LUXEMBURG
SVEN WOHL

Wie Nintendo der ersten 3D-Konsolen-Generation mit „Yoshi’s Island“ Paroli bieten wollte

In den 1990ern war ein Genre auf den Konsolen der unangefochtene König: Das „Jump and Run“. Doch dessen Glanz begann bereits ab Mitte des Jahrzehnts zu bröckeln, auch weil zahlreiche 3D-Fähige Konsolen wie die Sony PlayStation und der Sega Saturn ins Haus standen. Dort herrschte ein regelrechter 2D-Snobbismus. Nintendo, deren 64-Bit Konsole auf sich warten ließ, musste verhältnismäßig lange auf den Super Nintendo setzen. Im August 1995 – also vor 25 Jahren – veröffentlichte das Traditionshaus „Yoshi‘s Island“ in Japan. Das als Nachfolger zu „Super Mario World“ geführte Spiel setzte kurzzeitig neue Maßstäbe und wurde auf Anhieb zum Klassiker.

Baby-Rettungsdienst

Die Aufgabe des Spiels ist denkbar simpel gehalten: Yoshi soll Baby-Mario retten. Damit dies gelingen kann, muss er das schreiende Bündel von einer Insel zur nächsten Transportieren. Die Bösewichte wollen dies natürlich verhindern: Sobald sie Yoshi berühren, fliegt Baby-Mario in einer Blase davon. Dann bleiben nur noch wenige Sekunden Zeit, um ihn einzufangen. Yoshi selbst ist dabei zum Glück unsterblich, was die Aufgabe leichter macht. Und doch sind wiederholte Treffer nicht von Vorteil, da der Timer erst nach einer gewissen Zeit wieder zurückgesetzt wird.
Yoshi ist auch in seiner Spielgestaltung anders, als das große Vorbild Mario. Der männliche Saurier kann sich mit seiner langen Zunge Gegner schnappen und diese vertilgen, um in Sekundenschnelle aus ihnen ein Ei zu schaffen. Diese radikale Missachtung biologischer Grundprozesse erlaubt es dem Saurier, die Eier als Wurfgeschosse zu benutzen, worum sich nicht nur die zahlreichen Rätsel der Level drehen, sondern auch die Bossgegner. Springen gestaltet sich mit ihm auch ein Stück weit anders, da er in der Luft flattern und somit auch die Gesetze der Physik missachten kann. Ebenfalls wenig plausibel, aber spaßig: Der Dino kann sich in einigen Leveln in Hubschrauber, Maulwurf oder ähnliches verwandeln. Dies geschieht stets unter Zeitdruck und lockert die Level hervorragend auf. Das Leveldesign ist absolut klassisch gehalten. Alle Level sind mit Geheimnissen durchsetzt und wer alles erledigen möchte, hat einiges zu tun. Denn es gilt 20 rote Münzen zu sammeln, fünf Sonnenblumen und man sollte auch noch alle Lebenspunkte beim Erreichen des Levelendes haben.

Material zum Star

Vor allem bei der Grafik hat „Yoshi‘s Island“ immer noch seine Reize. Die Pastellfarben, die dicken Linien, saubere Skalierungseffekte dank Super FX2-Chip (siehe Infokasten) und ausdrucksstarke Sprites verleihen dem „Jump and run“ einen einzigarten Look. Nicht nur das: Hier lässt sich bereits einer der Trends bei Nintendo erahnen, was die spätere Entwicklung von 2D-„Jump and Runs“ angeht: Jedes erhält einen eigenen Look, der gleichzeitig zum Thema wird. Bei Yoshi wird das später anhand von Materialien dekliniert: Einmal taucht er als Wolle in „Yoshi‘s Woolly World“ auf der Wii U auf, ein anderes Mal als Bastelprojekt in „Yoshi‘s Crafted“ World auf der Switch. Yoshi’s Island suchte man indes in seiner ursprünglichen Fassung für Super Nintendo lange Zeit umsonst. Während die Game Boy Advance-Portierung später zahlreiche Nintendo-Plattformen segnete, musste das Original bis 2017 warten. Damals wurde es zum ersten Mal auf dem SNES-Mini neu veröffentlicht. Aktuell ist das Spiel in der Super Nintendo Entertainment App für die Switch zu finden.