LUXEMBURG
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Fernsehtechnik bewegt sich immer mehr auf die Superlative zu

Größer, weiter, breiter und höher aufgelöst: Der Trend moderner Fernsehdisplays ist nicht sehr komplex. So hat sich das UltraHD-Package noch nicht ganz auf dem Markt mit 4K etabliert, schon scharren die Hersteller bei 8K mit den Hufen. 4K ist in sehr schneller Zeit erschwinglich geworden, 8K jetzt das neue Superlativ.

Damit der Kunde überhaupt etwas davon hat, geht ein weiterer Trend Hand in Hand mit der höheren Auflösung: Fernseher mit bis zu 90 Zoll Bilddiagonale sind kein absolutes Showroom-Modell mehr, sondern finden tatsächlich Abnehmer. Dabei wird auch Stil immer wichtiger, wie Hersteller wie LG mit seinem ausrollbaren Display oder Samsung mit dem „The Frame“, einem Fernseher im Bilderrahmen-Format, unter Beweis stellen.

Gar nicht mehr Trendy sind hingegen andere Technologien und Design-Merkmale, die noch in den vergangenen Jahren als große Zukunftstechnologie gehandelt wurden: Fernseher mit 3D-Brille sucht man im nagelneuen Segment der meisten Hersteller vergebens, gekrümmte Bildschirme sind ebenso selten geworden.

Hallo, Fernseher? Moderne TV-Modelle werden zum smarten Zentrum

Ein weiterer Trend, auf den sich moderne Fernseher im Sauseschritt zubewegen, ist die volle Integration in das smarte Zuhause. Die gute alte „Glotze“ lässt sich so immer öfter direkt per Sprachsteuerung bedienen - mit dem Fernseher zu sprechen, weil die Fernbedienung abhanden gekommen ist, ist also kein Problem mehr.

Auch die Möglichkeit zum Direkt-Streaming von Inhalten vom Smartphone und Tablet oder sogar vom Notebook auf den Bildschirm ist inzwischen kinderleicht geworden. Einen Internetzugang hat inzwischen praktisch jedes neue Modell - und dank eingebauter Kameras eignen sich verschiedene Fernseher sogar zur Videotelefonie mit Freunden. Der Trend geht zudem hin zum sozialen Fernsehen: Dazu legen Anbieter wie getglue oder miso Zuschauer mit ihren Freunden zusammen und ermöglichen das Chatten, während man „gemeinsam“ dieselbe Sendung oder denselben Film schaut. „Social TV“ nennt sich das.

Fernsehshows könnten in Zukunft auch verstärkt die Interaktion der aktiven Zuschauer erlauben - so könnte man über den Storyverlauf abstimmen oder direkt seine Meinung sagen, alles mit einem Klick auf der Steuerung.

Daneben geben smarte TV-Funktionen Einblicke in bestimmte, maßgeschneiderte Inhalte. Wer die Börse verfolgen möchte, hat zum Beispiel eine App dafür. Und Musik hören geht auch immer einfacher, dafür kooperierten jüngst selbst die sonst so verfeindeten Kontrahenten Samsung und Apple.

Es geht immer besser | Eine Zukunftstechnologie heißt „MicroLED“ - ist aber nicht marktreif

Derzeit sorgen OLED-Displays noch immer für Furore: Satte Farben, unendlicher Kontrast, Schwarz ist wirklich Schwarz - die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Probleme gibt es aber wie bei jeder Technik: Lebensdauer und Leuchtkraft sind nicht ganz so dufte.

Das soll eine neue Technik besser machen: Die Hersteller nennen es „MicroLED“. Bei dieser Technologie sollen mehrere winzige Leuchtdioden jeweils einzelne Pixel bilden. Zum Vergleich: Bei klassischen Flüssigkristalldisplays werden die Kristalle lediglich von LEDs angestrahlt. Einer der Vorteile liegt in der Modularität der Micro-Leuchten: Sie lassen sich in ungewöhnliche Formate quetschen, der Hersteller Samsung staucht sie etwa in kleine Fotorahmen oder schmale Kolonnen. Möglich wäre auch, dass sich ein Fernseher damit künftig „erweitern“ ließe - einfach neue Module angehängt, schon wird das Bild breiter oder größer. Um zu zeigen, dass das möglich ist, hatte Samsung etwa seine Technologie auf wahnwitzige 292 Zoll gestreckt - das wären mehr als 6 Meter Bilddiagonale.

