LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Baubeginn für den ersten Bauabschnitt von „Elmen“ - Urbanes Leben, statt Schlafstadt

Dieses Wohnungsbauvorhaben ist außerhalb der Hauptstadt nicht unbedingt das Größte, denn „Wunnen mat der Wolz“ in Wiltz und das Baugebiet „Al Schmelz“ in Düdelingen werden deutlich größer sein. Allerdings nimmt „Elmen“ in der Gemeinde Kehlen eine Sonderstellung ein. Die aus drei „Dörfern“ bestehende neue Siedlung, ist das größte Wohnungsbauprojekt im ländlichen Raum. Wenn die geplanten 850 Wohnungen - Ein- und Mehrfamilienhäuser -, die in drei Bauabschnitten entstehen, einmal fertig sind, wird die derzeitige Bevölkerung von Kehlen von 6.000 auf mehr als 8.000 Bürger klettern.

Nach über zehnjähriger Vorbereitung und der Überwindung von Widerständen in den Nachbargemeinden hat die Gemeinde Kehlen einstimmig grünes Licht für die Baugenehmigung gegeben. Die ersten Terrassierungsarbeiten für das erste „Dorf“, von insgesamt dreien, die „Elmen“ bilden werden, haben in diesen Tagen begonnen. Bei den Planern der „Sociéte Nationale des Habitations à Bon Marché“ (SNHBM) legte man von Anfang an Wert darauf, keine weitere Schlafstadt zu bauen, sondern lebendige Orte mit einem städtebaulich geplanten zentralen Platz mit Aufgaben für alle zu schaffen.

Wohnungsbauminister Marc Hansen (DP) nannte es das ambitionierteste Wohnungsbauprojekt, das ein öffentlicher Bauträger bisher in Luxemburg angegangen ist. Unter dem Kunstnamen „Elmen“ - abgeleitet von der ursprünglichen Bedeutung des Ortsnamen Olm, nämlich Ulmen - baut die SNHBM in Kehlen 400 Häuser und 400 Wohnungen auf einer Gesamtfläche von 27 Hektar, die komplett im Eigentum der Wohnungsbaugesellschaft ist. Die Einfamilienhäuser werden als Holzhäuser errichtet werden. 25 Prozent der Objekte gehen in die Vermietung, der Rest wird an Wohnungsbauprämienberechtigte verkauft werden. Wobei „Kauf“ in diesem Fall Erwerb via Erbpacht auf 99 Jahre ist. Die SNHBM will jede Art von Spekulation unterbinden und sichert sich ein vorrangiges Rückkaufrecht. Bürger der Gemeinden Kehlen und Koerich werden bei der Vergabe der Häuser vorrangig berücksichtigt werden. Damit die Menschen keine Katze im Sack kaufen müssen, werden zunächst neun Musterhäuser gebaut, wo Interessenten ihre Wahl treffen können. Die neun Haustypen werden allerdings nach einem schon feststehenden Plan errichtet, der Käufer muss sich entweder nach Haustyp oder nach Standort entscheiden.

Ort mit urbaner Mitte

Die Wohngebiete sollen gut gemischt und mit allen nötigen sozialen und kulturellen Einrichtungen ausgestattet werden und im Kern autofrei sein. Die Wagen der Bewohner müssen in Parkhäusern am Rand der Viertel unterkommen. Nicht nur die Größe des Projektes ist ungewöhnlich, sondern auch der Anspruch, der dahinter steht. Die SNHBM will ganz neue Wege gehen, nicht nur in Sachen Parken, sondern auch bei Konzeption der Häuser - so gibt es aufgrund des hohen Isolierungsstandards der Häuser nur Elektroheizungen - und vor allem der öffentlichen Einrichtungen. Dabei soll das menschliche Maß nicht aus dem Auge gelassen werden - höher als drei Stockwerke wird kein Gebäude werden und die Mehrfamilienhäuser nehmen zwischen drei und acht Parteien auf. Außerdem will man Bauschutt vermeiden und nur vier Prozent der Häuser unterkellern.

Es wird unter anderem, eine Schule - eine Außenstelle der Zentralschule Kehlen -, eine Kindertagesstätte, einen Supermarkt und ein Gemeinschaftshaus geben. Die Schule und die ersten Wohnungen will man bis 2020 fertiggestellt haben.