LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Großregionales „Center for Border Studies“ geht offiziell an den Start

Mit 2.595 Kilometern Grenzen zwischen vier Ländern mit insgesamt mindestens drei Sprachen ist die Großregion sicher ein privilegiertes Test- und Analysegebiet für Grenzraumforschung. Zahlreiche Unis und Institute forschen bereits dazu. Nun haben die in der UniGR-Vereinigung zusammengeschlossenen Universitäten TU Kaiserslautern, Lüttich, Lothringen, Luxemburg, des Saarlands und Trier beschlossen, ihre Forschungen in dem Bereich zu bündeln und das „Center for Border Studies“ aus der Taufe zu heben.

3,6 Millionen Euro mit INTERREG-Beteiligung

Das Projekt, das von 2018 bis 2020 läuft, mit zwei Millionen Euro aus dem europäischen INTERREG-Förderprogramm bezuschusst wird und zu dem die Unis 1,6 Millonen Euro beitragen, ist zum 1. Januar 2018 an den Start gegangen. Allerdings fand erst gestern die offizielle Startkonferenz des Projekts an der Uni Luxemburg statt.

Anderthalb Jahre wurde der INTERREG-Antrag vorbereitet, erklärte Christian Wille, „Senior Researcher in Cultural Border Studies“ an der Uni Luxemburg und wissenschaftlicher Koordinator des Projekts. Natürlich aber habe es schon länger Kontakte zwischen Grenzraumforschungsspezialisten in der Großregion und darüber hinaus gegeben. Seit 2014 sei ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut worden.

Das UniGR-CBS hat auch bereits Konferenzen veranstaltet, „Policy Papers“ verfasst und seit vergangenem Jahr gibt es ein Masterstudienprogramm für „Border Studies“ (siehe Rahmen).

80 Forscher aus 16 Disziplinen

Heute sind rund 80 Forscher und unterstützende Spezialisten aus 16 Disziplinen an dem weltweit einzigartigen Projekt beteiligt, das vorrangig dazu beitragen soll, dass die Grenzforscher der Großregion sich besser kennenlernen, wie Christian Wille sagt und gemeinsam „international sichtbare und anerkannte ‚Border Studies‘“ aufbauen. Die Arbeit im Zentrum soll zudem dazu beitragen, einfacher mehrsprachige und grenzüberschreitende Studiengänge einzuführen, aber auch die Vernetzung mit den sozio-ökonomischen Akteuren weiterzutreiben und Handlungsansätze für die Politik vorzuschlagen sowie ihr eine Expertise zur Verfügung zu stellen.

Die fünf Pfeiler

Das „Center for Border Studies“ beruht auf fünf Pfeilern: Forschung, Mobilität, Lehre, Gesellschaft und Raum. Schwerpunkte bei der Forschung sind vor allem der Aufbau einer Online-Datenbank mit etwa wissenschaftlichen Artikeln und kontextualisierten politischen Papieren, die Forschern helfen soll, diese Ressourcen besser und schneller zu nutzen. Auch die Erstellung eines Fachglossars über Konzepte in der Grenzraumforschung auf Deutsch, Französisch und Englisch ist in Planung.

Im Feld „Gesellschaft“ veranstaltet das Zentrum, das die Bürger stark mit einbinden will, in regelmäßigen Abständen Podiumsdiskussionen. Im Bereich „Raum“ arbeitet das CBS mit einem weiteren INTERREG-Projekt zusammen, das ein Raumentwicklungskonzept für die Großregion ausarbeiten soll.

Brücken schlagen

Mobilität bedeutet im Rahmen des Projekts nicht nur eines der spannendsten Forschungsbereiche, sondern auch die Förderung der Mobilität der Forscher, denen sich die Möglichkeit bietet, zwei Monate an einer Partneruniversität zu lehren. Es gibt auch zweitägige Seminare für Grenzraumforscher. Ein erstes fand im Juni in Pont-à-Mousson in Lothringen statt.

In puncto Lehre/Bildung sollen mehr grenzüberschreitende Aus- und Weiterbildungen entstehen. Um das zu fördern, soll auch eine pädagogische Online-Plattform entstehen, um „blended learning“ zu ermöglichen.

