HAMBURG
LIZ MIKOS

Zum Studium nach Hamburg gezogen und mit offenen Armen empfangen

Wie ist es wohl, in einer Großstadt zu leben? Wie fühlt es sich an, auf einmal niemanden mehr zu kennen - quasi anonym zu sein? Diese Fragen habe ich mir die letzten Jahre oft gestellt, bevor ich dann tatsächlich meine Koffer gepackt habe und für mein Studium nach Hamburg gezogen bin. Seit ungefähr drei Wochen irre ich nun hier umher und muss sagen: Gut. Es fühlt sich richtig gut an.

Aufräumen mit Klischees

Natürlich habe ich mich sehr bewusst für Hamburg als zweite Heimat entschieden, allerdings wusste ich nicht so richtig, was mich erwarten würde, außer einer, wie ich finde, wunderschönen Stadt. Was macht da der „Millennial“? Genau: fragt erstmal Google und soziale Medien, die Freunde und Helfer des Netzes, nach einem kleinen Überblick. Was am häufigsten auftauchte war: Regen, Musicals, Menschen, die sich damit schwertun, ihre Emotionen zu zeigen. Lässt man die Musicals weg, könnte man auch glauben, es handle sich bei dieser Beschreibung um Luxemburg, also habe ich mich einfach überraschen lassen und dem positiven Eindruck, den die Stadt bei meinem letzten Besuch hinterlassen hatte, vertraut. Und tatsächlich hat der erste Eindruck mich nicht getäuscht. Ganz im Gegenteil. Geregnet hat es in den letzten drei Wochen zwei-, höchstens dreimal und selbst diesen Text schreibe ich jetzt gerade, Ende Oktober, auf dem Balkon mit Blick in die Sonne.

Doch das Klischee, das ich am dringendsten aus der Welt schaffen will, ist das über die Hamburger selbst. Sie tun sich - wenn ich es an meiner bisherigen, sehr kurzen Erfahrung festmachen darf - überhaupt nicht schwer, Emotionen zu zeigen. Die Offenheit, Akzeptanz, Freundlichkeit, aber auch Lebensfreude, die ich bis dato hier erleben durfte und mit der ich empfangen wurde, ist unglaublich.

„Good vibes only“

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich an einer anderen Mentalität liegt, es die Nähe zur See ist oder ob die Hamburger generell sehr harmoniebedürftig sind, aber mein Empfang hier war wärmer und herzlicher, als ich ihn mir hätte erträumen können. Was mich aber tatsächlich fasziniert, ist, dass die Reaktion auf meine Herkunft in totalem Kontrast zu der steht, die ich an meiner vorherigen Universität erlebt habe: Neugierde, Interesse, Offenheit. Kein Schubladendenken, kein Klassifizieren der Menschen. Klingt sehr utopisch, habe aber bisher das Gegenteil noch nicht miterleben oder beobachten können. „Hamburg hat natürlich auch kritische Viertel, aber im großen Ganzen werden Akzeptanz und Multikulturalismus in Hamburg sehr groß geschrieben“, hat es der Reiseleiter meiner Touri-Busrundfahrt beschrieben.

Doch egal, woran es liegt, Fakt ist: Die positive Energie der Stadt hat mich definitiv gepackt und mir noch einmal verdeutlicht, wie richtig die Entscheidung für Hamburg war.

Vorsicht: Suchtgefahr!

Doch trotz aller positiven Aspekte, will ich natürlich kein utopisches Bild einer Großstadt vermitteln. Natürlich lauern auch in der Hansestadt so einige Gefahren. Was die Schlimmste von allen ist? (Bevor folgender Satz gelesen wird, empfehle ich, einen Snack bereitzuhalten.)

Sie ist ein aus Hefeteig bestehendes Gebäck, mit einer zucker-zimtigen Note und kann manchmal - muss aber nicht, für die, die es nicht mögen - mit Rosinen garniert sein: das Franzbrötchen. Es sieht zwar unschuldig aus, ist aber in Wirklichkeit eine ernstzunehmende Gefahr, denn es lauert an allen Ecken und sein Duft steigt einem von überall in die Nase und verführt einen stets zum Kauf und Verzehr des süßen Gebäcks.

Wenn ich hierzu noch einen letzten Tipp geben darf: Wenn Sie mal in Hamburg sind und - wie ich - auf die Unschuldsmasche des Franzbrötchens hereinfallen und es kaufen wollen: auch wenn man glauben könnte, es sei eine Zimtschnecke, nennen Sie es bitte auf gar keinen Fall Zimtschnecke.