LUXEMBURGPASCAL STEINWACHS

Parlament: Scharfe Kritik am PwC-Bericht zur gescheiterten Qatar-Beteiligung an Cargolux

Über 70 Fragen hatten DP und Grüne im November vergangenen Jahres im Zusammenhang mit der gescheiterten Beteiligung von Qatar Airways an der Cargolux an die Regierung gestellt. Daraufhin wurde die Consultingfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) mit einem entsprechenden Bericht beauftragt, der vergangene Woche vorgestellt und gestern Nachmittag im Rahmen einer Aktualitätsstunde im Parlament diskutiert wurde.

Vier Euro pro Buchstabe

Mit Ausnahme der CSV zeigten sich alle Parteien über den Bericht unzufrieden, zumal PwC in diesem Dossier selbst als Beraterfirma für die Regierung tätig gewesen sei und nun 200.000 Euro für einen gerade einmal 20 Seiten umfassenden Bericht bekommen hat, den der grüne Fraktionschef gestern als reinen Gefälligkeitsbericht bezeichnete. François Bausch fühlte sich zuweilen dann auch an „Grimms Märchenstunde“ erinnert, lasse der Bericht doch alle wichtigen Fragen unbeantwortet. Der Vertreter der DP, Fernand Etgen, sprach dann auch von einem Auditor, der in diesem Falle überhaupt kein Audit gemacht habe und dafür auch noch „10.000 Euro pro Seite bzw. vier Euro pro Buchstabe“ bekommen habe. adr-Duochef Gast Gibéryen nannte den Bericht einen „Persilschein“, derweil Serge Urbany (déi lénk) monierte, vorliegender Bericht mache deutlich, dass die Regierung das Parlament immer noch nicht ernst nehme.

Nicht weniger verärgert zeigte sich allerdings auch LSAP-Fraktionschef Lucien Lux, der feststellte, dass der PwC-Bericht zwar zur Schlussfolgerung komme, dass es in diesem Dossier zu keinem Moment zu Fehlern gekommen sei, der Deal mit Qatar Airways aber seinerzeit „mit 180 km/h an die Wand gefahren wurde“. Die LSAP bleibe dabei, dass der Frieden-Deal vom Februar 2011 nicht gut vorbereitet war, so Lux, und hieran ändere auch der vorliegende Bericht nichts.

Entscheidungen treffen statt Museen besuchen

Finanzminister Luc Frieden (CSV) zeigt sich seinerseits immer noch überzeugt, dass der Cargolux/Qatar-Deal „im Interesse des Landes und der Cargolux“ gewesen sei, sei es doch nun einmal die Aufgabe eines Ministers, auch Entscheidungen zu treffen. Er hätte damals genausogut einfach nur Museen besuchen können, wie Frieden wütend hinzufügte. Im übrigen könne man im Parlament noch zehnmal über dieses Dossier diskutieren, was aber auch nicht dazu beitrage, einen neuen Partner zu finden. Und dass die Cargolux immer noch keinen neuen Partner gefunden hat, das bestätigte gestern Nachhaltigkeitsminister Claude Wiseler (CSV).

Die nicht beantworten Fragen sollen nun übrigens doch noch beantwortet werden - und dies sogar, ohne dass dafür nochmals 200.000 Euro gezahlt werden muss: Die betroffenen Minister sollen einfach schriftlich Stellung beziehen.