Foto: Editpress/Tania Feller - Lëtzebuerger Journal
Foto: Editpress/Tania Feller

Master in Border Studies

Drei Länder, vier Universitäten

Der Master in Border Studies ist ein gemeinsamer internationaler Studiengang über zwei Jahre, in dem die Komplexität wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Themen von Grenzen und Grenzregionen in Europa und der ganzen Welt behandelt werden. Das mehrsprachige Studienprogramm wird in drei Ländern an vier Universitäten unterrichtet: Universität Luxemburg, Universität Lorraine (Frankreich), Universität des Saarlandes (Deutschland) und Technische Universität Kaiserslautern (Deutschland). Die Unterrichtssprachen sind Deutsch, Französisch und Englisch. Der Master soll den Studierenden die wichtigsten Konzepte und Analysetools für ein besseres Verständnis der sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit Grenzregionen und einer transnationalen Zusammenarbeit vermitteln.  Sie haben die Wahl zwischen zwei Fachrichtungen: Raumwissenschaften (Geographie und Raumplanung) und Sprach- und Kulturwissenschaften (Kulturwissenschaft, Literatur, Linguistik, interkulturelle Kommunikation). „Im ersten Drittel des Semesters finden sie es anstrengend, wegen des Pendelns und wegen der unterschiedlichen universitären Systeme“, berichtet Christian Wille über die Erfahrungen der Studenten, „am Ende sind sie dankbar, dass sie diese Erfahrung machen durften“.

 Mehr dazu: tinyurl.com/BorderStudiesLu

ZWEITES FORUM DES „CENTER FOR BORDER STUDIES“

Bildung im Fokus am 7. November

„Realitäten und Visionen der grenzüberschreitenden Mobilität im Bildungsbereich“ ist das zweite Forum des „Center for Border Studies“ am 7. November um 16.00 im Haus der Großregion am Bahnhof in Esch-Alzette überschrieben.

Die grenzüberschreitende Mobilität stellt gleichermaßen Herausforderungen, aber auch Chancen für die Menschen in der Großregion dar. Vielfach bestehen auch im Bildungsbereich besondere Anforderungen für die Grenzgänger, etwa, wenn sie ihre Kinder in Einrichtungen im Nachbarstaat unterbringen, oder wenn sie als Schüler, Auszubildende oder Studierende ihre Ausbildung im Nachbarland absolvieren möchten. Das Forum bringt Akteure aus Universitäten, Wirtschaft und Verwaltung der Großregion zusammen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit der Mobilität im Bildungsbereich auseinandersetzen.

Anmeldung bis 2. November hier: forum.borderstudies.org. Die nächste Podiumsdiskussion ist für den 14. März 2019 geplant.
DIE UNIVERSITÄT DER GROSSREGION

Sechs Partner

Die Universität der Großregion ist ein Netzwerk bestehend aus sechs Universitäten (Kaiserslautern, Lüttich, Lothringen, Luxemburg, des Saarlandes und Trier), die im Grenzraum der Großregion liegen (Deutschland - Rheinland-Pfalz und Saarland, Belgien - die Wallonie, Französische und Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, Frankreich - Region Grand-Est - Lorraine, Luxemburg).

Die beteiligten Universitäten zählen mehr als 135.000 Studierende, rund 7.000 Doktoranden und über 10.000 Dozenten und Forscher.

Entstanden ist die UniGR dank einer Förderung der Europäischen Union im Rahmen des Programms Interreg IV A Großregion. Das Projekt „Universität der Großregion“ wurde im September 2008 bewilligt, begann am 15. Oktober 2008 und endete im April 2013.

An der Finanzierung waren neben der Europäischen Union die sechs Partneruniversitäten sowie die Bundesländer bzw. Regionen Saarland, Wallonien, Lothringen und Rheinland-Pfalz beteiligt.

Seit Abschluss der Projektlaufzeit werden die Aktivitäten der „Universität der Großregion“ in Form eines grenzüberschreitenden Universitätsverbunds mit eigener Rechtsform weitergeführt. Seit 2015 ist es ein Verein nach luxemburgischem Recht.

Mehr: uni-gr.eu
WAS SIND „BORDER STUDIES“?

Weit gefasst

Laut Christian Wille gibt es keine allgemeine Definition. Allerdings umfasst das Forschungsfeld auf jeden Fall vier Bereiche: Raumplanung, Kooperationen, das Alltagsleben insbesondere der Pendler und die Art und Weise, wie Grenzen in Sprache und Kultur thematisiert werden. Grenzen gehen natürlich auch über das Räumliche hinaus: zum Beispiel gibt es auch Grenzen zwischen Reich und Arm oder zwischen Ethnien, Kulturkreisen...