CONTERN
CORDELIA CHATON

Modularbau, nachwachsende Rohstoffe und Klimaschutz: Das Thema Beton hat viele Facetten

Robert Dennewald kennt sich mit Beton bestens aus, schließlich ist er Präsident von Contern S.A., vormals Eurobeton in der gleichnamigen Stadt. Uns hat er Grundsätzliches zum Beton erklärt.

Herr Dennewald, was ist Beton?

Robert Dennewald Ein nicht wiederauflösbares Gemisch aus Kies, Sand, Zement, Wasser und etwas Chemie. Je weniger Wasser zugesetzt wird, desto besser. Das ist zwar bei der Verarbeitung hilfreich, aber führt möglicherweise zu Hohlräumen, die der Festigkeit abträglich sind. Es gibt neuerdings auch selbstverdichtende Betons, bei denen die Körnung so gewählt ist, dass man wenig Wasser braucht und sie eine honigähnliche Substanz haben. Er füllt die Lücken sehr gut und härtet glatt aus. In den vergangenen zehn Jahren gab es viele Entwicklungen, die zum Teil regional auch sehr unterschiedlich waren. Das betrifft insbesondere die Zuschlagstoffe. In Japan ist man mit der Entwicklung von Beton schon sehr weit.

Welche bauphysikalischen Vorteile hat Beton?

Dennewald Er ist widerstandsfähig, feuerfest, preiswert und immer wetterbeständiger. Außerdem verzeichnet er dämmende Eigenschaften im Akustikbereich. Der Nachteil liegt darin, dass er bei Zug wenig beanspruchbar ist, weshalb Beton häufig mit einer Stahlarmierung verbaut wird. Neben dem mineralischen Beton gibt es auch Beton für den Straßenbau, auf den ich hier aber nicht eingehen will.

Ist Beton ein Trendbaustoff?

Dennewald Ja, allerdings. Viele Architekten bevorzugen Beton und mittlerweile gibt es sogar ein breites Angebot an Möbeln aus Beton. Es gibt neuerdings sogar lichtdurchlässigen Beton, bei dem Glasfasern eingegossen werden.

Welche Anforderungen muss Beton im Hinblick auf Circular Economy, Rückbaubarkeit und Isolation haben?

Dennewald Unser Metier steht vor großen Herausforderungen. Die Rohstoffe müssen herbeigeschafft werden. Wir brauchen in meinem Unternehmen rund 300.000 Tonnen pro Jahr nur an Zuschlagstoffen, die fast alle aus dem Ausland kommen. In Luxemburg darf man keinen neuen Steinbruch eröffnen. Wir müssen also Zuschlagstoffe importieren. Das ist der drittgrößte Kostenfaktor. Wir befürchten deren Verknappung. Dadurch erhält das Recycling eine ganz andere Dimension.

Wie sieht es aus mit nachwachsenden Rohstoffen im Beton?

Dennewald Wir stellen Steine her, in denen wir Hanf und Elefantengras verarbeiten. Das sind zwei getrennte Projekte. Doch nachwachsende Rohstoffe zu verarbeiten ist leichter gesagt als getan. Wir arbeiten eng mit der Universität Luxemburg zusammen, wo heute Frau Prof. Waldmann lehrt und forscht, die zuvor bei uns hier im Labor gearbeitet hat. Wir haben ihr Labor an der Universität mit eingerichtet und empfinden die Zusammenarbeit als Segen. Deshalb sponsern wir sie auch, unter anderem haben wir ein Gerät zur Messung der Wärmedämmung bezahlt. Mit dem LIST arbeiten wir ebenfalls zusammen. Wir versuchen, Neues mit Rohstoffen wie Lehm zu schaffen. In Luxemburg gibt es sehr viel Lehm und der landet bislang auf der Halde. Es wäre sehr gut, wenn wir damit etwas anfangen könnten. Darüber hinaus haben wir einen Flüchtling aus Syrien, einen Ingenieur, der hier bei uns vor Ort forscht.

Beton gilt als kalt. Wie sieht es mit dem Thema Wärmedämmung aus?

