LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Dalkey Archive Press“ ist an der Übersetzung und Veröffentlichung eines luxemburgischen Autors interessiert

Ein Buch aus der Feder eines luxemburgischen Schriftstellers erobert den englischsprachigen Büchermarkt, erlangt Bekanntheit in den USA, in Großbritannien und in Irland. Bislang ist dies ein nahezu unerfüllter Traum. Unerreichbar sollte er aber nicht sein, denn zumindest die Veröffentlichung einer unserer Autoren in Amerika könnte bald Realität werden.

Interesse hat nämlich der Verlag „Dalkey Archive Press“ mit Sitz in den Vereinigten Staaten gezeigt. Gründer und Direktor John O’Brien kam vor einiger Zeit während eines Literaturfestivals im slowenischen Vilenice mit der Literatur aus Luxemburg in Berührung und durch den Kontakt mit Guy und Nico Helminger auf den Geschmack.

Meinungsaustausch im CNL

Vor kurzem besuchten er und Jacob Snyder, stellvertretender Direktor von „Dalkey Archive Press“, das Großherzogtum, um sich im Rahmen eines ganztägigen Workshops im Merscher Literaturzentrum (CNL) in Gegenwart hiesiger Verleger, Buchhändler, Autoren und Buchkritiker einen Überblick über den Literaturbetrieb in Luxemburg zu verschaffen.

Besonders interessierten O’Brien und Snyder natürlich, welches Werk sie ins Englische übersetzen und in ihrem Verlag veröffentlichen könnten. Es kam zu einem intensiven und aufschlussreichen Meinungsaustausch.

Auf der Suche nach unkonventionellen Geschichten

„Dalkey Archive Press“ wurde vor rund 35 Jahren gegründet. Seither wurden in dem Verlag viele Werke bekannter und weniger bekannter Autoren aus den unterschiedlichsten Ländern ins Englische übersetzt. Einige wurden zu Bestsellern. „Wir sind offen für nicht ganz so konventionelle Geschichten und natürlich auch an Autoren aus kleineren Ländern interessiert, denen es schwerer fällt, im Ausland bekannt zu werden. Sie werden oft übersehen, was natürlich schade ist“, sagte O’Brien. „Ich habe die romantische Vorstellung, dass die Bücher, die wir veröffentlichen, noch in 100 Jahren gelesen werden“, fügte er hinzu.

Schwerer Stand im Ausland

Für englischsprachige Bücher gibt es in Luxemburg nur einen geringen Markt, lautete das Fazit der anwesenden Buchhändler. Übersetzungen luxemburgischer Autoren seien deshalb bislang kaum ein Thema gewesen, noch dazu weil es sich ohnehin im Allgemeinen als sehr schwer gestalte, Literatur aus Luxemburg im Ausland zu vermarkten, wie ihrerseits die Verleger zu bedenken gaben.

Einen Tipp, welches Werk sich für den amerikanischen Markt eignen würde, konnten und wollten die Buchhändler indes nicht geben, insbesondere da die Bücher, die sie am meisten verkaufen würden, nicht unbedingt per se Werke von herausragender literarischer Qualität seien. Natürlich, da waren sich ebenfalls alle Anwesenden einig, sei es nicht selbstverständlich, Namen zu nennen oder sich gar auf einen festzulegen, da Luxemburg mehr als einen talentierten Schriftsteller zu bieten habe, der auch eine Leserschaft außerhalb Europas interessieren könnte. Muss es ein gestandener, in Luxemburg bestbekannter Autor sein oder kommt auch ein junges Nachwuchstalent in Frage? Eine Antwort wurde an diesem Tag nicht gefunden.

Von Dr. Mabuse bis Schacko Klak

Aufgelistet wurden dafür aber luxemburgische Bücher, die verfilmt wurden, allen voran „Der neunte Tag“ von Volker Schlöndorff auf Grundlage der autobiografischen Erzählung „Pfarrerblock 25487“ von Jean Bernard über seinen Aufenthalt als Häftling im Pfarrerblock des KZ Dachau. „Perl oder Pica“ (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jhemp Hoscheit), „Schacko Klak“ (basierend auf Elementen aus Roger Manderscheids Roman) und „Baby(a)lone“ (basierend auf „Amok - Eng Lëtzebuerger Liebeschronik“ von Tullio Forgiarini) wurden in diesem Kontext ebenfalls genannt, genau wie daran erinnert wurde, dass hinter „Dr. Mabuse“, der in mehreren Verfilmungen auftritt, eine um 1919 von dem luxemburgischen Schriftsteller Norbert Jacques erfundene literarische Figur steckt.

Nun ist es an den Autoren und Verlagsvertretern, John O’Brien konkrete Vorschläge - mit einer englischen Zusammenfassung und ein paar übersetzten Kapiteln - zukommen zu lassen. Man kann nur hoffen, dass dieses Projekt tatsächlich irgendwann in die Tat umgesetzt wird.