LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Sarah Bettens im Interview über ihre bisherige Karriere - Konzert am Freitag in der Rockhal

Die Fangemeinde hat sehnlichst darauf gewartet: Sarah Bettens und ihr Bruder Gert legen am kommenden Freitag einen Tournee-Zwischenstopp in der Rockhal ein. Nach diversen Solo-Projekten haben sich die Gründer von K‘s Choice unter dem Namen
„Bettens“ erneut zusammen getan. Im Journal-Interview gibt sich die Songwriterin locker und plaudert lässig über ihre bisherige Karriere, das neue Album und kommende Projekte.

Sie haben bereits mehr als ein Konzert in Luxemburg gegeben. Wie kommt’s?

Sarah Bettens Luxemburg ist irgendwie wie ein Zuhause. Das war vom ersten Augenblick an so. Uns wird jedes Mal ein derart toller Empfang von einer wunderbaren Fangemeinde geboten, dass wir das Land immer als ganz besonderen Ort erleben. Luxemburg also in die Tournee einzuplanen, sehen wir als Garantie für einen Abend, an dem wir jede Menge Spaß haben. Wir können es kaum erwarten.

Hingegen ist es das erste Konzert unter diesem neuen Bandnamen. Was ist diesmal anders?

Bettens Tatsächlich geht dieses neue Projekt auf die Aufnahme eines Soundtracks für einen Dokumentarfilm zurück. Das Filmprojekt dokumentiert eine Antarktis-Expedition. Unser neues Album „Waving At The Sun“ ist also inhaltlich an dieses spezielle Thema gebunden. Es gibt mehr instrumentale Elemente, was das Album von den gewohnten K’s Choice-Platten abhebt. Was wir am Freitag bieten, wird keine Rock-Show mit großer Band sein. Wir werden nur zu viert auf der Bühne stehen und trotzdem eine dynamische Show liefern.

Fühlt es sich wirklich wie eine neue Band an oder ist dieses neue Projekt doch eher das Resultat einer konstanten Weiterentwicklung?

Bettens Ein bisschen von beiden. Es fühlt sich neu für mich an, weil wir ein paar neue Sachen machen. In einigen Songs spiele ich Bass oder Vibraphon. Wie gesagt, auch die instrumentalen Passagen unterscheiden sich doch sehr von dem ansonsten gewohnten Sound. Von einer Weiterentwicklung kann man in dem Sinne reden, weil wir uns meiner Ansicht nach konstant verbessern. Nach diesem Album planen wir aber, eine weitere K’s Choice-Platte aufzunehmen. Das wird also ganz klar wieder eine Rock-Nummer.

Steckt demnach in den neuen Songs weniger „Sarah“?

Bettens Das liegt auf der Hand, weil die Songs ja für einen Film geschrieben wurden. Es ging also darum, sehr spezifische Bilder zu reflektieren. Das Album spiegelt höchste Hochstimmung, aber genauso auch sehr tiefgehende Niedergeschlagenheit wider, wenn man so will. Es ist eine Platte über Einsamkeit und zugleich Euphorie. Wie erwähnt, geht es in dem Film um eine Polarexpedition. Gezeigt werden Menschen, die in sehr ärmlichen Verhältnissen und unter gefährlichen Bedingungen leben. Gleichzeitig empfinden sie aber ein unglaubliches Glücksgefühl darüber, in Frieden am Ende der Welt inmitten einer schneeweißen Landschaft zu leben, statt in der ewigen Tretmühle der Gesellschaft.

Trotzdem spielen Sie auch immer noch die größten K’s Choice-Hits. Nervt es Sie nicht, nach all den Jahren noch „Not An Addict“ zu performen?

Bettens Nein, nicht wirklich. Wir sind so bewusst dankbar, dass dieser Song derart erfolgreich wurde. „Not An
Addict“ ist durch die ganze Welt „gereist“ und hat unsere Fans dazu gebracht, auch den Rest unserer Musik für sich zu entdecken. Wir fühlen uns mit diesem Song verknüpft. Aus diesem Grund werden wir seiner auch nie überdrüssig. Jeder Abend ist anders, das Publikum reagiert anders und letztendlich zählt immer der Augenblick. Und die Freude, die wir dabei erleben. Es ist dann auch egal, wie rezent der Song ist.
Haben Sie Ihren Bruder eigentlich während Ihrer Solo-Projekte vermisst?

