LUXEMBURG
DANIEL OLY

Rasensport mit Indianerherz: Lacrosse versucht sich in Luxemburg zu etablieren

Zehn Spieler jagen einem Ball hinterher, das Runde soll ins Eckige, und wer mehr Punkte macht, gewinnt. Torhüter gibt es auch. Klingt bekannt? Hier geht es nämlich nicht um den Sport, den man jetzt vielleicht im Kopf hat. Dieser Sport hat Schläger und Schutzkleidung. Also Helm auf, und los! Wir spielen Lacrosse.

Das ist für Luxemburg noch eher ungewöhnlich, stammt die Sportart doch ursprünglich aus Amerika. „Erfunden haben es die Indianer“, meint Yves Audrimont. Er ist Spieler beim ersten luxemburgischen Lacrosse-Verein. „Für sie war es der ,kleine Krieg‘, eine meist friedliche Auseinandersetzung zweier Stämme gegeneinander. Da spielten dann ganze Dörfer. Ihre Spielrunden dauerten dabei aber manchmal Tage.“ Ganz so lang dauern die Spiele heute nicht mehr, und die Teilnehmerzahlen auf dem Spielfeld haben sich auch drastisch reduziert.

Viel Körperkontakt

Gespielt wird Lacrosse wie ein Mix aus Eishockey, Rugby und Fußball; vom Kicken wurden die zehn Feldspieler, und der Torwart übernommen, vom Rugby das Spielfeld und das Passen des Balles - und vom Eishockey quasi der ganze Rest. „Wir tragen Schoner - also Brustkorb, Helm, Schultern und Weichteile. Und wir haben Schläger, die ,Sticks‘“, erklärt Audrimont. Mit den Schlägern, die mit Netzen versehen sind, wird der Ball hin und her gepasst. „Dabei gibt es dann auch wie beim Hockey ziemlich viel Körperkontakt - da kann es auch mal rabiater zugehen.“

Wie kommt man also dazu? „Ich habe in Saarbrücken studiert; ein Mitbewohner hat mich dann einmal zum Training mitgenommen“, weiß Audrimont. „Das hat mich dann direkt begeistert, seitdem war ich angefixt. Aber das sehen wir auch bei unseren neuen Mitspielern hierzulande; die Menschen sind begeistert, wenn sie es einmal ausprobieren. Sie sind offenbar auf der Suche nach etwas Neuem.“

Im Durchschnitt sind die Spieler des luxemburgischen Lacrosse-Teams 25 Jahre alt. „Wir haben aber auch junge Mitglieder im Alter ab 13 Jahren, und auch davor kann man schon mal bei uns Lacrosse-Luft schnuppern, dann spielen wir eben etwas langsamer. Ältere Mitglieder haben wir natürlich auch“, erklärt er. Lacrosse richte sich eben praktisch an jeden. „Wir wollen aber ganz klar den Nachwuchs weiter ausbauen“, meint er. „Uns gibt es eben noch nicht so lang, deshalb geht es derzeit noch etwas schleppend - umso wichtiger, jetzt nichts zu verzögern.“

Zu diesem Zweck werben die Spieler des Vereins auch eifrig in den Schulen, so etwa auch im Lycée Guillaume Kroll. „Da kam das Spiel sehr gut an, wir haben es im Rahmen der Sportstunden vorgeführt und mit den Schülern gespielt, seitdem ist es auch regelmäßiger Bestandteil der Kurse - auch ohne uns“, weiß er. „Wir sind immer interessiert daran, es auf den Schulen vorzuführen.“ Das Lacrosse-Team ist stark an weiterem Nachwuchs - sowohl für das eigene Team wie auch für eine Damenmannschaft - interessiert, Leihmaterial für schnuppernde Mitspieler hat der Verein nämlich ohnehin genug. Trainiert wird übrigens auf den Rugby-Feldern in Zessingen und in Weimerskirch.

Trotz seinem Status als einziger luxemburgischer Verein hat der „Luxembourg Lacrosse Club“ auch die Qual der Wahl, wenn es um mögliche Gegenspieler geht. Das liegt daran, dass die Luxemburger in den Ligen im nahen Ausland mitspielen können. „Wir haben uns für die belgische Liga entschieden“, erklärt er. Dort seit 2018 zu spielen bedeutet natürlich auch, viel reisen zu müssen - manche Matches sind mehrere Fahrstunden entfernt. „Deshalb sind wir in diesen ersten Jahren noch nicht so sehr auf Punkte aus, sondern wollen uns erst einmal eingewöhnen“, meint Audrimont mit Blick auf die Resultate. Ganz weit weg war auch die Weltmeisterschaft, an der die Spieler als föderierter, international registrierter Verein teilnehmen durften. „Wir konnten nach Israel, aber das war natürlich eine große Herausforderung, es musste zügig organisiert und finanziert werden“, erklärt er. „Schlussendlich haben wir hier sehr viel aus der eigenen Tasche der Spieler gezahlt.“ Für die Europameisterschaft 2020 soll das besser werden. „Erstens haben wir jetzt die Zeit, Sponsoren aufzutreiben“, meint er. „Außerdem ist die Meisterschaft im Juli in Breslau in Polen; das ist nicht ganz so weit weg.“

Seit 2016 haben die Lacrosser eine Föderation - die „Luxembourg Field Sports Federation“ im Zusammenschluss mit anderen kleinen Feldsportarten. Das sei nötig gewesen, da sich der Verein ansonsten nicht föderieren ließe. „Bislang gibt es ja nur uns“, weiß Audrimont. Zur Gründung braucht es aber mindestens drei Mitglieder. Immerhin ist der Spieler zuversichtlich für die Zukunft. „Bislang läuft es gut, und wenn wir die Nachwuchsarbeit fleißig voran treiben, gibt es irgendwann vielleicht noch weitere Vereine im Großherzogtum. Möglich wäre zum Beispiel, dass ein weiterer Verein im Norden des Landes entsteht, oder eben im Süden! Es gibt auf jeden Fall noch Luft.“

Wer mehr erfahren möchte, kann dies über die Webseite der Vereinigung tun oder über die gleichnamige Facebook-Präsenz. Dort kann man sich auch fürs Schnuppertraining anmelden


Mehr Infos unter www.lacrosse.lu