LUXEMBURG
KIM GREIS

Künstler Stick: Nicht alles gefallen lassen, was man vorgeschrieben bekommt

Stick (39) ist einer der bekanntesten und langlebigsten Graffitikünstler in Luxemburg. Zusammen mit Spike und Sumo brachte er sich Anfang der 90er Jahre das Sprayen bei. Dabei inspirierte er sich vor allem an den lokalen Szenen in Brüssel, Nancy und Trier. Seit seinem Erstlingswerk, das 1995 entstand, ist er aktiv und auch hauptberuflich Künstler.

In einer solch langen Karriere als Graffitikünstler kann es auch vorkommen, dass seine Kunst ungefragt mit Inhalten in Verbindung gebracht wird: So ließ sich Serge Wilmes, CSV-Spitzenkandidat für die Hauptstadt, für ein Wahlwerbeplakat vor einem Graffito von Stick ablichten. „Bon! Bein, voilà ce qui arrive quand on peint dans l’espace publique!“, kommentierte Stick Anfang der Woche auf Facebook. Inzwischen sollen sich Politiker und Künstler nach Angaben von Wilmes ausgesprochen haben.

Wir haben mit Stick über seinen Werdegang und ein gemeinsames Projekt mit der „International School of Luxembourg“ (ISL) geredet.

Kannst Du die Hintergründe zum gemeinsamen Projekt mit dem ISL erläutern?

STICK Ich wurde von einer Verantwortlichen des ISL kontaktiert, um bei dem Projekt „Learning to Look“ mitzuwirken, in dessen Rahmen jedes Jahr Künstler eingeladen werden. Die Schule hat mir eine Wand zur Verfügung gestellt, die ich besprühen konnte. Dabei inspirierte ich mich von Bildern, die Schüler einer Klasse gemalt haben, und habe versucht, aus jedem Bild ein Element in die Wandmalerei zu übertragen. Zudem habe ich auch klassische Elemente aus der Szene, wie Tags, in das Werk integriert.

Mit welchen Herausforderungen wurdest Du während des Projektes konfrontiert?

STICK Es war nicht einfach, die verschiedenen Elemente so einzufügen, dass ich am Ende zufrieden war. Es war eine Challenge für mich, die mich jedoch auch motiviert hat. Zudem musste ich einen ganzen Tag lang vor mehreren Gruppen verschiedener Klassen reden, was für mich ebenfalls eine Herausforderung war.

Wie hat Dir die Zusammenarbeit mit den Schülern gefallen?

STICK Ganz gut. Während ich an dem Kunstwerk gearbeitet habe, sind einzelne Schüler und auch ganze Klassen vorbeigekommen und haben mir Fragen über Graffiti gestellt. Eine Schülerin war besonders interessiert, sodass ich ihr einige Techniken beigebracht habe und sie auch am Kunstwerk habe mitwirken lassen.

Was hältst Du von illegalem Graffiti?

STICK Graffiti sind immer illegal und es ist Teil der Szene, dass öffentliche Mauern besprüht werden. Als Künstler setzen wir uns für die Ausdrucksfreiheit ein, in dem wir versuchen aktiv unsere Umwelt zu verändern. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass man sich nicht alles, was man vorgeschrieben bekommt, gefallen lassen soll. Graffitis werden normalerweise an Orten angefertigt, die gut sichtbar sind, und sind auch ein Indikator für kulturelle Vielfalt in den jeweiligen Städten. Als ich angefangen habe, konnte man anhand der Graffitis erkennen, in welcher Stadt man sich befand. Heute ist dies nicht mehr so, da man auch als Künstler durch das Internet viel mehr Einflüssen ausgesetzt ist.

Welche Projekte hast Du in naher Zukunft geplant?

STICK Im September sind zwei Ausstellungen geplant. In Walferdingen findet derzeit „Error on the Wall“ statt, wo junge Künstler Werke ausstellen, die durch Inspiration von Fotos des Fotografen Norbert Ketter entstanden sind.

Am 23. September stellen Joël Rollinger, Sumo, Spike und ich im „sixthfloor“ in Koerich aus. Zudem bin ich im „Comité d’Art Urbain“ der Stadt Luxemburg aktiv, der die Jugendkultur, sprich Graffiti, Breakdance und so weiter fördert.

Kannst Du Dir vorstellen, den Rest Deines Lebens Graffitikünstler zu bleiben?

STICK Ja, auf jeden Fall! Ich bin jetzt noch mit 39 Jahren dabei und habe nicht vor aufzuhören, solange die Gesundheit mitspielt und ich die Energie und Motivation dazu habe. Momentan arbeite ich auch viel auf Leinwänden im Atelier, dabei versuche ich weiterhin, Elemente des Graffitis zu integrieren. Manchmal, wenn es mir danach ist, dann besprühe ich Mauern, um mir meiner Herkunft erneut bewusst zu werden.

Weitere Informationen unter www.stick77.com