LUXEMBURG
CB

„Weltklima- und Sicherheitsbericht“ wurde gestern in Luxemburg - und heute auf der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt

Die Auswirkungen des Klimawandels drohen bestehende Krisen zu verschärfen und neue Spannungen und Konflikte auszulösen. Der Klimawandel ist somit auch ein sicherheitspolitischer Faktor. „Ich bin davon überzeugt, dass der Klimawandel die größte Herausforderung dieses Jahrhunderts ist“, sagte gestern der ehemalige niederländische Befehlshaber und Vorsitzender des „International Military Council on Climate and Security“ (IMCCS), Tom Middendorp. Vor der Vorstellung am heutigen Samstag auf der Münchner Sicherheitskonnferenz stellte Middendorp gestern den „World Climate and Security Report 2020“ vor, der zusammen mit verschiedenen internationalen Forschungszentren erstellt wurde. Er verwies unter anderem auf die vom „World Economic Forum“ definierten größten Risiken der nächsten zehn Jahre, zu denen unter anderem extreme Wetterbedingungen oder scheiternde Klimaschutzanstrengungen gehören, um zu beweisen, dass das Bewusstsein für dieses Sicherheitsrisiko wächst - auch im Militär.

Zugang zu Wasser eine der größten Herausforderungen

Ausgangslage ist für das Netzwerk eine weiter wachsende Weltbevölkerung auf bis zu elf Milliarden bis Ende des Jahrhunderts, ein über die vergangenen Jahre gewachsener Ressourcenhunger des Planeten, der sich im immer früheren „World Overshoot Day“ widerspiegelt und ein Klimawandel, dessen Auswirkungen die Probleme anfacht. „Den Zugang zu Wasser sehen die meisten Experten als größtes Problem der nächsten Jahrzehnte“, sagt der General. Nicht nur innerhalb von Staaten, sondern auch zwischen Ländern, durch die beispielsweise ein Fluss verläuft.

Doch andere Konsequenzen sind ebenfalls denkbar wie eine direkte Bedrohung von Infrastrukturen, durch Überschwemmungen oder Stürme. Neue geopolitische Konflikte können dadurch entstehen, dass Staaten immer stärker auf erneuerbare Energieformen setzen und sich von Öl- und Gas-Staaten abwenden, für die der Export fossiler Brennstoffe die erste Einnahmequelle ist. Middendorp sieht angesichts dieser Herausforderungen neue Aufgaben auf das Militär zukommen. Generell plädierte er dafür, bei allen Entscheidungen die Klimapolitik mitzuberücksichtigen („climate proofing“).

Für den Minister für innere Sicherheit François Bausch (déi gréng) ist das Zusammenwirken von Klimawandel und Sicherheitspolitik ein Thema von höchster Priorität. Er hoffe, dass der Bericht auf der Münchner Sicherheitskonferenz dazu beitragen werde, „verschiedene Leute aufzuwecken“. Bausch wies auch auf die sekundären Folgen von verschärften Krisen oder neuen Konflikten hin. Es bestehe das Risiko, dass Millionen Menschen die Flucht Richtung Europa antreten. Dabei habe man bereits in den vergangenen Jahren erleben können, welche Spannungen die Ankunft von vergleichsweise wenigen Geflüchteten in Europa ausgelöst habe. Eine Migrationsbewegung in dieser Größenordnung könne unmöglich bewältigt werden.

Der IMCCS ist ein Netzwerk von Militär- und Sicherheitsexperten in 32 Staaten. Obwohl das Netzwerk erst vergangenes Jahr losgelegt habe, wachse es ständig. Vier Forschungsinstitute sind ebenfalls direkt beteiligt. Kontakte zu zwölf anderen bestehen.