LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Das Jahr vor Gericht im Rückblick: Von Oktober bis Dezember

Unsere Serie über die spektakulärsten und interessantesten Prozesse und Urteile des Jahres geht mit diesem vierten Teil nun zu Ende, der den Monaten Oktober bis Dezember gewidmet ist.

11. Oktober: Schlägerei unter Polizisten - Urteil ausgesetzt

Ein Ex-Polizist im Alter von 28 Jahren hatte einen 33-jährigen Polizisten in der Nacht vom 12. auf den 13. November 2016 in einer Diskothek aus Wut auf seine Ex-Freundin zusammengeschlagen. Das Urteil musste ausgesetzt werden. Das Gericht ernannte einen medizinischen Gutachter, der bis zum 15. Januar 2020 die Verletzung des Opfers in einem Gutachten festlegen soll. Für die Schläge und die Belästigungen hatte die Staatsanwaltschaft drei Jahre und sechs Monate Haft gefordert, wovon ein Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

20. November: Prozess um die Morde am „Schléiwenhaff“ und „Fräiheetsbam“

Besonders perfide Morde hatten die Bevölkerung im November 2016 geschockt. Am 10. November 2016 wurde die Leiche eines 36-jährigen Mannes nigerianischer Herkunft in einem Waldstück bei Leudelingen („Schléiwenhaff“) gefunden. Der Mann wurde mit einem Kopfschuss getötet. Vier Tage später, am 14. November 2016, wurde das zweite Opfer, eine 27-jährige Rumänin in Strassen auf dem Parkplatz am „Fräiheetsbam“ entdeckt. Die Obduktion ergab, dass auch sie mit einem Kopfschuss getötet wurde. Zwei Männer, Lee K. (36) und Alden S. (24) wurden 2016 des gemeinschaftlichen Mordes an dem Nigerianer O. angeklagt. Für Lee K. fordert die Staatsanwaltschaft eine lebenslängliche Haftstrafe. Laut Staatsanwaltschaft sei Lee K. nach Artikel 475 des „Code pénal“ für den Mord am nigerianischen Drogendealer sowie an der rumänischen Prostituierten voll schuldfähig. Für Alden S. forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 22 Jahren. Das Urteil wird am 8. Januar 2020 gesprochen.

28. November: Lange Haftstrafen für Computerdiebe

Am 14. Juni 2018 waren vier Mitglieder einer rumänischen Einbrecherbande in die Räume eines Computergeschäfts in Leudelingen eingedrungen und hatten zahlreiche Apple-Produkte mitgehen lassen. Am 6. Juli 2018 gegen 2.40 dann hatten die Einbrecher mit einem gestohlenen Renault Clio das Schaufenster des Geschäfts des IT-Unternehmens in der Grand-Rue in Luxemburg/Stadt durchbrochen. Den Tätern gelang mit Geräten im Wert von über 100.000 Euro die Flucht. Ein Täter bekam drei Jahre ohne Bewährung. Die drei anderen wurden zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt. Die Nebenklage fordert von den vier Rumänen 125.000 Euro Schadenersatz.

29. Oktober: Serieneinbrecher zu vier Jahren Haft verurteilt

Ein 46 Jahre alter Albaner war zwischen Oktober 2015 und Ende November 2017 in Luxemburg auf Einbruchstour. Vor Gericht gab der Mann zu Protokoll, er sei nach Luxemburg gekommen, um zu stehlen, weil er Geld brauche. Seine Tochter sei sehr krank und müsste operiert werden.

Laut ärztlichem Attest musste sich die 20-jährige Tochter tatsächlich einem chirurgischen Eingriff unterziehen, der nicht in Albanien gemacht werden kann und der sehr teuer ist. Für die achtzehn Taten verurteilte die 9. Strafkammer den Serieneinbrecher zu vier Jahren Gefängnis, davon zwei auf Bewährung. Geldstrafe: 8.545 Euro. Vier von 18 Geschädigten muss der Albaner 1.200 Euro sowie einer Versicherung 41.144 Euro Schadenersatz bezahlen.

31. Oktober: Kassationshof lehnt Antrag von Drogenbandenchef ab

Am 31. Oktober lehnten die obersten Richter des Kassationshofes in Luxemburg den Kassationsantrag des „G33“- Drogen-Bandenchefs Joseph E. (49) ab. Der Mann organisierte die Strukturen für einen florierenden Handel mit Betäubungsmitteln im hauptstädtischen Bahnhofviertel. In Berufung hatte der Mann dafür eine Haftstrafe von zwölf Jahren erhalten. Mit der Ablehnung des Kassationsantrags sind alle Rechtsmittel für Joseph E. in Luxemburg ausgeschöpft. Sein Verteidiger hatte angekündigt, die Sache nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu bringen.

