LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ein Wochenende mit dem Mercedes CLA 200

Gegen Ende der 1990er brachte Mercedes ein kleines knubbeliges Auto auf den Markt, das den Namen A-Klasse trug. Zunächst erlangte es traurige Berühmtheit, weil es einen skandinavischen Ausweichtest, den Elchtest, nicht überstand und sich mal kurzerhand aufs Dach legte. Die Antwort hieß ESP für alle - eine Weltneuheit in dieser Wagenklasse. Die kleine Kiste verkaufte sich danach, dank einer unschlagbaren Variabilität und der pfiffigen Technik wie geschnitten Brot, zumindest in Europa. 2004 folgte die zweite Baureihe, ebenfalls hoch und etwas knubbelig, aber jetzt mit drei oder fünf Türen und nochmal ein Stück cleverer als der Vorgänger. Immer noch ein Wagen, den man auf den ersten Blick wiedererkannte.

Erfolgreiches „me too“

Ein paar Jahre später war Schluss mit dem Design-Sonderweg, denn die Wege des Marktes sind unerschöpflich. Die Käufer unter 40 und der Weltmarkt wollten keine clevere Kiste, sondern was Dynamisches. Seitdem hat die A-Klasse von Mercedes-Benz zwar ihren eigenständigen Charakter verloren, aber die Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Die Strategie der Marketing-Experten ging auf, der kleinste Benz ist ein Renner. Die Sache mit dem „klein“ ist aber eine Frage der Definition.

Coupé mit vier Türen

In der Mercedes-Nomenklatur gibt es nur zwei A-Klasse-Varianten: Den kompakten fünftürigen Hatchback und eine viertürige Limousine. Der Mercedes CLA wird als eigenständige Klasse geführt, ist aber de facto nichts anderes als ein viertüriges A-Klasse-Coupé - allerdings mit vier Türen. Dachlinie, Kofferraum und die Heckpartie fallen insgesamt flacher ab als bei der Limousine - man muss aber dennoch zweimal hinschauen, um den Unterschied zu sehen. Mercedes selbst spricht von einem zurückversetzten „Greenhouse“.

Wieso überhaupt eine A-Klasse-Limousine? Weil Osteuropa und Asien keine Hatchbacks mögen, dort steht man auf das klassische Three-box-design, als Limousine oder CLA reüssiert der „kleine“ Mercedes auch auf dem US-Markt.

163 PS aus 1,4 Litern

Für ein Wochenende stand uns ein Mercedes-Benz CLA 200 zur Verfügung. Unter der dynamischen Haube mit zwei „Powerdomes“ - langgestreckten Ausbuchtungen auf der Motorhaube - die an die glorreichen Zeiten großer Motoren erinnern, werkelt ein Motörchen mit nicht ganz 1,4 Liter Hubraum. Dank Turboaufladung hat es der kleine Benziner aber in sich, dem Fahrer stehen 120 kW oder einfacher gesagt 163 PS zur Verfügung. Im Vergleich keine überragende Leistung aber völlig ausreichend - man vermisst nichts. Im Testwagen wurde dieser Motor mit einer 7-Gang-Automatik kombiniert, konservative Fahrer können auch ein Sechsgang-Schaltgetriebe ordern.

Wir müssen noch mal auf den Begriff „klein“ eingehen, in der Garage des Autors steht eine Mercedes S-Klasse Baujahr 1983, damals Top-of-the-line,
mit einer Länge von 5,02 Metern. Das „kleine“ CLA-Coupé, Baujahr 2019, bringt es auf 4,67 Meter Länge. Der Längenunterschied zwischen Luxus von damals und Kompakt von heute macht wenig mehr als ein DIN A4-Blatt aus. „Klein“ ist anders.

Entspanntes Fahren

Vor etwa dreizehn Monaten konnten wir auf Mallorca den Mercedes AMG A 35 testen, der kompakte Fünftürer war eine echte Rennbüchse, die quasi nach Kurven und einem nervösen Gasfuß schrie und getreten werden wollte. Hart, laut und immer „sauschnell“, zugegeben mit 306 PS fast doppelt so stark wie unser aktuelles Testauto. Wenn man mit dem CLA unterwegs ist, verblüfft der gravierende Unterschied zwischen den beiden Wagen, die doch der gleichen Plattform entspringen. Im Gegensatz zu seinem krawalligen Markenbruder fährt sich der CLA 200 lässig und entspannt wie eine weit größere Limousine. Die vordere Sitzreihe ist bequem und das Cockpit samt Assistenzsystemen und „Connectivity“ lässt keine Wünsche offen. Auch im CLA kann man, bei entsprechender Ausstattung, nach einem fröhlichen „Hey Mercedes!“ mit dem Wagen kommunizieren.

Eher ein 2+2 mit Türen

Ein Auto für die Strecke und die lange Reise, obwohl „kompakt“ ist der Kofferraum des CLA riesig. Die gegenüber einer C-Klasse eingesparte Größe macht sich nur auf der Rücksitzbank bemerkbar. Dort gilt der böse Spruch, der schon auf den ersten „kleinen“ Mercedes, den 190er (W 201) von 1982 zutraf: „Warum haben die Notsitze Türen?“ Aber wir reden ja von einem Coupé und da ist die klassische Sitzkonfiguration „2+2“ keine Schande. Wer die Rücksitzbank nur selten nutzt, auf große Fahrt geht und in der Stadt nicht zu viel Blech mit sich herumfahren will, für den ist der CLA genau richtig.

In Luxemburg starten die Preise für einen Mercedes CLA bei 29.835 Euro.