CONTERN
CORDELIA CHATON

Karine Vallière hat den Lehrerinnenjob an den Nagel gehängt, um den Trampolinpark „Jumpbox“ zu gründen – mit Erfolg

Karine Vallière betrachtet die Kinder, die am Nebentisch ein Geburtstagslied singen, bevor sie den Kuchen erhalten. Viele sind verschwitzt. Bis gerade waren sie mehr in der Luft als am Boden zu finden, denn sie sind auf Trampolinen in verschiedenen Größen gesprungen. Schwarz mit grün abgesetzte und pinkfarbene Polster laden zum Springen ein.

Vallière ist stolze Gründerin des ersten Trampolin-Parks in Luxemburg. Jumpbox liegt in Contern in einem Gewerbegebiet. „Wir sind in einem ehemaligen Filmstudio. Das ist ideal, weil es schalldicht ist und hohe Decken hat“, erklärt die Unternehmerin. Seit April 2017 lockt sie Gymnastik-Vereine, Geburtstagsgesellschaften und Springlustige an. Im zweiten Jahr kamen immerhin 38.000 Kunden, und das, obwohl Vallière mittlerweile Konkurrenz erhalten hat.

Hüpfen in Großbritannien

Nichts deutete darauf hin, dass die gebürtige Französin eines Tages Unternehmerin würde. „Die Idee kam mir, als ich mit meinen beiden Töchtern während der Ferien in Großbritannien unterwegs war, wo wir zuvor lange gelebt hatten“, erzählt die mit einem Briten verheiratete Managerin. Ihre Töchter wünschten sich einen Besuch im Trampolinpark. Für Vallière war es eine Premiere. „Aber die gab es damals schon lange in Großbritannien, über zehn Jahre.“ Den beiden Töchtern gefiel es so gut, dass sie sich drei Tage später noch einen Besuch in einem anderen Trampolinpark wünschten. Die Familie fing an, die Parks zu vergleichen.

Zu diesem Zeitpunkt war Vallière Englisch-Lehrerin am Lycée Vauban. Denn nach dem Umzug von Großbritannien nach Luxemburg vor 13 Jahren wollte sie der Kinder wegen nicht im reiseaufwendigen Marketing-Bereich bleiben. Also sattelte sie um. Doch der Besuch der Trampolinparks in den Schulferien brachte sie auf eine Idee. „Ich habe mich gefragt: Wie wäre es, wenn ich einen Trampolinpark eröffnen würde?“, berichtet sie.

Ihr Mann, der im Finanzbereich tätig ist, stellte ihr jeden Tag 20 Fragen, die ihr helfen sollten, Motivation und Risiko besser einzuschätzen. „Er wollte wissen, welchen Grund ich für die Eröffnung eines Parks hätte. Aber ich hatte nicht einen, sondern hundert!“ Da die Bank zustimmte und auch die SNCI das Projekt unterstütze, wagte Vallière den Schritt von der Lehrerin zur Unternehmerin.

Lëtzebuerger Journal

Gymnastikclubs als Kunden

„Es läuft“, sagt sie mit Blick auf den Erfolg seit der Eröffnung im April 2017. Ihre Kunden haben 800 m2 zum Springen, 500 m2 zum Entspannen und weitere 250 m2 in der Mezzanin für Geburtstagspartys und andere Feiern. Draußen kann man entspannt sitzen. „Und wir sind mit Bus und Bahn optimal angebunden“, freut sich die Gründerin. „Parkplätze gibt es auch genug, denn am Wochenende arbeitet keiner in der Industriezone.“

Auf den Namen „Jumpbox“ kam Vallière gemeinsam mit ihren Töchtern. Die Jüngere, die Gymnastik macht, ist oft hier. „Man kann eigentlich gar nicht glauben, wie viele Gymnastikklubs es in Luxemburg gibt. Und wir haben als einzige im Land die Strukturen, die sie brauchen, nämlich eine 13 Meter lange Tumbling-Lane und eine Parkourswand.“, lächelt sie. Mit solchen Analysen beeindruckte sie auch die Jury beim Wettbewerb „Business Women of the Year“ der Banque Internationale à Luxembourg, bei dem sie zu den fünf Finalistinnen gehörte.

In der „Jumpbox“ stecken die gesamten Ersparnisse der Familie. Um das Marketing kümmert sich die Chefin selbst, vieles läuft über die sozialen Netzwerke. „Mein Job in Großbritannien hat mir dabei geholfen. Das hier ist wie ein Projekt“, sagt Vallière. Allerdings eines mit viel Personal. 17 Mitarbeiter beschäftigt die Gründerin, davon fünf Vollzeit. „Wegen der Kindergeburtstage ist es sehr wichtig, dass sie gut ausgebildet sind und ich auf sie zählen kann. Immerhin feiern hier rund 40 Kinder in der Woche“, bemerkt sie. Die Kunden überrascht die Chefin mit Obst, Cookies und selbstgebackenem Kuchen – oder aber einer salzigen Variante mit Gemüse. Nachhaltigkeit beim Essen und Trinken ist ihr wichtig. Das käme auch bei den Kunden gut an. Einziger Wermutstropfen sind Nachfragen bei Teambuilding-Events von Unternehmen. „Die wünschen sich oft Alkohol. Aber den schenken wir noch nicht aus. Aber bald…“, stellt sie fest.

Ihre Töchter, findet Vallière, sind durch ihren zeitaufwendigen Job sehr viel selbständiger geworden. Sie selbst kann sich gut alles Mögliche vorstellen, einen Verkauf ebenso wie ein Franchise oder die Rückkehr in den Lehrerinnen-Job oder auch eine Tour im Campingwagen um die Welt. Sorgen macht sie sich nicht. „Bislang läuft alles nach Business-Plan. Ich habe keine Angst vorm Monatsende.“

So groß die Trampolins auch sind und so viel Wert sie auf die Sicherheit gelegt hat: Die Unternehmerin springt so gut wie nie auf ihren Trampolins. „Mir darf nichts passieren“, hat sie beschlossen. Hoch hinaus ist sie trotzdem gekommen.