LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Umfrage der AMMD: Technokratische und budgetäre Beweggründe gewinnen im Gesundheitssystem die Oberhand

Geht es nach einer Umfrage der AMMD, ist der Unmut unter den Ärzten groß und das „Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wird durch ein System gestört“, so Dr. Alain Schmit, Präsident der Ärztevereinigung gestern. Einer vom privaten Marktforschungsunternehmen Quest durchgeführten Befragung zufolge, an der sich 636 von 1.400 kontaktierten Ärzten beteiligt haben, sind 88 Prozent der Ansicht, dass Ärzte derzeit zu viel Zeit mit administrativer Arbeit verbringen. Für acht von zehn Ärzten werden den Medizinern zu viele reglementarische Einschränkungen zugemutet und noch jeder siebter Befragte sieht seine Arbeitsorganisation zunehmend erschwert. Noch 74 Prozent vertreten die Ansicht, dass sich Ärzte hohen „medizinisch-legalen“ Risiken aussetzen. Damit hängt eine andere Frage zusammen. Die Hälfte der Teilnehmer stimmt der Aussage zu, dass sich der „Arzt verpflichtet fühlen kann, auf bewusste oder unbewusste Art und Weise die Lücken der Nomenklatur zu umgehen“. Sieben von zehn halten den Leistungskatalog für veraltet.

ProblematischeZusammenarbeit

„Probleme mit der Nomenklatur“ ist dann auch die häufigste Antwort der Ärzte in Bezug auf die Zusammenarbeit mit der Gesundheitskasse. Nur 18 Prozent berichten von einem ungestörten Verhältnis zur CNS. Für die anderen ist das Verhältnis durch mehrere Faktoren getrübt: Erstattungsprobleme, Probleme im Dialog mit den Abteilungen der CNS oder mit der Funktionsweise des „tiers payant“. Immerhin vier von zehn Ärzten bezeichnen den Kontakt mit dem Kontrollärztlichen Dienst der Sozialversicherung (CMSS) als unzufriedenstellend und stellen die Neutralität der CMSS-Ärzte mit Blick auf das therapeutische Verhältnis zwischen behandelndem Arzt und Patienten infrage. Auch mit dem Verhältnis zwischen CMSS und Patienten haben 45 Prozent der Befragten eher negative Erfahrungen gemacht. Annähernd 40 Prozent wollten oder konnten sich nicht dazu äußern.

Unzufriedenheiten über das Gesundheitssystem sind vor allem darauf zurückzuführen, dass „technokratische und budgetäre“ Überlegungen immer ausschlaggebender werden. Die medizinische Expertise spielen in den Entscheidungsprozessen eine zu geringe Rolle, empfinden rund 60 Prozent der Befragten.

Auch wenn rund 80 Prozent der Befragten die Tätigkeit als Mediziner als persönlich erfüllend beschreiben, ist das Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben für 40 Prozent unausgeglichen - im Krankenhausumfeld ist das noch stärker ausgeprägt.

Für den AMMD-Präsidenten steht fest, dass Sozialminister Romain Schneider (LSAP) die Situation falsch einschätzt, wenn er meine, jeder finde sich im aktuellen System wieder. Die AMMD betonte gestern noch einmal ihre Gesprächsbereitschaft.