LUXEMBURG
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Jägerschaft: Der Fuchs hat Rechte - aber die Gesundheit der Menschen in Luxemburg geht vor

Die Jäger machen weiter Front, jetzt wird der Bärentöter angelegt: Die Fuchsjagd in Luxemburg soll komplett verboten werden und außerdem für Wildschweine ein sechswöchiges Jagdverbot in Waldgebieten während der Monate März und April eingerichtet werden. „Dies stellt für Luxemburg ein komplettes Novum dar und kann von uns so nicht akzeptiert werden“, führten gestern die Verantwortlichen der Fédération Saint-Hubert des Chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg (FSHCL) um Präsident Georges Jacob aus.

Elf Verbände stehen hinter der Petition

Daher wollen die Jäger noch breiter in die Öffentlichkeit gehen, um aufzuklären und mit „falschen Informationen vonseiten der Regierung aufzuräumen“. Eine Petition, seit gestern in der Prüfung unter der Nummer 483, wurde ins Leben gerufen, die sich gegen diese Einführung einer „jagdfreien Zeit“ und gegen eine ganzjährige Schonzeit für den Fuchs richtet.

„Diese Einführung einer jagdfreien Zeit stellt einen inakzeptablen Eingriff in die jagdliche Organisation des Pächters, einen inakzeptablen Eingriff in das Eigentumsrecht der Grundbesitzer, eine nicht tolerierbare Diskriminierung des Jägers gegenüber anderen Naturbenutzern, sowie eine völligst unbegründete Unterschutzstellung der dem Wild gleichgestellten nicht einheimischen Arten dar (Waschbär, Marderhund, Bisamratte).“ Die Einführung einer Schonzeit für Wildschweine im Wald sei zudem unverantwortlich bei hohen Wildschäden und einer drohenden Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest, führt Hendrik Kühne, FSHCL-Generalsekretär, aus. „Einfach eine Frechheit“, sagt Jakob.

Erhöhtes Krankheitsrisiko für Mensch und Tier

Die Einführung einer ganzjährigen Schonzeit für den Fuchs stelle eine unrealistische und unverantwortliche ideologiegeprägte Entscheidung dar, die unvermeidlich zu einem drastischen Anstieg der Fuchspopulation in Luxemburg führen werde, führt die Jägerschaft aus. Deren Konsequenzen werden unter anderem sein: Imminentes Existenzrisiko für stark bedrohte Arten wieRebhuhn, Haselhuhn oder Kiebitz und Niedergang anderer abnehmender Arten (Hase, Feldhamster, Feldlerche). „Sämtliche wissenschaftlichen Studien belegen den signifikant negativen Einfluss des Fuchses auf seine potenziellen Beutetiere. Es ist ein geradezu absurder Vorschlag, einen der stärksten Kulturfolger zu schützen, während seine Beutetiere durch Flächennutzung bereits ein Populationsminimum erreicht haben“, sagt der FSHCL-Präsident - und „Studien, die die Regierung anführt, haben wir zwar angefragt, aber noch nie gesehen“, ergänzt Kühne.

Was beachtlich ist, „ist der Umstand, dass wir als Jäger nun aber nicht alleine hinter dieser Petition stehen, sondern diese von zehn weiteren Vereinigungen getragen wird: Fédération luxembourgeoise des pêcheurs sportifs (FLPS), Fédération des Syndicats de chasse du Luxembourg (FLSC), Centrale du chien de chasse (CCC), Centrale paysanne luxembourgeoise, Fraie Letzebuerger Baureverband (FLB), Baueren-Allianz, Vereinigung Luxemburger Schweinezüchter, Dachverband Luxemburger Schaf- und Ziegenzuchtverbände und Union des Sociétés avicoles du Grand-Duché de Luxembourg (USAL) treten als Unterzeichner auf.

Seit dem Anstieg der Fuchspopulationen sind die Neuinfektionen des Menschen mit „Echinococcose“ (Bandwurminfektion) deutlich angestiegen. „Wir fordern die Offenlegung der Zahlen über die Neuinfektionen in Luxemburg. Denn der Staatssekretär hat hier die Gefahr absolut fälschlich runtergespielt.“

Holland zeigt den fehlgeschlagenen Versuch

Sicher habe der Fuchs auch gewisse Rechte, „aber die Luxemburger haben ein Recht auf Sicherheit und Gesundheit“, resümiert der Arzt Jacob, dem selbst zwei Fälle bekannt sind, wo Personen mit dem Fuchsbandwurm befallen sind, denn auch Tollwut oder die Afrikanische Schweinepest würden mit dieser Gesetzeslage ein Problem für das Großherzogtum darstellen. „Wenn wir nun das Gefühl bekommen, dass alle unsere Bemerkungen und Bedenken nicht in Betrachtung gezogen, dann haben wir auch als Verband ein Problem“, sagt Kühne und verweist auf weitere Ungereimtheiten mit widersprüchlichen Ausführen aus dem Ministerium.

„Das Experiment des Ministeriums wollen wir nicht mittragen. 2002 wurde in Holland die Fuchsjagd verboten, und 2006 wieder in einer gewissen Panik aufgemacht, ganz ohne Schonzeit“. Ein Beleg für ein schiefgelaufenes Experiment, sagt Jacob abschließend. Mit diesen Verordnungen wolle Gira seine Wählerschaft zufriedenstellen, „mit falschen Fakten, ja gar Lügen, Klientelismus betreiben“, sagen Kühne und Jacobs gegen den vorgebrachten „Populismus des Staatssekretärs.“