NIC. DICKEN

„Neuer Finanzskandal im Vatikan“, so lautete kürzlich eine Schlagzeile auf wort.lu, die nach zahlreichen ähnlichen Vorkommnissen der letzten Jahrzehnte einmal mehr unter Beweis stellt, dass die Leitinstanz der mehr als eine Milliarde Menschen, zum größten Teil in ärmeren Regionen der Welt, umfassenden katholischen Kirche nach wie vor selbst nicht gefeit ist gegen die Verlockungen des Mammon, der stets den braven Christenmenschen als verabscheuungswürdiges Übel der irdischen Existenz vorgehalten wurde. Aus heutiger Warte kann denn auch durchaus der Eindruck entstehen, dass die Kirchenmänner über Jahrhunderte hinweg unermessliche Reichtümer anhäuften, um die Gemeinschaft der Gläubigen vor deren zerstörerischen Verlockungen zu schützen. Wirkungsvoll wurde mit einem geläufigen Slogan geworben: „Wenn das Geld im Säckel klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt!“

Symptomatisch für dieses Gebaren steht der so genannte „Peterspfennig“, der bis heute erhoben wird, dem Vatikan aber vor 500 Jahren eine tief greifende Spaltung einbrachte, die bis heute in der Trennung und mittlerweile Koexistenz von katholischen und reformatorischen Christen in Europa nachwirkt.

Auslöser des jüngsten vatikanischen Finanzskandals ist der Kauf einer Spekulationsimmobilie mitten in London, für deren Erwerb offenbar ausgerechnet auf die Erträge des weiterhin weltweit erhobenen „Peterspfennig“ zurückgegriffen wurde, eine „Zweckentfremdung“ von 150 bis 180 Millionen Euro, je nach Quelle, die zunächst unter Verschluss gehalten werden konnte, infolge von Suspendierungen und Demissionen dann aber doch offenbar wurde.

Die unendliche Kirchengeschichte lässt über die lange Dauer hinweg immer wieder die missbräuchliche Verwendung von Spendengeldern zumeist ärmerer Gläubigen, oft aber auch sehr reicher und reuiger Edelleute erkennen, die sich mit Spendenbereitschaft ihr Seelenheil sichern wollten. Neben den himmlischen Reichtümern, die der Glaubensgemeinschaft verheißen wurden, wollten die Kirchenfürsten und ihr Gefolge aber auch in möglichst hohem Ausmaß aus den irdischen Gütern Nutzen ziehen, was über die Jahrhunderte hinweg und bis in unsere Zeit zu Zerwürfnissen und sogar offen ausgetragenen militärischen Auseinandersetzungen führte, die nach außen hin als Glaubenskriege verklärt wurden.

Es wäre unredlich, verschiedene Sozial- und Wohltätigkeitsinitiativen zu verschweigen, die ebenfalls von der Kirche in die Wege geleitet und aufgebaut wurden. Aber auch deren Finanzierung basiert bis heute generell auf der Spendenfreudigkeit der Gemeinschaft und der ganzen Bevölkerung. Wo und wie die Vermögen der Kirche gehortet und eingesetzt werden, verschließt sich in aller Regel der breiten Öffentlichkeit, wie nicht zuletzt die Entdeckungen und Klärungen der letzten Jahre deutlich machten, die auch in Luxemburg infolge der Trennung von Kirche und Staat erfolgt sind.

Nicht so sehr das Glaubensvermächtnis als vielmehr die Sicherung des materiellen Besitzes standen und stehen dabei weiterhin im Vordergrund.