Klingt toll? Schließlich haben quasi alle großen Hersteller solche Technologien in Petto. Die Marktforscher von IHS Markit gaben jüngst einen kleinen Dämpfer: „MicroLED“ sind noch längst nicht marktreif, die Produktionskapazität viel zu gering. Erst in rund fünf Jahren wäre mit einer Serienreife für den Massenmarkt zu rechnen. Schade.

Satt und lebendig | Mehr Farben und tieferes Schwarz durch HDR und OLED

Wenn man sich die Features eines neuen Fernsehgeräts durchliest, sollte eines nicht fehlen: HDR. Die drei Buchstaben „High Dynamic Range“, einer Technologie, bei der 10-Bit-Bilder statt den üblichen 8-Bit-Bildern zum Einsatz kommen. Das bedeutet, dass nicht nur das Spektrum an Farben sich deutlich verbreitert, sondern auch dass der Kontrast sich verbessert. Der Dynamikbereich zwischen Hell und Dunkel ist somit ebenfalls größer. Hersteller haben jedoch verschiedene HDR-Standarts entwickelt, die zu Verwirrung führn können. HDR10+ etwa kommt von Samsung, Dolby Vision von Dolby Labs und HLG ist ein Gemeinschaftsstandard von TV-Sendern. Welcher Standard sich durchsetzen wird, ist noch nicht abzusehen.

Damit HDR aber auch zur Geltung kommt, sollte man auf ein Gerät mit OLED setzen. Hierbei wird ein Display mit organischen Leuchtdioden verwendet, die selber leuchten. Eine dedizierte Hintergrundbeleuchtung, wie man sie von den meisten Monitoren oder Fernsehern kennt, ist nicht mehr nötig. Das kommt vor allem dem Schwarzwert zugute. Denn wenn ein Teil des Bildes ganz dunkel ist, sind die Dioden aus. Nachteil von OLED-Geräten ist das Risiko des Einbrennens. Das kann bei einer einseitigen Dauerbenutzung passieren. Wenn also über mehrere Stunden ein Logo, eine Anzeige oder andere Elemente eingeblendet sind, wie zum Beispiel bei Fußballspielen oder Nachrichtensendungen. Diese Elemente können im Falle des Einbrennens als dunkle Schatten im Bild zu erkennen sein. Dies kommt bei aktuellen Geräten jedoch meist nur bei extrem einseitiger Nutzung vor.

Auf den Inhalt kommt es an - Auflösung ist nicht alles

Das Fernsehgerät sollte idealerweise außerdem eine 4K- beziehungsweise UHD-Auflösung haben, besonders wenn die Diagonale 32 Zoll überschreitet. Displays mit einer Auflösung von 8K werden zwar in den kommenden Monaten und Jahren immer stärker auf den Markt drängen. In Kombination mit HDR und OLED ergeben sich bei einer Auflösung ab 4K scharfe und farbenprächtige Bilder mit einem tiefen Schwarzwert, die für ein besonderes Fernsehvergnügen sorgen.

Allerdings gibt es bislang noch kaum 8K-Content zur Nutzung auf solchen Geräten. Selbst 4K-Content ist verhältnismäßig noch zu wenig verfügbar. Ätzend: Obwohl Hersteller inzwischen schon mit den 8K-Displays hausieren gehen, gibt es auch 2019 noch immer nicht genügend Inhalte, um die hochaufgelösten Bilddiagonalen zu füllen.

Moderne Spielekonsolen geben maximal 4K aus, also 3.840 mal 2.160 Pixel. Computer können - das richtige Kabel vorausgesetzt - etwas mehr.

Im schlimmsten Fall zerrt man so ein 720 Pixel hohes Bild auf 4.320 Pixel herauf, das Seitenverhältnis wird natürlich auch nicht besser. Heraus kommt dann meistens Matsch, weil die Auflösung die „Löcher“ irgendwie rund rechnen muss. Deshalb sollte man auch wirklich nur den Schirm kaufen, den man wirklich benötigt - und für den man Inhalte hat.