LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Prix d’Art Robert Schuman“ für Thibaud Schneider - Gruppenausstellung in Luxemburg

Seit 1991 bietet der Kunstpreis Robert Schuman dem zeitgenössischen Kunstschaffen innerhalb des grenzüberschreitenden Städtenetzwerks QuattroPole ein Schaufenster. Abwechselnd richten Luxemburg, Saarbrücken, Trier und Metz den Preis alle zwei Jahre aus. Jede Stadt beauftragt einen Kurator damit, vier Künstler einzuladen, die in eine Gruppenausstellung eingebunden werden. Anschließend ist es Aufgabe der Jury, unter den 16 Kunstschaffenden den Preisträger zu bestimmen. Ausrichter der 14. Auflage ist in diesem Jahr die Stadt Luxemburg, wo die Schau dann auch gestern Abend offiziell eröffnet wurde, dies gleich an zwei Ausstellungsorten: im Cercle Cité sowie im städtischen Kunstmuseum Villa Vauban.

Am gleichen Abend wurde dann auch im Beisein der beteiligten Künstler sowie zahlreicher Gäste aus Kultur und Politik der Name des Gewinners des „Prix d’Art Robert Schuman 2019“ gelüftet. Am meisten konnte Thibaud Schneider aus Metz die Jury mit seinen Beiträgen überzeugen. Eines seiner Werke ist im Cercle Cité zu sehen, weitere können in der Villa Vauban bestaunt werden.

Raum für Eigeninterpretation

Während der Pressebesichtigung am Morgen beschrieb der zuständige Kurator Marc Aufraise den Künstler als „Poeten, der künstlerisch mit einem Fuß im 19. und mit dem anderen im 21. Jahrhundert steht“. In der Tat wirken seine Installationen etwas wie aus der Zeit gefallen und erinnern an die klassische Malerei etwa eines Caravaggio. „Er versucht in seinen Werken, das künstlerische Erbe des Stils, den er bevorzugt, in zeitgenössische, aktuelle Formen zu bringen. Dazu arbeitet er viel mit Rohmaterial - Holz, Gips, Rahmen und so weiter -, zeigt indes in seinen raumeinnehmenden Konstruktionen eigentlich relativ wenig, um dem Betrachter genügend Raum für die eigene Vorstellungskraft zu lassen“, erklärte der französische Kurator.

„Mention spéciale“ für Luxemburger Künstlerin

Zwei Künstlerinnen wurden zudem mit einer „mention spéciale“ geehrt, darunter auch die Luxemburger Künstlerin Aline Bouvy, die im Cercle Cité und in der Villa Vauban multidisziplinäre Arbeiten präsentiert, denen „eine Kompromisslosigkeit und die Weigerung innewohnt, sich an diejenigen Systeme unserer Gesellschaft anzupassen, die darauf abzielen, unsere Sehnsüchte und Wünsche in eine vorgegebene Richtung zu lenken, um sie mit den Normen und Werten in Einklang zu bringen, die ebendieser Gesellschaft zugrunde liegen“. Als poetisch raffiniert und zugleich kritisch humorvoll kann man ihre Werke beschreiben.

Auffallend ist ohnehin, dass viele der teilnehmenden Künstler über ihre Werke Kritik üben, Missstände anprangern, uns demnach in gewisser Weise den Spiegel vorhalten. Das gilt auch für Anaïs Marion aus Metz, die ebenfalls eine besondere Auszeichnung der Jury erhielt. Sie konzentriert sich in ihren Arbeiten auf Konfliktzonen. „Sie reist dorthin, wo die Geschichte geschrieben wird“, erklärt Aufraise. Mit ihrer wandfüllenden Installation „Bagdad Ban“ im Cercle Cité protokolliert sie in gewisser Weise eine Reise, die sie mit dem Zug von Berlin nach Bagdad unternommen hat. Was ihre Technik anbelangt, so vermischt sie Fotografie, Video, Zeichnung, Schrift und performative Lesung. Während ihrer Reisen lässt sie sich von den Erzählungen leiten, die unser kollektives Gedächtnis prägen, bewegt sich zwischen den Ritualen der Touristen und der Tätigkeit von Archäologen, hinterfragt letztlich die Umwandlung von Kulturgut zu schlichten Waren.


Die beiden Ausstellungen im Rahmen des „Kunstpreis Robert Schuman“ sind ab heute im Cercle Cité sowie in der Villa Vauban für das Publikum geöffnet. Bis zum 19. Januar können sie besucht werden. Alle Infos unter www.cerclecite.lu und www.villavauban.lu