LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„red bridge project“ baut Brücken zwischen Musik, Tanz und Bildender Kunst

Fast überschlugen sich die Redner gestern im Mudam mit ihren jeweiligen Lobeshymnen, als sie das „red bridge project“ vorstellten. In der Tat ist es bemerkenswert, wenn sich die drei größten Kulturinstitutionen der Hauptstadt - Philharmonie, Grand Théâtre und Mudam - für ein gemeinsames und noch dazu innovatives Projekt zusammentun. Unter dieser Form gab es das bislang nämlich noch nie. Ein Konzerthaus, ein Museum und ein Theater. Wo liegen die Gemeinsamkeiten? Welcher rote Faden könnte diese drei Institutionen verbinden, die ihren Fokus doch eigentlich - zumindest größtenteils - auf relativ unterschiedliche Kultursparten richten? Nun, auf der Bühne des großen Auditoriums in der Philharmonie wird getanzt, die „Grand Hall“ des Mudam verwandelt sich in einen Performanceraum und im Grand Théâtre erklingt Konzertmusik. Dies alles steckt im „red bridge project“, und dafür zeichnet die belgische Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrer Kompanie „Rosas“ verantwortlich.

De Keersmaeker lässt Grenzen verschwimmen

Geografisch wie künstlerisch lässt das Projekt die gewohnten Grenzen verschwinden und baut stattdessen Brücken zwischen Musik, Tanz und Bildender Kunst. Genau das ist die Spezialität der Künstlerin aus Belgien, die diese verschiedenen Disziplinen seit Jahrzehnten miteinander verschmilzt. Sie gehört zu den Großen ihres Fachs. Kenner der Szene sind sich einig, dass sie den zeitgenössischen Tanz mit ihrer Kompanie revolutioniert hat. In Luxemburg ist De Keersmaeker indes keine Unbekannte, vielmehr ist sie dem Land seit langem verbunden und gastierte bereits mehrfach im Großen Theater. „Luxemburg und das Grand Théâtre waren für mich immer schon ein Platz, wo ich das starke Gefühl hatte, mit dem Publikum zusammen etwas zu erschaffen“, sagte die Choreografin gestern.

Das „red bridge project“ bietet zwischen dem 17. September und dem 5. Mai sechs große Produktionen und noch dazu Filme, Vorträge sowie Workshops, die die verschiedenen Facetten ihres kreativen Schaffens entdecken lassen. In zwei Produktionen ist sie selbst als Tänzerin auf der Bühne zu sehen. „Ich sehe mich selbst mehr als Tänzerin wie als Choreografin“, bemerkte die Belgierin.

Exemplarische Zusammenarbeit

Um auf die anfangs erwähnten Begeisterungsstürme zurückzukommen, so sprach Kulturstaatssekretär Guy Arendt von einer „exemplarischen Zusammenarbeit zwischen den drei Kulturtempeln der Hauptstadt“, von einer „einzigartigen und innovativen Initiative“ und von einem Projekt, das Brücken baue. „Ich bin davon überzeugt, dass dies erst der Anfang ist, und dass diese Zusammenarbeit die Kulturszene Luxemburgs auch künftig bereichern wird“, so Arendt. Ähnliche Worte fand auch Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer, die das Projekt als „Symbol für die exzellente Kollaboration zwischen den verschiedenen Kulturinstitutionen“ bezeichnete und von einem „neuen Elan“ sprach. Florence Reckinger vom Verwaltungsrat des Mudam hob die Wichtigkeit hervor, sich für andere Kunstformen zu öffnen.

Sechs Produktionen zwischen September und Mai

Zum Auftakt von „red bridge project“ tanzt Anne Teresa De Keersmaeker an diesem Sonntag um 11.00 und 15.00 im Mudam „Violin Phase“ aus „Fase, Four Movements to the Music of Steve Reich“, ihrem allerersten Stück aus dem Jahr 1982.

„Verklärte Nacht“ folgt am 2. März um 20.00 in der Philharmonie. Die Choreografie beruht auf der spätromantischen Musik für Streicher von Arnold Schönberg und einem Gedicht von Richard Dehmel. Erstmals wird De Keersmaekers 2014 entstandene Choreografie mit Live-Orchester - dem OPL - präsentiert, was die Choreografin als große Herausforderung beschrieb.

Am 21. März um 19.00 steht Olivier Messiaens monumentales Werk „Des canyons aux étoiles“ auf dem Programm des Konzerthauses. Gemeinsam mit dem „Ensemble intercontemporain“ stellt Jean-François Zygel „Des canyons aux étoiles“ im ersten Teil des Abends vor, während die Komposition im zweiten Teil vollständig mit einer visuellen Interpretation der Lichtkünstlerin Ann Veronica Janssens erklingt. Für Anne Teresa De Keersmaeker ist sie die wichtigste bildende Künstlerin. „Ihre Arbeit mit dem Licht und dieser gewisse Minimalismus faszinieren mich“, erklärte die Choreografin, die bereits mehrfach mit Janssens zusammengearbeitet hat.

Am 7. April um 20.00 präsentiert das Große Theater mit „Achterland“ einen der Meilensteine in De Keersmaekers Werk. Für diese Choreografie von 1990 entwickelte sie zum ersten Mal spezifische Rollen für männliche Tänzer, die sie ihrer bis dahin vorwiegend weiblichen Truppe hinzufügte. „Achterland“ ist eine sehr theatralische Produktion und ein Spiel mit Geschlechterrollen. Am 14. und 15. April, jeweils zwischen 14.00 und 19.00, ist es dann erneut am Mudam, wo De Keersmaekers Stück „Vortex Temporum“, wie zuvor bereits im MoMA, Tate Modern oder dem Centre Pompidou, quasi wie eine Ausstellung präsentiert wird.

Zum Abschluss des „red bridge project“ betritt De Keersmaeker am 4. und 5. Mai um 20.00 als Tänzerin dann noch einmal selbst die Bühne des Grand Théâtre, dies in der neuesten Produktion von Rosas „Mitten wir im Leben sind / Bach 6 Cellosuiten“ mit den „Suiten für Violoncello solo“ von Johann Sebastian Bach.

Details zum Programm: www.philharmonie.lu, www.mudam.lu, www.lestheatres.lu