LAOS
YANNIS BASTIAN/LJ

Seit September 2014 erradelt Yannis Bastian die Welt: Sein Erlebnisbericht aus Laos (1)

Auf zwei Rädern einmal um die Welt: Seit über einem Jahr ist der 31-jährige Yannis Bastian aus Berburg mit seinem Fahrrad unterwegs. Den ersten Kontinent hat er schon lange hinter sich gelassen. In Asien steuerte er zunächst Indien, dann Vietnam an. Seine teils abenteuerlichen Eindrücke verarbeitet Yannis regelmäßig in Erlebnisberichten aus eigener Feder im „Journal“. Diesmal nimmt uns der Luxemburger mit auf seine spannende Reise durch Laos.

Start in das wahre Abenteuer

Schüsse. Ich halte den Atem an. Nicht bewegen. Während ich alles versuche, mich so unauffällig wie möglich zu verhalten, überholt der nun unnatürlich schnelle Herzschlag in verräterischen Donnerschlägen das Echo des zuletzt gefallenen Schusses. Die Angst zupft an der Abenteuerhaut, die ich mir seit einigen Tagen fest entschlossen wieder zu einem dichten Fell anwachsen lassen will. Ich bin in Laos.

Mit dem Ende der Beziehung zu meiner Freundin habe ich mich von den letzten, krampfhaft an zuhause klammernden Gedanken verabschiedet, den Mantel der Pflichten und Zeit abgelegt und mich dem puren Erleben nackt hingestellt. Der Tiefpunkt meiner Reise sollte gleichzeitig der Startpunkt für das wahre Abenteuer sein: Ab jetzt würde ich den indirekten, schlammigen Pfad der direkten, gut asphaltierten Straße vorziehen; ich würde offener auf Menschen zugehen, mit ihnen reden, essen, lachen, leben. Ich würde mit der Neugier eines Kleinkindes Neues entdecken, Gefahren riskieren und die eigenen Grenzen erfahren.

Angsterfüllte Nächte

Nun liege ich atemlos und angsterfüllt in meinem Zelt, drei Tage nachdem mich ein angriffslustiger Hund in meinen Packtaschen hängend über die Grenze jagte, wo ich in Laos in ein Meer neugieriger Blicke und herzlichen Lächelns eintauchte; wo Kinder begeistert aus den Hütten die Hügel herunter stürmten, um sich den Handschlag eines „lustigen“ weißen Radfahrers abzuholen; und wo Bauern mir gerade erst gefangene Ratten und Vögel zum Verzehr anboten.

Ein weiterer Schuss. Ich erinnere mich an den Bericht von zwei Weltumradlern und deren Erfahrungen in Laos. Vom wilden Zelten würden sie aufgrund der abendlichen Jagd rund um die Dörfer dringlichst abraten.

Die Atemzüge bleiben auf ein Minimum reduziert. Der auf das Trommelfell hämmernde Herzschlag feuert mich an, jetzt wohlüberlegt zu handeln. Sollte ich meine Familie über meinen Standort informieren? Dieser ist aber nicht einmal mir bekannt. Ich könnte eine letzte Videonachricht aufzeichnen und die Menschen wissen lassen, dass ich das Abenteuer schlussendlich gefunden hätte. Zu verräterisch wäre der helle Bildschirm der Kamera, zu leise und zitterig meine Stimme. Auf der Suche nach weiteren Lösungen beruhigt sich der Herzschlag, die Augenlider senken sich und ich schlafe ein.

Mir wird bewusst, dass es im Abenteuer nicht darum geht, Situationen zu beherrschen und Gefahren zu zähmen, wie ein wildes Pferd. Vielmehr offenbart sich die Lösung meist ganz von alleine.

Bereit für eine ganz neue Art des Erlebens

Ich strecke mich, lasse die Hand über den Arm gleiten und merke, dass mein Abenteuerfell dichter geworden ist. Ich bin bereit für eine ganz neue Art des Erlebens. So verbringe ich die folgenden Nächte endlich wieder im Zelt und eigne mir somit erneut einen natürlichen, viel zu lange vermissten Tagesrhythmus an: Während die ersten Sonnenstrahlen den Tau der letzten Nacht verdunsten lassen, sind es meist die dumpfen Geräusche der Metall- und Holzglocken, herumgetragen von gemütlich stapfenden Wasserbüffeln, die mich letztendlich wecken.

Nach einem kurzen, aus Kaffee und Keksen bestehenden Frühstück fahre ich weiter, auf rostroten, staubigen Straßen, vorbei an freilaufenden Kühen, Schweinen, Ziegen und Enten. Und immer wieder überaus freundliche Menschen, die mir ein in herzliches Lächeln gehülltes „Sawadee“ entgegenrufen. Der Geruch von Feuer hängt in der Luft und erinnert mich an meine Kindheit. Während es damals für mich ein kleines Spektakel darstellte, von Zeit zu Zeit ein Lagerfeuer anzuzünden, um in Alufolie gepackte Kartoffeln in den Kohlen zu grillen, steht das Feuer hier im Mittelpunkt des alltäglichen Lebens. Es ist morgens das erste, worum die Familie sich kümmert.


Teil 2 lesen Sie in unserer Ausgabe von morgen. Verfolgen Sie Yannis‘ Blog: www.facebook.com/yannisworldcyclingadventure oder www.yanniswca.com