LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Fentingen: Jäger soll für „verirrte Kugel“ 5.000 Euro Geldstrafe zahlen

Seit Dienstag steht ein 52-jähriger Jäger wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht. In der zweiten Hauptverhandlung äußerte sich der Ballistiker. Die Frage war: Wie kann eine Kugel, die auf ein 50 Meter entferntes Wildschwein abgefeuert wurde, plötzlich eine gewisse Richtung einnehmen und 569 Meter weiter einen Menschen treffen?

Die Geschwindigkeit der Kugel betrug 564 Meter pro Sekunde. Dass die Frau durch einen direkten Schuss getroffen wurde, sei nicht möglich, sagte der Experte. Was aber den Staatsanwalt auf den Plan rief. Auch wenn die Frau nicht direkt getroffen wurde, hätte eine extrem gefährliche Situation für andere Menschen bestanden, die sich zum gegebenen Zeitpunkt in der Gegend aufhielten. Für den Experten bleibt nur die Möglichkeit einer abgelenkten Kugel. Die Kugel wurde durch den sandigen Boden abgebremst und abgelenkt. Mit großer Wahrscheinlichkeit war die Kugel auch instabil, berichtete der Experte.

Am Mittwoch äußerte sich der angeklagte Jäger zum ersten Mal selbst zum Tathergang. „Es tut mir wahnsinnig leid. Wenn ich könnte, würde ich alles gerne rückgängig machen.“ Er entschuldigte sich beim Opfer.

Der Angeklagte gab an, sich nicht erklären zu können, warum der Schuss in die Richtung ging und wie es zu dem Unfall gekommen sei. In der Vernehmung blieb der Angeklagte bei seiner Haltung, dass es sich nicht um seine Kugel handeln würde. Das rief wieder den Vertreter der Staatsanwaltschaft auf den Plan: „Sie wollen einfach nicht wahrhaben, dass es Ihre Kugel war.“

Danach wurden die Plädoyers der Nebenklage und Verteidigung vorgetragen. In der Nebenklage beantragte die Anwältin 19.016 Euro.

Mit Vorsicht hatte die Verteidigung ihr Plädoyer eröffnet. Obwohl kein Vorsatz vorliege, sondern von Fahrlässigkeit auszugehen sei, müsse an diese Tat doch anders herangegangen werden, als an eine fahrlässige Tötung im Straßenverkehr, sagte Verteidiger Lentz. Der Anwalt ging auch auf die Unfallverhütungsvorschriften des Jagdgesetzes ein, die besagen, „dass sich ein Jäger erst vergewissern muss, dass keine Gefährdung von Personen gegeben ist.“ Er ließ den Fall noch einmal Revue passieren und forderte Freispruch für den 52-Jährigen Jäger aus Howald. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Laurent Seck reihte Puzzleteil für Puzzleteil in seiner Beweisführung aneinander. Seck schloss sich einer akribischen Indizienkette an, die er mit Aussagen vor allem der Zeugen untermauerte. Außerdem, so führte der Ankläger weiter aus, „ist es für mich absolut unverständlich, warum der Angeklagte dort, wo Menschen unterwegs sind, auf die Jagd geht.“ Der Gerichtsmediziner und die Polizisten seien in allen Details übereinstimmend zum gleichen Ergebnis gekommen, sagte Seck. So stand für die Staatsanwaltschaft zur Überzeugung fest, dass der Angeklagte bei einer Jagd seine Sorgfaltspflicht verletzt hatte. Er habe am 24. September 2016 in das Maisfeld geschossen, ohne das Wildschwein getroffen zu haben. Dabei traf die abgefeuerte Kugel den rechten Unterkiefer der Frau.

In seinem Plädoyer, das mit der Forderung nach einer Geldstrafe von 5.000 Euro und einem Jagdverbot von fünf Jahren endete, ging der Vertreter der Staatsanwaltschaft von einer „groben Fahrlässigkeit“ aus.

Das Urteil wird am 4. April gesprochen.