LUXEMBURG/KIRCHBERG
DANIEL OLY

Zusammen mit den Großen - die Universität Luxemburg forscht gemeinsam mit Ariane

Es geht um Raketenwissenschaften - wortwörtlich. An der Fakultät für Wissenschaft, Technologie und Kommunikation (FSTC) der Universität Luxemburg forschen Experten nach besseren Technologien und gesteigerter Effizienz. Jetzt kommt ein neues Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit einem führenden Unternehmen der Branche hinzu - und der Kooperationspartner könnte kaum größer sein. Die Ariane-Gruppe. Gemeinsam mit der Universität Luxemburg will das Unternehmen seine Raketenstufen verbessern.

Wichtige Weiterentwicklung

Dabei greift man auf Know-how zurück, das bereits stark an der Universität vertreten ist. „Wir haben ein gesundes Maß an Vorwissen im Bereich der Fluiddynamik“, erklärt Institutsleiter Prof. Dr. Stephan Leyer. Zudem sei die Universität sehr gut international vernetzt. Für Ariane sollen sie nun Test- und Laborergebnisse aus den Raketentests des Unternehmens gegenprüfen und mit Computermodellen hochrechnen, um den Testaufwand zu reduzieren. Die Raketengruppe will neue Antriebsmodelle testen. „Wir erfinden also für Ariane-Space das Rad nicht neu, sondern helfen dabei, es kontinuierlich weiter zu entwickeln.“ Konkret gehe es um die Hauptstufen der Raketen, deren Verbrauch und damit Kostenkalkulation verbessert werden soll.

Prof. Leyer’s Teamhat „ArianeGroup“ demnach im Lauf des vergangenen Jahres kontaktiert, um eine solche Zusammenarbeit vorzuschlagen. „Nach unserer Initiative haben wir dann im Oktober einen ersten konkreten Vorschlag für die mögliche Zusammenarbeit eingereicht“, erinnert sich der Postdoc-Forscher Edder Jose Rabadan Santana. „Es war natürlich nicht gerade einfach einen Angriffspunkt zu finden, bei dem wir helfen konnten“, erinnert er sich. „Aber wir haben hier eine sehr gute Grundlage gefunden; wir stellen mit unseren Computermodellen erste Vorhersagen an, wie die kryogenen Treibstoffe reagieren werden.“ Anhand dieser Vorhersagen führe die Ariane-Gruppe dann ihre Tests durch, die im weiteren Verlauf dann verfeinert und optimiert werden.

Für die Universität ist es ein wichtiger Schritt. „Wir sind noch nicht im Weltraum angelangt mit unserer Forschung“, weiß Leyer. „Unsere Erwartung ist, dass wir im Rahmen dieser Zusammenarbeit unser Know-How weiter ausbauen können.“ Außerdem kann sich die Universität durch die Kollaboration mit ArianeGroup ein gewisses Renommee erarbeiten. „Wenn die Experimente und das gesamte Unterfangen durch unseren Input ein Erfolg werden können, haben wir einen wichtigen Beitrag geleistet und können uns dann hoffentlich auf weitere Kooperationen freuen“, meint er. Entsprechend hoffe er auf ein gutes Resultat und mehr Kontakte in die (Weltraum-)Industrie. „Damit kriegen wir hoffentlich einen Fuß in die Tür.“

Die ersten wichtigen Schritte dafür sind in der Kollaboration mit ArianeGroup bereits gemacht. „Das Projekt läuft bereits, wir haben uns mit Ariane auf die Bedingungen einigen können und konnten deshalb bereits mit der Arbeit beginnen“, weiß Santana. Leyer stimmt zu: „Es war eine sehr positive Erfahrung bislang.“ Mehr verraten dürfen sie natürlich nicht - eine Verschwiegenheitsklausel verbietet jede Herausgabe interessanter Details.

Studentenbeteiligung könnte möglich werden

Für die Mühen sollen die Wissenschaftler natürlich auch entlohnt werden, von den anfallenden Kosten ganz zu schweigen. „Die ,Ariane‘-Gruppe übernimmt knapp 30 Prozent der Finanzierung des Forschungsprojektes“, erklärt Santana. Die übrigen 70 Prozent stammen aus dem nationalen Forschungsfonds FNR. Gut investiertes Geld, wenn die Universität dadurch weiter an internationalem Ansehen gewinnen kann. „Damit zeigen wir auch ein weiteres Mal, dass es sich lohnt, in uns und unsere Forschung zu investieren“, meint Leyer. Das Team - derzeit bestehend aus ihm und dem Postdoc-Forscher Santana - könne dementsprechend erweitert werden, falls Bedarf besteht. Die derzeitige Planung sieht das aber - noch - nicht vor. „Wir entwickeln derzeit die Modelle“, erklärt Santana. „Die ersten Simulationen könnten dann schon bald starten.“ Mit diesen Resultaten könne man dann die Modelle weiter anpassen, bevor in der zweiten Jahreshälfte schließlich die Tests beginnen könnten. Das ganze Projekt soll rund zwei Jahre laufen.

Ein weiteres Forschungsprojekt, das die Stärken der Universität und ihre Synergien mit der Industrie unterstreicht. Auch der „LuxCube“, ein Miniatur-Satelliten-Projekt, das vom Institut vor rund einem halben Jahr ins Leben gerufen wurde und einen neuen Erdtrabanten schaffen soll, an dem sich neues Know-How generieren lässt, ist hier zu nennen. „Die Kooperation mit der Ariane-Gruppe ist aber bislang noch nicht als Projekt angedacht, das von Studenten belegt werden kann“, meint Santana. Aber wer weiß: „Vielleicht könnten wir im weiteren Verlauf Studenten aufnehmen.“ Bei dem ursprünglich mit einem Studenten gestarteten „LuxCube“-Projekt arbeiten inzwischen übrigens mehr als 15 Studierende.

Mehr Informationen unter wwwen.uni.lu/fstc