COLMAR-BERG
CORDELIA CHATON

Seit Kurzem kann der Reifenhersteller Schneekristalle herstellen - High-Tech für Winterreifen

Goodyear beschäftigt sich in Colmar-Berg mit Schnee. Für die kleinen Gebilde aus Milliarden von Eiskristallen gibt es seit kurzem ein hochtechnologisches Schneelabor. Hier sollen die Eigenschaften von Winterreifen weiterentwickelt werden.

Die Forschungstätigkeiten sind umfassend, beginnend mit der Herstellung von Schneekristallen in unterschiedlichen Ausprägungen. Denn Schnee ist nicht gleich Schnee. Nicht umsonst kennen die Schotten laut einer Studie der Universität Glasgow 421 Wörter für Schnee. Bei den Inuit ist es ähnlich.

Darüber hinaus verändert der Schnee ständig seine Eigenschaften. Leichter Pulverschnee beispielsweise kann eine Dichte aufweisen, die weit unter dem Zehnfachen des am Boden verdichteten Schnees liegt. Die Struktur des Schnees beeinflusst direkt die Leistung des Winterreifens. Während Pulverschnee am Reifen haftet, ist dies bei festgefahrenem Schnee nicht der Fall.

Schneekristalle im Labor

Solche Bedingungen stellt Goodyear in seinem Schneelabor nach. „Die Lufttemperatur beträgt in den unterschiedlichen Sektoren zwischen null und minus vierzig Grad“, erklärt Frank Schmitz, Leiter des physikalischen Labors. Unter diesen Bedingungen werden Schneekristalle herstellt. Die Ingenieure analysieren Schneeproben mittels Micro-Computertomografie und stellen mit Hilfe moderner Software aufschlussreiche 3D-Modelle von Schneeproben her. Zudem kombinieren Physiker verschiedene Schnee-Arten, um Schneefahrbahnen zu simulieren. Mithilfe von Messgeräten, wie einem Tribometer, untersuchen Materialwissenschaftler die Reibung des Reifens auf Schnee, um Gummimischungen, Profile und Lamellenanordnungen zu optimieren.

Die Ergebnisse aus dem Labor ergänzen jene der Testfahrer, die neue Reifen auf Winterteststrecken in der Schweiz, Skandinavien und Neuseeland in der Realität prüfen. Labor- und Praxiswissen fließt dann direkt in die Entwicklung der Goodyear UltraGrip Reifen ein.

Lamellen in Winterreifen

Anders als Sommerreifen weist das Profil von Winterreifen zusätzlich Lamellen auf, welche aufgrund der höheren Anzahl und Gesamtlänge der Griffkanten eine bessere Verzahnung mit losem Untergrund, beispielsweise Schnee, ermöglichen. Das können bis zu 2.000 Lamellen pro Reifen sein. Weiterhin weisen Winterreifen im Allgemeinen eine Laufflächenmischung auf, die auch bei niedrigen Temperaturen flexibel bleibt.

Kennzeichnung von Winterreifen

Winterreifen sind für niedrige Temperaturen und winterliche Straßenverhältnisse ausgelegt. Sie verfügen über eine Gummimischung, die auch bei niedrigen Temperaturen ausreichend elastisch ist, um eine hinreichende Kraftübertragung zu erreichen. Winterreifen sind mit einer Schneeflocke gekennzeichnet und in der Regel mit dem M+S-Symbol (englisch Mud and Snow, deutsch Matsch und Schnee). Die Faustregel für einen Wechsel ist von „o bis o“, also an Ostern und Oktober. Seit dem 1. Oktober 2012 ist in ganz Luxemburg das Führen eines Fahrzeugs auf öffentlichen Verkehrswegen bei winterlichen Straßenverhältnissen (Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte) nur mit Winterreifen (M + S, M. S., M & S) auf allen Rädern des Fahrzeugs gestattet. In einigen Fällen sind die Reifen neben dem oben genannten Kürzel zusätzlich mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) versehen.