27. November: Zehn Jahre Haft für Ex-Lehrer wegen Missbrauchs von Jugendlichen

Einem 46-jährigen Ex-Lehrer wird vorgeworfen, in den Jahren 2011 bis 2012 und zwischen dem 31. Oktober 2014 und 3. September 2016 mindestens 13 minderjährige Jungen vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Haftstrafe von zehn Jahren beantragt. Urteil: 15. Januar 2020.

27. November: G4S- Räuber Cihan Guzel von Spanien nach Luxemburg ausgeliefert

Cihan Guzel, einer der drei Männer, die im April 2013 die Luxemburger Sicherheitsfirma G4S in Gasperich überfallen hatten, wurde Ende Oktober 2019 in Spanien (Marbella) festgenommen. Guzel wurde am 27. November 2019 von Spanien an Luxemburg ausgeliefert. Er wurde von der Luxemburger Justiz mit europäischem und internationalem Haftbefehl gesucht, nachdem er wegen seiner Beteiligung am äußerst brutalen und spektakulären Raubüberfall auf die G4S-Zentrale in Gasperich zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Vor Haftantritt tauchte er unter.

3. Dezember: Urteil im Autobomben-Prozess bestätigt

Im spektakulären Prozess um einen Bombenanschlag auf seinen Vater hat das Berufungsgericht am 3. Dezember das Urteil in erster Instanz von 14 Jahren Haft gegen den 41 Jahre alten Luxemburger Kim Z. bestätigt. Am 1. Oktober 2016 hatte der Mann eine selbst gebaute Rohrbombe im Wagen seines Vaters platziert. Doch das Opfer überlebte den Anschlag. Hintergrund war ein Erbschaftsstreit.

11. Dezember: Urteil nach tödlichem Sturz auf einer Baustelle

Ein tödlicher Arbeitsunfall hatte sich am 23. April 2015 ereignet. Ein 61-jähriger Hilfsarbeiter war durch eine Lücke im Dach mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. Sieben Monate später erlag der Mann seinen schweren Kopfverletzungen und inneren Blutungen. Die Richter der 19. Strafkammer verurteilten die Firma M. zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro. Die Opferfamilie hatte 375.000 Euro Entschädigung gefordert. Sie erzielte aber nur einen Teilsieg: Die Firma muss fünf Geschwistern des Verstorbenen jeweils 5.000 Euro Schadenersatz zahlen.

11. Dezember. Urteil im Prozess um Frisinger Tankstellenraub

Wegen eines bewaffneten Raubüberfalls auf eine Tankstelle im August 2017 in Frisingen sind am 11. Dezember drei Männer von der 13. Straf- und Kriminalkammer zu 13, zehn und sieben Jahren Haft verurteilt worden. Einer der mutmaßliche Täter, Serge L., wurde am selben Tag zusätzlich in einem eigenständigen Verfahren von der 13. Strafkammer wegen Bedrohung und Einschüchterung zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten und einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt.

11. Dezember: Prozess um „Mühlenbacher-Geiseldrama“

Zwei mutmaßliche Täter, Redda B. und Ali A. hatten am 12. Dezember 2012 den Direktor einer Treuhandgesellschaft in seinem Haus in Eich überwältigt. Bei dem Überfall hatten die Gangster rund 152.500 Euro erbeutet. Am 13. Dezember 2012 kam es dann zu einer weiteren Geiselnahme mit insgesamt zehn Personen, wo beide den Opfern Luxusuhren abnahmen. Beute 1,5 Millionen Euro. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer 24 Jahre für den Wiederholungstäter B. Der Mittäter A. soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft für 20 Jahre hinter Gitter. Zwei weitere Männer sind wegen Hehlerei angeklagt. Das Urteil soll am 8. Januar 2020 gesprochen werden.

19. Dezember: Einbrecherbande aus Georgien verurteilt

Vier Mitglieder einer georgischen Einbrecherbande wurden zu empfindlichen Gefängnisstrafen verurteilt. Die 21 bis 42 Jahre alten Männer, die sich im Dezember 2018 als Flüchtlinge im „Centre d’accueil Logopédie“ in Strassen getarnt hatten, nutzten die Wartezeit im Rahmen ihrer Asylverfahren für Einbrüche in ganz Luxemburg. Die vier Einbrecher wurden zu Gefängnisstrafen zwischen 15, 36 und zwei Mal 48 Monaten verurteilt. Zwei von ihnen wurden jeweils zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt. In der zivilen Nebenklage muss die Bande einer Versicherung 6.786 Euro sowie 3.223 Euro zahlen.