministeriums. Für besonderes Aufsehen sorgte der „Flash Crash“ im Mai 2010. Damals stürzte der Leitindex Dow Jones innerhalb kurzer Zeit um über sechs Prozent ab - enorme Summen an Aktienwert wurden vernichtet, allerdings erholten sich die Kurse auch rasch wieder. Untersuchungen zeigten, dass Hochfrequenzhändler maßgeblich zum Ausnahmezustand beigetragen hatten. Danach wurde in den USA ein Sicherheitsmechanismus eingeführt, der den Handel bei zu starken Schwankungen stoppt. Martin Gilbert, Chef des Vermögensverwalters Aberdeen Asset Management, macht ganz generell den Fokus auf schnelle Gewinne in der heutigen Finanzwelt für die Highspeed-Exzesse und damit auch den „Flash Crash“ verantwortlich. „1940 wurde eine Aktie im Schnitt über sieben Jahre gehalten, 2007 waren es nur noch sieben Monate.“ Der US-Starinvestor Warren Buffett habe einst gesagt: „Jemand sitzt heute im Schatten, weil ein anderer vor langer Zeit einen Baum pflanzte.“

Nur ein langfristiger Ansatz könne stabiles Wachstum liefern..