CHRISTINE LUTGEN

Die Vereinten Nationen haben 2017 unter dem Motto „Travel.Enjoy.Respect“ zum Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung erklärt. Es geht dabei darum, die Wichtigkeit des Tourismus für die Völkerverständigung zu unterstreichen, mehr Aufmerksamkeit auf das reiche Erbe der verschiedenen Völker zu ziehen und ihre Werte besser schätzen zu lernen. Das soll nachhaltig dem Frieden dienen. Vor dem Hintergrund der UN-Entwicklungsziele für 2030 geht es aber auch darum, die Jobs in der Tourismusindustrie nachhaltig abzusichern und den Umweltschutz in den touristischen Regionen zu stärken. Wie steht es um den nachhaltigen Tourismus in Luxemburg? Christine Lutgen, die Direktorin des Naturparks Obersauer, liefert Beispiele.

„Der Tourismus hat sich in den letzten Jahren gewandelt: Statt langer Reisen sind öfter Kurztrips gefragt, es geht den Menschen um Entschleunigung, um Gesundheit, um Qualität, und auch der Klimaschutz steckt mittlerweile in den Köpfen. Luxemburg birgt ein großes Potenzial, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Wir haben viel Natur mit abwechslungsreichen Landschaften, ein reiches kulturelles und gastronomisches Patrimonium und unser Land ist sehr gut mit dem öffentlichen Transport erreichbar.

Die größte Umfrage unter Touristen im Jahr 2013 hat übrigens ergeben, dass 82 Prozent der Befragten gerade wegen dieser Eigenschaften nach Luxemburg kommen. Aufgrund dieser Studie wurde viel an Konzepten gearbeitet, um dieser Nachfrage noch besser nachzukommen. Ausserordentlich gut funktioniert zumal der Fahrradtourismus. Studien haben ergeben, dass der Radtourist zehn Prozent mehr ausgibt als der Durchschnittstourist, weil Fahrradreisende vor allem mehr Wert auf gute Unterbringung und gute Verpflegung legen.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Velotourismus-Konzept ist die Vennbahn zwischen Aachen und Ulflingen. Die Nachfrage hat unter anderem dazu geführt, dass in Ulflingen ein Café wieder eröffnet hat, samt Radreparatur- und Infostation. Nun wäre es schön, wenn die Velotouristen auch auf einem zusammenhängenden Radwegenetz bis in die Hauptstadt und den Süden Luxemburgs fahren könnten. Die Regierung will diese Vernetzung weiter voran treiben und das ist sehr positiv für den nachhaltigen Tourismus.

Positiv sind auch Initiativen wie ‚Bed & Bike‘, mit an die Bedürfnisse der Radfahrer angepassten Unterbringungs- und Versorgungsmöglichkeiten und ‚Rent a Bike‘, wo man Radmaterial ausleihen kann.
Gleichsam ist der Ausbau des Wanderwegenetzes und auch des Service für Wanderer wichtig. Das Müllerthal hat sich eine Reputation als Wanderparadies aufgebaut, in den Ardennen arbeiten wir an einem Konzept der ‚Qualitätsregion‘ für Wanderfreunde, bei dem es neben Einrichtung und Unterhalt schöner Wanderwege natürlich auch um fachgerechte Unterbringung und qualitativ hochwertige Verpflegung sowie um Zubringung etwa zu den Startpunkten der Wanderwege geht.

Die so genannte ‚Last Mile‘ muss funktionieren, was uns im ausgedehnten Norden vor einige Herausforderungen stellt. Für mich ist nachhaltiger Tourismus aber auch stark mit dem Rückgriff auf regionale Produkte verbunden. Auch hier gibt es noch Potenzial, um etwa die in den Naturparks hergestellten Erzeugnisse besser an die Restaurantbetreiber und an die Touristen zu bringen.“

www.naturpark-sure.lu