LUXEMBURGCHRISTIAN BLOCK

„Kingdom“ ist einfach zu erlernen, aber schwer zu meistern

Ein paar Goldmünzen hier und da, schon stehen die bescheidenen Anfänge des neu gegründeten Königreichs. Doch ganz so beschaulich geht es in „Kingdom“ dann doch nicht zu. Denn der von Noio (Niederlande) und Licorice (Island) entwickelte Titel fällt in die Kategorie einfach zu erlernen, aber schwierig zu meistern - und fordert den Spieler im Tempo seines Fortschritts.

In dem mehrfach ausgezeichneten Indie-Strategiespiel, das zunächst in Flash entstanden ist, bricht ein König oder eine Königin in die Wildnis auf, heuert ein paar Bauern an, stattet sie mit Pfeil und Bogen oder Hammer aus und errichtet Verteidigungsanlagen. Bedient wird „Kingdom“ mit gerade einmal drei Tasten. Die Links- und Rechts-Pfeile steuern den Spieler durch die 2D-Welt. Der Pfeil nach unten erlaubt es, Münzen fallen zu lassen oder sie in Bauprojekte zu investieren. Diese Münzen generieren unsere Untertanen, derer wir im Spielverlauf immer mehr anwerben müssen, auf verschiedenen Wegen. Mit Pfeil und Bogen ausgestattete Bauern jagen etwa Rehe und Hasen. Im späteren Spielverlauf sichert sich der Spieler durch das Anlegen von Feldern eine Einkommensquelle, die für die Erweiterung der Mauern, Wachtürme oder das Bauen von Katapulten und Anwerben von Schwertkämpfern unverzichtbar ist. Denn nachts greifen aus insgesamt vier Portalen - zwei auf jeder Seite der Map - Trolle und andere Kreaturen an.

Endziel: Vier Portale zerstören

Spielziel ist es, sich durch die kontinuierliche Erweiterung des Königreichs diesen Portalen anzunähern und sie schließlich zu zerstören. Einfacher gesagt als getan: Denn dazu gilt es eine Balance zu finden zwischen Ausbau und Verteidigung. Wächst das Königreich zu schnell, fehlt es an Bogenschützen und Baumeistern, um die Angriffe abzuwehren. Lässt sich der Spieler zu viel Zeit, kann er den immer gefährlicheren Angriffswellen möglicherweise nicht standhalten. Schwieriger wird die Verwaltung des Königreichs dadurch, dass die umliegenden Camps nur jeweils zwei Bauern pro Tag generieren. Bauen wir an allen vorgesehenen Standorten Wachtürme auf, werden diese automatisch von Bogenschützen besetzt -die uns dann an der Front fehlen.

Außerdem verschwinden die umliegenden Dörfer, wenn wir Befestigungen in ihrer Nähe errichten. Und dann gibt es auch noch die Blutmondnächte - Terraria lässt grüßen -, in denen die Gegnerhorden besonders gefährlich werden.

Balanceakt

Warum diese Balance entscheidend ist, zeigt sich spätestens dann, wenn eine Seite unseres Königreichs fällt. Denn direkt steuern lassen sich die Untertanen nicht. Selbst wenn wir beide Portale in einer Richtung zerstört haben, können wir diese Truppen nicht zur Sicherung der Front auf die andere Seite schicken. Theoretisch könnten wir zwar die Mauern wieder hochziehen, doch einmal besiegte Untertanen verwandeln sich wieder in Bauern und ziehen von dannen. Außerdem bricht meistens schon wieder die Nacht herein, bevor wir die Verteidigung wieder steht. Insgesamt ist „Kingdom“ damit ein kniffliger Titel, der ein paar Stunden Spaß bietet und der zeigt, dass auch eine simple Spielmechanik ein komplexes Spiel zustande bringen kann.

Erhältlich für rund zehn Euro