TRIER/LUXEMBURG
INGO ZWANK

Pierrot I. von LuxairTours und Marie-Claire I. vom Kylltal-Reisebüro über ihre karnevalistische Regentschaft

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist sowohl in Luxemburg als auch bei den Nachbarn in Trier nicht neu. Dass aber die Narren in Deutschlands ältester Stadt in der fünften Jahreszeit an der Mosel von närrischen Regenten aus dem Großherzogtum regiert werden, nämlich von Pierrot I. von LuxairTours und Marie-Claire I. vom Kylltal-Reisebüro (mit bürgerlichem Namen Klein), ist schon ein Unikum. Wer aber jetzt glaubt, den Trierern seien Kandidaten für das närrische Amt der Prinzessin und des Prinzen ausgegangen, der irrt. Im Gegenteil: Bis 2025 reicht offiziell die Bewerberliste.

Bereits die zweite Regentschaft

Erste Sporen im Karneval hat sich das amtierende Prinzenpaar Pierrot und Marie-Claire bereits erfolgreich verdient - sie überzeugten die Narren als närrische Regenten 2017 in Langsur. „Dabei muss ich sagen, dass wir vorher nie etwas mit Karneval zu tun hatten“, erzählt der Prinz. „Wir haben immer gerne mit Freunden gefeiert und auch Spaß gehabt - was ja auch beim Karneval der Fall ist.“

So war die Inthronisation als Langsurer Prinzenpaar bereits ein Novum. „Unsere erste Kappensitzung, die wir besucht haben“, sagt Pierrot mit einem Lachen. Auf diesen Auftritt haben sich die beiden entsprechend vorbereitet: „Wir wussten nicht, was man als Prinzenpaar da machen muss - also haben wir uns im Internet entsprechende Auftritte angeschaut. Doch einfach so was vorlesen, das hat uns gar nicht gefallen. Wir wollten etwas von uns erzählen, frei von der Leber weg...“ Mit ihrer natürlichen und fröhlich-freundlichen Art zogen sie die Narren - und nicht nur die - schnell in ihren Bann. Es folgten damals schon Einladungen über Einladungen. „Aus dem In- und Ausland“, erzählt Pierrot. Bei vielen Vereinen, bei denen sie eingeladen wurden, avancierten sie auch gleich zu Mitgliedern. „Gut, wir leben seither quasi Karneval“, lächelt der Prinz. „Denn der Karneval ist durch die Garden, durch die Karnevalssitzungen einfach größer, etwas Besonderes“, betont Prinz Pierrot I. mit Blick auf Luxemburg.

Zwei Luxemburger als Trierer Prinzenpaar - geht das denn? Aber natürlich geht das. Vorausgesetzt, die beiden Luxemburger sind Mitglieder eines Trierer Karnevalsvereins, der wiederum Mitglied bei der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval 1955 e. V., der Dachorganisation des Trierer Karneval von zurzeit 17 Karnevalsvereinen aus Deutschlands ältester Stadt, ist - was die beiden auch während ihrer ersten Regentschaft bereits wurden. Nämlich in der Karnevalsgesellschaft Trier-Süd, wo sie mit offenen Armen empfangen wurden. „Weil die Chemie vom ersten Moment an gestimmt hat“, wie es vom Karnevalsverein Trier-Süd hieß. Denn hier in Trier und Umgebung würde der Karneval noch besonders gepflegt, führt Seine Tollität aus. Daher war es keine Frage, ob sie sich als Trierer Stadtprinzenpaar bewerben wollten. Die Karnevalsgesellschaft reichte die Bewerbung ein und nach einem kurzen Casting mit den Delegierten der angeschlossenen Vereine der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval war die Wahl schnell getroffen - und: „Wir waren es.“

Einarbeitungszeit

Es folgte eine gewisse Einarbeitungszeit. „Wir besuchten die Sponsoren und die Vereine und stellten uns vor“, erzählt Pierrot. Ein großer Vorteil, gewannen sie doch bereits hier entsprechende Sympathien mit ihrer Offenheit und Freundlichkeit. „Im Karneval treffen wir so nur auf Freunde“, berichtet Pierrot.

Am 11. November wurde das Prinzenpaar offiziell vorgestellt , damals noch designiert, denn erst mit der offiziellen Inthronisation dürfen sich die beiden auch in ihrem närrischen Ornat zeigen. „Nun sind wir eben ein ganzes Jahr das Trierer Stadtprinzenpaar“, betont Pierrot mit Blick auf die annähernd 300 Termine, die sie alleine in der Fünften Jahreszeit absolvieren und die sie auch wieder ins Ausland führen werden. „Einladungen haben wir aus Serbien, aus Montenegro und vielen anderen Ländern erhalten“, sagen die aktuell best bekanntesten Botschafter von Deutschlands ältester Stadt. Highlights herausstreichen möchte und kann der Prinz nicht. „Sicherlich Weiberdonnerstag mit der Rathausstürmung und auch der Rosenmontagsumzug sind besondere Termine in unserem närrischen Kalender. Aber jeder Termin ist für uns besonders. Mit welcher Herzlichkeit man beispielsweise im Altenheim empfangen wird oder auch an anderer Stelle, das ist es, was jeden Termin zu einem Highlight werden lässt.“

Politik begeistert vom Prinzenpaar

Wie gut die beiden als närrische Tollitäten und auch grenzüberschreitende Botschafter ankommen, zeigt auch der Umstand, dass die Politik von den beiden Luxemburgern begeistert ist. Als das neue Prinzenpaar bei der närrischen Gala der ATK inthronisiert wurde und Pierrot das Motto „In Trier ist was los - mit uns auch grenzenlos“ vorstellte, sagte er: „Wir wollen europäisch feiern und Menschen verbinden.“

Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe sagt über das Prinzenpaar, es zeige die Internationalität von Trier. „Ich freue mich, dass der europäische Gedanke auch im Karneval so eine Rolle spielt“, fasst es Leibe zusammen, der übrigens vom Prinzenpaar zum Ehrenadjutanten ernannt wurde.