Dennewald Das ist eine große Herausforderung. Ich habe das Gefühl, dass dort einiges zu schnell ging. Das zeigt sich an den hohen Auflagen, die früh kamen und Passivhäuser, Nullenergiehäuser oder Positivenergiehäuser definierten. Die technischen Lösungen, die das erreichen, sind nicht ausgereift. Da wird beispielsweise Styropor auf die Betonfassade geklebt. Das ist alles andere als umweltfreundlich und schlecht fürs Wohnklima, weil das Gebäude nicht „atmen“ kann. Viele dieser Häuser sind so stark gedämmt, dass sie eine künstliche Luftzirkulation benötigen, die wiederum oft gewartet werden muss, um effizient arbeiten zu können und um jede Keimbildung zu vermeiden. Im Moment ist es sehr heiß und die Leute bekommen die Hitze aus ihren Häusern gar nicht heraus. Deshalb bauen viele heimlich Klimaanlagen ein. Das ist nicht im Sinne der Auflagen. Die Lösung läge darin, einen realistischen Schritt zurück zu machen und über andere Baustoffe nachzudenken. Eine weitere Möglichkeit wären Blöcke aus Hochleistungsbeton, der weniger Platz verbraucht. Davor könnte man Hanf-Kalksteine zur Isolation setzten. Meine Anregung ist: Über die Gesetze nachdenken. Die Bauvorschriften könnten wegen der notwendigen Dicke von Isolation so verändert werden, das alles, was Isolation betrifft, nicht als Bauland gerechnet wird, damit die Leute einen Anreiz haben, kreativ zu sein. Aber dafür braucht man einen politischen Willen. Das Thema ist kompliziert. Meiner Einschätzung nach werden wir in zwanzig Jahren viele Null-Energiehäuser abreißen, weil sie verschimmelt sind. Schon jetzt sieht man Algen an bestimmten Gebäuden. Niemand prüft, ob die Bau-Auflagen auch wirklich eingehalten werden. Da wird viel Schmu betrieben.

Lässt sich Beton ohne Mörtel verbauen?

Dennewald Wir denken auch darüber nach und führen ein Projekt mit der Universität dazu durch. Dabei konnten wir feststellen, dass es ein sehr kompliziertes Thema ist. Aber es kommt, ebenso wie technische Lösungen. Doch bei der statischen Bemessung muss sich noch etwas tun. Zurzeit würden Statiker es vermutlich nicht akzeptieren, weil der Standard anders ist. In den nächsten Jahren rechne ich jedoch mit einem Erfolg. Ich denke, mit dem Modularbau kommen wir weiter als mit dem Drucken ganzer Häuser in 3-D-Printern. In Australien gibt es übrigens einen Roboter, der ganze Gebäude komplett zusammenbaut, mit Hilfe von einer geringen Anzahl von Standardsteinen. Da liegt ein großes Potenzial.

Bedingt das auch andere Steine?

Dennewald Die Art und Weise, wie wir gebaut haben, war in den vergangenen 50 Jahren immer die gleiche. Da brauchen wir eine Entwicklung. Vor 20 Jahren haben wir ein Produkt auf den Markt gebracht, dass nicht mit Mörtel, sondern mit Kleber verlegt wurde. Die Steine wurden aber im Werk zugeschnitten und nicht auf der Baustelle. Das Projekt, das uns teuer zu stehen kam, fand in der Praxis aus dem Grund kaum Anwendung, dass die Unternehmen nicht dafür ausgerichtet waren. Das war eigentlich schade, denn wir hätten den Anteil der Arbeitskräfte auf der Baustelle wesentlich reduzieren können. Es gibt nichts Konservativeres als die Baubranche.

Mittlerweile gibt es nicht nur Steine, sondern auch jede Menge Möbel aus Beton…

Dennewald Ja, wir unterstützen das Unternehmen Stayconcrete, das solche Produkte anbietet und gerade eine Terrasse in Österreich ausgestattet hat. Da werden wir mit Nachfragen überschüttet. Wir haben soeben einen Auftrag aus den USA erhalten.