Bettens Ja, ich habe ihn definitiv als Menschen und auch als Sound-Berater vermisst. War ich mir beispielsweise bei einem Song nicht sicher, so war er lange Jahre mein erster Ansprechpartner. Auf der anderen Seite waren Solo-Projekte aber etwas, was wir beide zu dem Zeitpunkt dringend gebraucht haben, um uns wieder kreativ zu fühlen. Es war nichts weiter, als sich einen Schritt von dem zu entfernen, was man kannte, sich ins Unbekannte zu begeben, und im Alleingang eine Platte aufzunehmen. Wir haben beide, jeder für sich, eine großartige Zeit erlebt. So konnten wir auch wieder an dem Punkt angelangen, wo wir heute sind und uns erneut total für K’s Choice begeistern.

Bevorzugen Sie Auftritte vor einer großen Menge oder doch eher intimere Konzerte?

Bettens Ich liebe beides. Wir haben einmal zu dritt eine Tournee durch die Staaten gemacht und das war wirklich eine der besten Zeiten, die ich je hatte. Mit dabei war auch noch ein Tontechniker. Damals sind wir zu viert im Mini-Van durch die Staaten gereist und haben jeden Abend vor 150 Leuten gespielt. Es war unglaublich locker und intim. Andererseits, wenn ich auf die Bühne komme und von einer kreischenden Menge, bestehend aus mehreren Tausend Personen empfangen werde, dann gibt mir das jedes Mal den ganz besonderen Nervenkitzel. Nichts ist vergleichbar mit diesem Gefühl.
Wie würden Sie Ihre bisherige Karriere beschreiben?

Bettens Das ist nicht so leicht. Ich habe mit 20 angefangen, und nun bin ich 41. Als Erwachsene habe ich also nie etwas anderes als das Musikerleben gekannt. Wenn ich auf die Person zurückblicke, die ich war, als wir angefangen haben, so bin ich mir sicher, dass auch heute noch viel meiner damaligen Persönlichkeit in mir steckt. Trotzdem fühlt es sich an, als wäre es hundert Jahre her. Ich war so jung, so anders und sehr naiv. Auf musikalischer Ebene hatte ich noch keine richtige Ahnung. Vieles hat sich seither geändert. Heute habe ich eine Familie und es fällt mir schwerer, von zu Hause weg zu sein. Wenn man jung ist, kümmert man sich nicht wirklich. Auf musikalischer Ebene fühle ich mich heute viel sicherer. Ich hoffe, dass ich mich auch in 20 Jahren noch weiterentwickeln kann.

Haben Sie jemals irgendetwas bereut? Beziehungsweise gibt es Dinge, die Sie ändern würden, wenn Sie könnten?

Bettens Es gibt immer etwas, wo man sich später sagt: „Davon hätte ich besser die Finger gelassen“. Aber ich schaue eigentlich immer nach vorne. Natürlich gibt es da gewisse Dinge, so war ich zum Beispiel sieben Jahre verheiratet, was ich sicherlich nicht hätte sein sollen. Aber auch daraus habe ich viel gelernt und so meine derzeitige Partnerin kennen gelernt, mit der ich jetzt seit zwölf Jahren zusammen bin. Alles geschieht aus einem bestimmten Grund. Ich bin also nicht der Mensch, der zurückblickt und sich sagt: „Das hätte ich nicht tun sollen, und das auch nicht“. Ich habe meinen Platz im Leben gefunden und fühle mich sehr wohl. Würde ich etwas in der Vergangenheit ändern, wäre ich vielleicht nicht dort, wo ich jetzt bin. Nein, ich bereue nichts. Oder doch: Wenn ich auf alle meine Haarschnitte zurückblicke, die ich über die Jahre hatte, ja doch, die bereue ich (lacht)


Tickets für das Konzert am 8. November unter www.rockhal.lu