Der „Cercle de Coopération des associations laïques“ (CCAL) zeigt sich besorgt über die Tatsache, dass das Arbeitsdokument „Leben und Gesellschaft“ noch in Bezug auf Inhalte und Didaktik „sehr vage“ sei, gleichzeitig der neue Werteunterricht aber schon zum Schulanfang 2016 eingeführt werden soll. Vorgestern hat der Dachverband sein Gutachten zum Arbeitsdokument vorgelegt, das die Grundlage des neuen Fachs bilden soll. Er vertritt darin die Ansicht, dass man die bestehende „éducation morale et sociale“ hätte auf alle Schüler ausweiten können oder dass zumindest auf das Fach hätte aufgebaut werden können.
Immerhin seien in diesem Fach Schüler unterschiedlichster Glaubensrichtungen und auch ohne Konfession vereint. Auf diesen Unterricht aufzubauen hätte Zeit und Geld gespart. Und wenn das bestehende Fach nicht den Erwartungen des Ministeriums gerecht wird, wäre es zumindest nützlich gewesen, die Schwächen herauszuarbeiten und sie anschließend zu beheben, schreibt der CCAL an Bildungsminister Claude Meisch.
Kritik an Auswahl Oelkers
Außerdem ist der CCAL der Ansicht, dass Prof. Dr. Jürgen Oelkers „kein geeigneter Moderator“ für die Ausarbeitung des neuen einheitlichen Werteunterrichts mit dem Namen „Leben und Gesellschaft“ ist.
Acht Argumente bringt der „Cercle“ vor. Unter anderem habe Oelkers „öffentlich in einigen zentralen Punkten den bisherigen Aussagen von Bildungsminister Claude Meisch“, was das Konzept des neuen Fachs angeht, widersprochen. Von „Philosophieren“ sei in seinem Vortrag Mitte März zur Vorstellung des Rahmendokuments für das neue Fach „keine Rede mehr“ gewesen. Gleichzeitig sei Religion „Hauptthema seines Vortrags“ gewesen. Das Rahmendokument „erwähnt außer Religion keine anderen Themen, über die Wissen vermittelt werden müsste“. Allerdings stellt der CCAL auch die Art und Weise der Darstellung von Religionen in Frage. Wenn Religionen ausschließlich „als Systeme, welche Kultur prägen und Moral vermitteln“ dargestellt würden, Konflikte und fundamentalistische Positionen aber fehlten, dann werde „ein falsches Bild von Religionen vermittelt“. Ein tiefergehendes Verständnis von Philosophie oder Ethik vermisst der CCAL ebenso wie er kritisiert, dass sich scheinbar nur unzureichend mit der spezifischen Situation in Luxemburg auseinandergesetzt wurde. Das Fazit: „Es täte Bildungsminister Claude Meisch gut daran, Herrn Oelkers und seine theologischen Mitarbeiter umgehend durch ein Team zu ersetzen, denen nicht daran gelegen ist, durch die Hintertür einen stark religionslastigen Einheitskurs einzuführen“.


