RED GRAVE CITY
JEFF KARIER

„Devil May Cry 5“ ist ein gelungenes Comeback mit gewohnt übertriebener Inszenierung

Lässige Sprüche, „over the top“-Inszenierung und Kämpfe, die vor Stil nur so strotzen: „Devil May Cry 5“ greift das auf, wofür die Reihe seit Jahren bekannt ist. Bemerkenswert ist dabei, dass die Neuinterpretation des Studios „Ninja Theory“ aus dem Jahr 2013 komplett ignoriert wird. Grund: Das Spiel kam bei vielen Fans nicht besonders gut an, obwohl es für sich genommen recht gut war. Capcom hat daher für den offiziell fünften Teil der Reihe wieder auf interne Teams gesetzt, mit Erfolg. Denn bereits von der ersten Minuten an macht der Titel Spaß, auch wenn aufgrund der zum Teil überzogenen Art - vor allem was Sprüche anbelangt - der ein oder andere Fremdschäm-Moment nicht ausbleibt. Aber das ist Teil des Charmes des Spiels, den man entweder mag oder eben nicht.

Für Abwechslung ist gesorgt

Zunächst startet man nicht als Dante, sondern als Nero, ein Charakter, den Serienfans bereits aus Teil vier kennen. Da dieser seinen Dämonenarm verloren hat, greift er nun auf Prothesen der Mechanikerin Nico zurück, Devil Breaker genannt, die unterschiedliche Fähigkeiten bieten und somit unseren Kampfstil beeinflussen. Während Overture elektrische Blitze schleudert, feuert man mit Gerbera eine Schockwelle ab, durch die man sich durch die Luft bewegen kann. Mit den Prothesen kann man sich außerdem Gegner heranziehen oder sich an diese heranziehen. Hinzu kommen noch sein Schwert Red Queen und seiner Doppel-Pistole Red Rose.

Der mysteriöse und melancholische Dämon V, der scheinbar etwas zu viel Edgar Allan Poe gelesen hat, lässt eher für sich kämpfen und greift dabei auf drei Dämonen zurück. Während der Vogel Griffon Blitze verschießt, ist der Panther Shadow der Nahkämpfer. Das Trio wird durch das riesige Wesen Nightmare komplettiert, das V herbeirufen kann, wenn sein Devil Trigger entsprechend voll ist. Den Todesstoß muss jedoch V den Gegner setzen, und zwar mit seinem Gehstock.

Dante greift wie gewohnt auf sein Schwert Rebellion und seine Doppel-Pistolen Ebony & Ivory zurück, wobei im Laufe des Spiels weitere Waffen hinzukommen, was die Kämpfe bereits sehr abwechslungsreich werden lässt. Jedoch kann man außerdem mit dem Digikreuz verschiedene Kampfstile auswählen: Swordmaster, Gunslinger, Trickster und Royalguard. Außerdem steigt während des Kampfes Dantes Devil Trigger-Anzeige. Ist diese ausreichend gefüllt, kann Dante seine dämonische Kraft entfesseln. Er teilt also mehr Schaden aus, ist schneller und heilt sich selber.

Durch den Wechsel zwischen den drei Protagonisten gestaltet sich das Kämpfen sehr abwechslungsreich. Die Combos und Angriffe sollte man dann auch bis zu einem gewissen Grad verinnerlichen, um nicht nur die Gegner zu besiegen, sondern auch den Style-Meter in die Höhe zu treiben, was sehr befriedigend sein kann. Allerdings kann manchmal auch wildes „Button Mashing“ zum Erfolg und einer SSS-Wertung führen.

Um neue Fähigkeiten freizuschalten, müssen wir in den Levels „Red Orbs“ sammeln, die zum Teil gut versteckt sind. Aber auch durch ein möglichst hohes Style-Rating bekommt man solche rote Kugeln. Es gibt aber noch weitere Orbs. Mit grünen heilen wir uns , während lila Orbs die Devil -Trigger-Leiste und blaue Orbs die Lebensleiste vergrößern. Und wenn wir mal das Zeitliche segnen, nutzen wir einen der goldenen Orbs, die es uns erlauben weiterzukämpfen, was die Bosskämpfe phasenweise etwas zu einfach macht.

Licht und Schatten

Was die Handlung betrifft, ist diese gewohnt überzogen, etwas klischeehaft aber trotzdem unterhaltsam. In Red Grave City ist ein dämonischer Baum aus dem Boden gewachsen, der die Stadt verwüstet und viele der Einwohner getötet hat. Verantwortlich hierfür ist der mächtige und geheimnisvolle Dämon Urizen, der zu Anfang auch mal Nero, Dante und die anderen platt macht. Besser Waffen und neue Fähigkeiten sind also gefragt, um ihn zur Strecke zu bringen. Auf dem Weg dahin erleben wir die ein oder andere interessante Wendung samt den lässigen Sprüchen.

Kritikpunkt ist jedoch das Leveldesign, das sich zu oft wiederholt. Trotz der leistungsstarken hauseigenen Engine sehen die Level auch nicht immer so schön auswie sie könnten. Denn eigentlich sieht das Spiel sehr gut aus. Vor allem die Kampfanimationen sind gelungen. Aber auch die Cutscenes sind sehenswert. Rätsel, wie aus den Vorgängern gewohnt, gibt es recht wenige, dafür aber immer mal wieder gut versteckte Orbs. Man sollte also mit offenen Augen durch die Level gehen.

Unterm Strich macht „Devil May Cry 5“ vieles richtig. Besonders der zweite Durchlauf des Spiels, wenn man einen Großteil der Fähigkeiten freigeschaltet hat, macht Spaß. Nach zwei, drei Stunden am Stück dürften jedoch die meisten übersättigt sein. Denn so abwechslungsreich man die Kämpfe gestalten kann, irgendwie ist, das, was man tut doch recht monoton.


Getestet auf PS4 Pro. Das Spiel wurde uns
vom Entwickler zur Verfügung gestellt