LUXEMBURG
INGO ZWANK

Deutsche Botschaft lud luxemburgische Jugendliche zur Bundestagswahl-Diskussion ein

Wie laufen die Wahlen bei dem deutschen Nachbarn am kommenden Sonntag? Wie könnte eine neue Regierung in Deutschland aussehen? Stehen die Zeichen wieder auf „GroKo“, auf eine Große Koalition von CDU und SPD? Gibt es Auswirkungen für Europa? Zusammen mit 40 politisch interessierten Jugendlichen aus dem Großherzogtum diskutierte der deutsche Politiker Ruprecht Polenz über Europa und auch die deutschen Bundestagswahlen. Der deutsche Botschafter in Luxemburg Heinrich Kreft hatte zu diesem Wahl-Infoabend in seine Residenz eingeladen.

Interesse am Nachbarn

Claudine Michels (27 Jahre) und Sven Bettendorf (29) waren zwei der geladenen Gäste. Beide sind bei den Luxemburger Jungen Liberalen, der JDL, aktiv. „Ich interessierte mich natürlich generell für Politik“, sagte Michels im Vorfeld des Vortrags. „Auch was im Ausland passiert, verfolgte ich natürlich, so auch in Deutschland und natürlich die anstehenden Wahlen.“ Was dieses Ereignis angeht, so hofft Michels darauf, dass die etablierten Parteien wie CDU, SPD oder auch FDP das Rennen beim Luxemburger Nachbarn machen werden. „Denn Trumps haben wir eigentlich bereits genug, eine Alternative für Deutschland braucht man wirklich nicht.“ Daher sei es eine passende Gelegenheit, sich von einem Mann wie Ruprecht Polenz „aus erster Hand“ einmal einen Einblick in die deutsche Parteienlandschaft geben zu lassen, wie Bettendorf ausführte.

Polenz, der von 1994 bis 2013 für die CDU Mitglied des Deutschen Bundestages war und aktuell Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde ist, sagte zu den Jugendlichen einleitend seines Vortrages: „Für mich ist es eigentlich normal, dass man sich für Wahlen bei den Nachbarn interessiert“, man lebe schließlich in einem gemeinsamen Europa.

Bauen auf die Angst der Bürger

Polenz versuchte eine nüchterne Analyse der aktuellen Situation und prognostizierte: An der CDU werde man wohl nicht vorbeikommen. „Merkel bleibt sicherlich nach den aktuellen Umfragen Kanzlerin.“ Auch werde die FDP wieder in den Bundestag einziehen; „ebenso wie die AfD“ - leider. Was die AfD nun anbelangte, so beschrieb Polenz den Jugendlichen diese Partei als „rechtsradikal, auch wenn einige deutsche Medien dies immer noch nicht entsprechend erkannt haben.“ Weniger Aufmerksamkeit wäre hier richtig und wünschenswert, analysierte Polenz.

„War der Wahlkampf langweilig? Sicherlich langweiliger als in anderen Ländern. Gegenüber Frankreich muss man aber sagen, wir waren eine Stichwahl vor dem Ende Europas entfernt“, sagte Polenz im Hinblick auf Le Pen. Und: „Die Wahlen in Deutschland werden nicht so laufen, dass man deswegen schlaflose Nächte haben müsste.“ Dass solche Entscheidungen immer von einem entsprechenden Gesellschaftsgefühl geprägt seien, brachte Polenz mit dem aktuellen Beispiel der Zuwanderung auf den Punkt. „So hat
auch Trump seine Wahl gewonnen.“ Polenz resümierte, dass Deutschland sicherlich auch nach den Wahlen die „ruhige Mitte Europas“ bleiben werde.

Jugendliche waren begeistert

Claudine Michels sprach nach der Debatte von einem „interessanteren Wahlkampfabend hier in der Residenz als in Deutschland, auch wenn man festhalten muss, dass Herr Polenz seine Ansichten sehr neutral und nicht zu CDU-lastig rübergebracht hat.“ Die Problematik mit der deutschen AfD sah Michels in Luxemburg vergleichsweise mit der adr. „Denn die spielt auch nur mit den Ängsten der Bürger.“

Die Ansichten zu den Parteien „und ihren Einstellungen und Ausrichtungen, die nicht mehr ganz traditionell wie früher sind“, fand Bettendorf sehr aufschlussreich. Der Erzieher in einem Internat freute sich darauf, mit den Kindern am nächsten Tag über die Veranstaltung zu sprechen.

Christophe Anthon (29 Jahre) aus Bettemburg war zusammen mit Pino Scalise (27, Differdingen) und Tom Kerschenmeyer (29, Mamer) sowie drei weiteren Mitgliedern der CSJ der Einladung von Botschafter Kreft gefolgt. Alle drei treten in diesem Jahr bei den Kommunalwahlen an- und waren von dem Abend begeistert. „Es war sehr interessant, die Ansichten und Ideen aus der Sicht eines erfahrenen, wenn auch nicht mehr so aktiven Politikers zu hören“, sagte Anthon. Interessant fanden die drei besonders die Ansicht und Ausführungen von Polenz im Umgang mit der AfD. „Es war schön, zu hören, dass auch er der Ansicht ist, dass wir doch die Euro-Skeptiker im Griff haben“, ergänzte Scalise. „Mir gefiel, wo aus einer erfahrenen Sicht die Baustellen in unserem Europa sind“, ergänzte Kerschenmeyer.