LUXEMBURG
SVEN WOHL

Auch wenn zum Weltfrauentag in Luxemburg einiges stattfindet, hört das Thema nicht an den Grenzen auf

In diesem Jahr hat der Weltfrauentag keine andere Wahl, als eine Besonderheit in Luxemburg darzustellen. Hundert Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts im Großherzogtum hat er nicht an Aktualität verloren. „Ich habe das Gefühl, dass wir eine neue feministische Welle erleben“, stellt Isabelle Schmoetten vom „cid | fraen an gender“ im Gespräch fest. Dieses Aufleben zeige sich bei den „Women’s Marches“ gegen Trumps frauenfeindliche Politik genauso, wie bei den Protesten während der Wahlen in Brasilien. „Gleichzeitig gibt es allerdings auch einen Backlash durch rechte Politik”, meinte Schmoetten, wohlwissend, dass Frauenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus Hand in Hand gehen. Die erlangten Fortschritte müssten dementsprechend verteidigt werden. 

Historische Infragestellung

Der ständig zu hörende Tenor, der Welttag sei nicht mehr nötig, da Frauen doch bereits alles erreicht hätten, sei dabei keine Neuheit. „Nach der Einführung des Frauenwahlrechts 1919 wurde gesagt, dass Frauen ja jetzt alles erreicht hätten und aufhören sollten. Da waren wir aber noch weit entfernt von dem, was heute als normal gilt“, erläuterte Schmoetten. Hinzu kommt die internationale Komponente: Der immer noch real existierende Sexismus ist ein strukturelles und vor allem weltweites Phänomen. Er lässt sich nicht von irgendwelchen Landesgrenzen aufhalten. Auch deshalb stellt man im Rahmen der bevorstehenden Europawahlen klare Forderungen. Diese richten sich nicht nur an die Kandidaten der luxemburgischen Parteien, sondern auch an das luxemburgische Parlament und die aktuelle Regierung.

Gleichzeitig möchte man Solidarität mit den Frauen Europas zeigen. Denn in vielen Ländern wird zum Weltfrauentag gestreikt. „Wir haben nicht zum Streik aufgerufen, weil wir der Meinung waren, dass wir dafür mehr Vorlaufzeit bräuchten. Wir solidarisieren uns allerdings mit all diesen Streiks und Kundgebungen, die europa- und weltweit stattfinden“, bestätigt Isabelle Schmoetten. Für ein breites Programm hätte man trotzdem gesorgt (siehe Kasten). Und so lange keine wahre Gleichberechtigung, etwa bei den Löhnen, oder ein Ende der antiquierten Rollenerwartungen in Sicht sei, wird wahrscheinlich auch weiter gekämpft.

Mehr zum Weltfrauentag

Aktivitäten und Feste

Zum heutigen Weltfrauentag findet am Hauptbahnhof in Luxemburg um 12.00 ein Treffen statt. Dann startet man, mit reichlich Krach und möglichst violett gekleidet, in Richtung „Place d’Armes“. Dort findet eine Kundgebung mit gesellschaftspolitischen Forderungen statt. Ein „Schneewittchen Flashmob“ soll zudem mit altbackenen Geschlechterrollen aufräumen. Organisiert werden die Aktionen von der Plattform „JIF“, die insgesamt 22 Organisationen umfasst. Am 10. März findet außerdem im Kultur- und Begegnungszentrum „neimënster“ ein feministisches Fest mit zahlreichen Rundtischgesprächen, Ateliers und Filmvorführungen statt. Eröffnung um 11.30.