LUXEMBURG
MATTHIAS BOSSALLER (DPA)/SOP

Seit fünf Dekaden überlebt Alice Cooper den Rock’n’Roll: Neues Album „Paranormal“

Im verrückten Musik-Business gehört Alice Cooper sicherlich nicht zur Gattung normaler Rockstars. Der „Godfather of Shock Rock“ nimmt keine Drogen, trinkt keinen Alkohol, geht regelmäßig in die Kirche und ist seit 41 Jahren mit seiner Frau Sheryl verheiratet. Nach fünf Jahrzehnten im Rock’n’Roll-Zirkus offenbart der 69-Jährige keine Abnutzungserscheinungen, jüngst hat er ein neues Werk veröffentlicht. „Paranormal“ ist bereits Coopers 27. Studio-Album.

An die Rocker-Rente denkt der äußerst vital wirkende Großvater von zwei Enkelkindern überhaupt nicht. „Ich bin fast 70 Jahre alt, doch besser in Form als viele jüngere Bands“, sagt Cooper im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur mit einem Lachen. Vielmehr denkt er bereits an kommende Aufgaben: „Ich glaube, ich habe noch nicht meine besten Songs geschrieben und meine beste Show gezeigt. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, sondern denke immer daran, was als nächstes kommen kann.“

Neues Album ist ein Konzeptalbum geworden - aus Versehen

Eigentlich wollte der für seine legendären Horror-Shows mit Guillotine und Schlangen bekannte Komponist solcher Klassiker wie „School’s out“ oder „Welcome to my Nightmare“ kein Konzeptalbum schreiben. Doch als er sich seine Arbeit noch einmal genauer zu Gemüte führte, stellte er fest: „Ich habe aus Versehen ein Konzeptalbum geschrieben. Jeder Charakter in den einzelnen Liedern hat ein paranormales Problem. Somit war klar, wie die Platte heißen wird: Paranormal.“

Auf der neuen Scheibe sind legendäre Gastmusiker wie Roger Glover (Deep Purple), Billy Gibbons (ZZ Top) und Drummer Larry Mullen Jr. (U2) zu hören. Außerdem holte er noch die drei original Alice-Cooper-Bandmitglieder Michael Bruce, Dennis Dunaway und Neal Smith für zwei Songs dazu. „Sie haben diesen speziellen Sound der 70er Jahre, den kein anderer nachspielen kann“, erklärt der Boss.

Alkohol- und Drogensucht überlebt

In den 70er Jahren begründete Alice Cooper, der bürgerlich Vincent Damon Furnier heißt, seinen legendären Ruf. In dieser Zeit entwickelte er aber auch eine massive Drogen- und Alkoholsucht. Anders als für frühere Bekannte wie Jim Morrison von den Doors oder Jimi Hendrix endete diese Phase für ihn nicht tödlich. Obwohl er kurz davor war.

Die Rückbesinnung auf seinen christlichen Glauben half dem Sohn eines protestantischen Pastors aber auf wundersame Weise aus der Sucht. Von einem Tag auf den anderen. „Als ich aus dem Krankenhaus wieder rauskam, waren das Verlangen und die Gier nach Alkohol einfach verschwunden. Selbst der Arzt konnte es nicht fassen. Es war ein Wunder“, sagt Cooper, der laut eigener Aussage seit 35 Jahren keinen Schluck Alkohol mehr getrunken hat.

Cooper bemüht sich seitdem, ein gottgefälliges Leben zu führen. „Ich gehe in keine Stripbars. Warum sollte ich? Ich habe eine tolle Frau“, sagt er. Und: „Ich bin bestimmt nicht Mister Holy Holy, doch ich versuche so zu leben, wie ich denke, dass es Gott gefallen würde.“ Mit seinen drei Kindern geht Cooper, wenn er nicht auf Tour ist, jeden Sonntag in die Kirche. Außerdem liest er jeden Tag nach dem Frühstück 20 Minuten in der Bibel.

Tribut an Metal-Idol Lemmy Kilmister

Coopers Tochter Calico bewegt sich ebenfalls im Musik-Geschäft. Sie ist die Sängerin der Metalband Beasto Blanco. Und der Nachwuchs drängt nach: Seine Enkelsöhne Falcon und Riot rennen ums Haus und spielen gerne Luftgitarre. „Ich trainiere sie schon mal ein bisschen“, sagt er: „Das werden die nächsten Rockstars der Familie Cooper.“

Vor gut einer Woche hat Alice Cooper - wie die Musikgrößen Marilyn Manson und Status Quo auch - anlässlich des beliebten Metalfestivals „Wacken Open Air“ auf der Bühne gestanden und den versammelten Metallern ordentlich eingeheizt. Bei der anschließenden Bilanz-Pressekonferenz des Festivals erinnerte der Schock-Rocker an den 2015 verstorbenen Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister. „Alice, ich habe aufgehört, Whisky zu trinken, ich trinke jetzt Wodka“, habe dieser kurz vor seinem Tod gesagt, fasste Cooper den Humor des Metal-Idols zusammen. Auch während seines Auftrittes hatte Cooper Lemmy gedacht und eine Coverversion des Motörhead-Songs „Ace Of Spades“ gespielt.