CORDELIA CHATON

Wir haben es verpatzt. Wir waren die Generation, auf die die anderen so viel Hoffnung gesetzt hatten. Die, die eine bessere Welt schaffen sollte. Aber wir haben Weltmarken wie Nutella und Coca Cola konsumiert, bis wir Speckringe hatten, bei den großen Namen der Wirtschaft angeheuert, die dicke Prämien versprachen und von noch viel mehr geträumt.

Jetzt gibt es ein Meer an Plastik, alleine einer dieser Ozeane ist so groß wie die dreifache Fläche Frankreichs. Wir haben mehr Konflikte, denn es gibt mehr Waffen als zuvor. Und in Luxemburg gibt es immer mehr Müll, 180 Kilo pro Kopf pro Jahr, Tendenz steigend. Der Wunsch nach mehr hat vor allem mehr Probleme gebracht.

Kein Wunder also, dass auch die Politik den Wandel will. Ein Ansatz dazu ist „Circular Economy“. Dabei geht es um Müllvermeidung und die Rückführung aller Bestandteile in Kreisläufe biologischer oder technologischer Art. Erst vergangenes Jahr fand Ende Juni die „Luxembourg Hot Spot Circular Economy“-Konferenz dazu statt, fast im Wochenrhythmus gibt es Veranstaltungen hier im Land. Seit der Gründung des „EcoInnovation“-Clusters bei der staatlichen Agentur Luxinnovation ist der Cluster-Präsident Romain Poulles unermüdlich im Einsatz. Die jetzige Regierung hat sich das Thema groß auf die Agenda geschrieben.

Die CSV, zur Zeit in der Opposition und guter Hoffnung, im Oktober mehr Macht zu erhalten, will sich ebenfalls offen für den Ansatz zeigen. Deshalb kündigte ihr Spitzenkandidat Claude Wiseler beim Konvent seiner Partei am Samstag an, die Kreislaufwirtschaft als weitere prioritäre Wirtschaftssparte entwickeln zu wollen. Wie bitte? Doch ja, der langjährige Politiker, der offenbar weder die Politik-, noch die Wirtschafts- noch die Lokalseiten der nationalen Presse liest, hat etwas gefordert, was es längst gibt. Denn das „Cluster“, das sich immerhin seit 2009 um „Circular Economy“ kümmert, heißt „EcoInnovation“. Bei solchen Forderungen fragt sich, in welcher Realität ein Politiker lebt und wie wichtig ihm das Thema wirklich ist. Erstmal fordern klingt vielleicht gut - aber nicht, wenn man sich damit als Ignorant mit Lippenbekenntnis outet. Das Schlimmste: Angesichts einer so wichtigen Frage wie der des Klimas und unserer Umwelt wäre es wirklich wichtig, wenn alle an einem Strang ziehen. „Circular Economy“ ist auf globalem Niveau längst aus seiner Nische raus, auch politisch. Das wurde auch dringend Zeit.

Wichtig war das Thema „Circular Economy“ jedenfalls der Fieldgen-Schule, die einen ganzen Tag lang Ateliers und eine große Konferenz dazu veranstaltete. Schüler, die Konsumenten von morgen, wurden mit Fragen konfrontiert wie, wo etwas produziert wird, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen. Wer Schweinefleisch kauft, das mit Soja aus Argentinien gemästet wurde, der heftig mit Glyphosat gespritzt wird, beeinflusst seine Umwelt. Da wird Klimawandel greifbar. Die Schüler waren sehr interessiert, die Ateliers sollen demnächst auch noch weiteren der 1.400 Schüler zugänglich gemacht werden. Viele sind einen Schritt weiter als ihre Eltern. Sie wollen nicht unbedingt mehr, stellen aber mehr Fragen - auch sich selbst. Sie sind die Generation, auf die wir unsere Hoffnung setzen.